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Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern – 26. Blatt

Till Eulenspiegel in 55 radierten Blättern
von Johann Heinrich Ramberg, mit Text nach der Jahrmarkts-Ausgabe. Verlag C. B. Griesbach. Gera. 1871

Eulenspiegel kauft zu Quedlinburg eine Menge Hühner und hinterlässt den Hahn zum Unterpfand.

chon manche Schelmenstreiche und Bübereien mochte der abenteuerliche Eulenspiegel hier und da wieder ausgeübt haben, ehe er von Erlangen nach Quedlinburg kam. Indessen hier, wo gerade Jahrmarkt war, und es ihm wieder am Besten, nämlich am Geld, fehlte, betrog er eine arme Bauerfrau um einen Korb voll Hühner. Er missbrauchte die deutsche Red­lichkeit überall, welche damals jedem aufs Wort glaubte, und betrog die Leute, wenn er nur konnte.

Eulenspiegel ging in Quedlinburg auf dem Markt umher, um zu sehen, ob er nichts zum Stillen seines Hungers finden könnte, und kam zu einer Bäuerin, die einen Korb voll Hühner nebst einem Hahn hatte, welche sie feilbot. Eulenspiegel fragte sie, was das Paar davon kosten sollte.

Sie antwortete: »4 Groschen.«

Er sprach: »Könnt Ihr sie nicht wohlfeiler geben?«

Sie sagte: »Nein.«

Da nahm Eulenspiegel den Korb mit den Hühnern und lief dem Burgtor zu.

Die Frau aber lief ihm nach und rief: »Halt, Freund, wie soll ich das verstehen! Willst du mir denn die Hühner nicht bezahlen?«

Eulenspiegel blieb stehen und antwortete ihr: »Das geht mich nichts an, ich bin der Äbtissin ihr Schreiber.«

Was kümmert mich das, wer du bist. Wenn du die Hühner bezahlst, so kannst du sie behalten. Denn mein seliger Vater hat mich gelehrt, ich solle denen nichts borgen, oder vorher geben, vor denen man sich neigen müsse, weil man sie nicht gut mahnen könnte – und so eine ist die Äbtissin auch.

Eulenspiegel sagte: »Liebe Frau, seid doch nicht so misstrauisch! Doch damit Ihr seht, dass ich ehrlich handle, so nehmt hier den Hahn zum Unter­pfand hin, und wartet hier so lange, bis ich wiederkomme und Euch das Geld bringe.«

Die treuherzige Frau glaubte dem Windbeutel, nahm ihren eigenen Hahn zum Unterpfand an und wartete den ganzen Tag auf das Geld. Als aber Eulen­spiegel noch nicht zurückkam, ging sie selbst zur Äbtissin, um das Geld zu holen. Allein diese versicherte ihr, dass sie keine Hühner hätte kaufen lassen. Die Frau ging betrübt nach Hause und ließ sich künftig gleich alles bar bezahlen.

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