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Fort Aldamo – Band 62

Frank Callahan
Fort Aldamo
Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker
Band 62
Wirbel in Fort Aldamo

Western, Military, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,80 €, Neuauflage vom 20.03.2018, Titelbild von Günter König

Kurzinhalt:
Solch einen höllischen Wirbel hat es in Fort Aldamo lange nicht mehr gegeben. Der bärbeißige, unerschrockene Haudegen Finnewacker, der sich schon in den rauesten Stürmen bewährt hat, sieht sich mehreren Problemen auf einmal gegenüber. Mit einer Meute rebellierender Sträflinge wird er noch fertig. Schlimmer ist es schon, als plötzlich der Brunnen vergiftet ist und die ganze Fortbesatzung mit einem Schlag auf dem Trockenen sitzt. Das größte Problem sind jedoch die beiden Häuptlingstöchter, um die sich Finnewacker kümmern muss. Wenn er die beiden nicht heiratet, wird es gewaltigen Ärger geben. Da steckt der Master Sergeant schwer in der Klemme!

Leseprobe

»Ehrlich, Finnewacker. Du bist der letzte unbesungene… äh… unbezwungene Held des Westens. Das habe ich wenigstens vor einigen Tagen im Yuma City Morningstar gelesen.«

Master Sergeant Finnewacker, sei­nes Zeichens kommissarischer Com­mander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie, thronte hinter seinem Schreibtisch und sog genussvoll an seiner dicken, schwarzen Zigarre.

Und es war dem wackeren Blaurock gelungen, die Kommandantur inner­halb kürzester Zeit einzuräuchern, was Sergeant Fitzgerald überhaupt nicht gefiel. Er hatte schon das Fenster geöffnet, doch es drang nur heiße und stickige Luft herein.

»Was bin ich …?«, fragte Finnewa­cker breit grinsend und legte die Zi­garre in den Aschenbecher. »Du willst mich wohl veräppeln, Kleiner. Das hast du dir bestimmt nur aus den Fingern gesogen, um mich bei guter Laune zu halten.«

»Deine gute Laune ist gar nicht zu übertreffen«, stellte der kleinwüch­sige und kraushaarige Sergeant fest. »Ist mir schon fast unheimlich. Den anderen Chargierten ebenfalls. Wir vermuten alle, dass du wieder einmal ein besonders dickes Ei ausbrütest.«

Finnewacker winkte ab.

»Hat das wirklich in der Zeitung gestanden?«, fragte Finnewacker vol­ler Neugierde und sah den kleinen Krauskopf aus zusammengekniffenen Augen an.

»So ungefähr, mein Alter. Du hast Fort Aldamo berühmt gemacht. Deine Abenteuer machen langsam aber sicher die Runde.«

»Du übertreibst, alte Knallschote. Wir alle tun nur unsere Pflicht. Ich hoffe, dass das auch von diesem Schrei­berling erwähnt worden ist.«

Finnewacker spähte zum Fenster hinaus. Draußen lag der größte Teil des Appellplatzes im grellen Sonnen­licht. Kommandos erschallten. Stiefel knallten hart auf das Kopfsteinpflaster.

Sergeant Waliowa ließ fünfzehn neue Strafsoldaten, die erst gestern in Fort. Aldamo eingetroffen waren, exerzieren.

Finnewackers Schnurrbart begann sich Unheil verkündend zu sträuben. Und das war stets ein sehr schlechtes Zeichen, was den Gemütszustand des alten Haudegens betraf.

»Mein lieber Schwan«, ächzte Finne­wacker dann. »Das sehe ich mir nicht länger mit an. Waliowa wird mit diesen Bettnässern einfach nicht fertig. Die machen mit ihm ja, was sie wollen, anstatt nach seiner Pfeife zu tanzen!«

Fitzgerald trat neben seinen Vorge­setzten. Auch er sah, dass sich Wallowa redlich abmühte, und doch führten die neuen Sträflinge die Befehle nur widerwillig und sehr schwerfällig aus.

Das war nicht nach Master Sergeant Finnewackers Geschmack! Nein – wirklich nicht!

»Himmel, Arsch und Zwirn!«, schimpfte er. »Jetzt nehme ich mir diese Eintänzer persönlich vor. Und ich verwette meine Streifen, dass ich die Neuen auf Vordermann kriege!«

Sergeant Fitzgerald seufzte.

Diese Wette war nicht zu gewinnen.

Wenn sich der Spieß der Strafkom­panie erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, war es unmöglich, ihn davon abzubringen.

Das wussten alle hier in Fort Aldamo – Sträflinge wie Chargierte.

Nur die Neuankömmlinge schienen noch nicht zu wissen, welch ein rauer Wind hier in der alten, ehemals spa­nischen Festung wehte.

Das würde sich aber schnell ändern.

Master Sergeant Finnewacker stürmte zur Kommandantur hinaus.

Und einige Sekunden später dröhnte seine berüchtigte Stentorstimme über den Appellplatz.

 

*

 

»Stillgestanden! Alle zum Exerzieren kommandierten Strafsoldaten hören ab sofort auf mein Kommando. Sergeant Wallowa zu mir!«

Wallowa stiefelte mit zerknirschtem Gesicht näher und baute sein Männchen vor dem Commander von Fort Aldamo.

»Melde mich zur Stelle, Finnewa­cker!«

»Ich seh’s, mein Guter. Danke, du hast deine Sache gut gemacht. Doch es fehlt da noch ein bisschen Pfeffer. Und den werde ich diesen fünfzehn Figuren jetzt irgendwo hinblasen. Abtreten!«

Sergeant Wallowa atmete auf und war seinem Vorgesetzten dankbar, dass dieser ihn nicht vor den Strafsoldaten bloßgestellt hatte.

Das aber würde Finnewacker niemals tun. Egal, was er in diesen Sekunden auch dachte. Wallowa würde seinen Anschiss bekommen, später und unter vier Augen. Das war nun einmal Finnewackers Prinzip.

»Aye, Master Sergeant«, erwiderte Wallowa und salutierte zackig. Dann marschierte er auf den Küchentrakt zu.

Finnewacker baute sich vor den fünf­zehn neuen Strafsoldaten auf. Wie ein Bulle stand er da – breitbeinig, die Hände in die Hüften gestemmt, und wippte dabei auf den Stiefelspitzen.

»Rechts um! Im Gleichschritt marsch. Links, zwo, drei, vier! Links, zwo, drei, vier!«

Die Strafsoldaten trabten los. Hart schlugen die Stiefel der Männer auf das Kopfsteinpflaster.

»Seitenrichtung! Vordermann!«, brüllte Master Sergeant Finnewacker.

»Arschbacken zusammenkneifen, Brust raus, Kinn an die Brust! Finger lang!«

Wieder führten die Neuen die Be­fehle nur widerstrebend aus. Finnewa­cker zeigte grinsend seine Zähne. Und doch war es schon mehr das Zähnezei- gen eines gereizten Tigers, der jeden Augenblick zum Angriff übergehen würde.

»Links, zwo, drei, vier! Links, zwo, drei, vier! Nicht so lahmarschig – zum Henker! Aufschließen, ihr Pfeifen!«

Finnewackers Stimme wurde noch schriller.

Einige Chargierte blickten inter­essiert dem Schauspiel zu. Und sie wussten, dass ihr Commander gleich explodieren würde.

Das geschah exakt eine Minute spä­ter, als einige Sträflinge völlig außer Tritt gerieten.

»Im Laufschritt – marsch!«

Viermal jagte Finnewacker die Neuen von der Ostmauer zur West­mauer. Das Kommando »Kehrt um« kam immer in letzter Sekunde.

»Volle Deckung!«

»Sprung auf – marsch, marsch!«

»Volle Deckung!«

So ging das weiter. Über eine halbe Stunde lang. Und den Neuen ging plötz­lich der Hintern auf Grundeis.

»Im Laufschritt – marsch. Schneller, Männer. Ihr wollt doch nicht einschla- fen? Vorwärts! Das hier ist die Straf­kompanie und kein Erholungsheim für Sonntagsschüler. Das mache ich euch jetzt klar. Ich habe Zeit. Sehr viel Zeit sogar. Bin selbst gespannt, wer früher schlapp macht! Ihr oder ich!«

Hart schlugen die Stiefel im Takt. Plötzlich wurden die Neuen williger, erkannten sie doch, dass mit dem Mas­ter Sergeant nicht zu spaßen war.

»Abteilung – halt!«

Finnewacker verzog das Gesicht.

Das klappte schon wieder nicht.

»Im Gleichschritt – marsch. Links, zwo, drei, vier!«

Zehnmal marschierten die Sträf­linge zwischen Ost- und Westmauer hin und her. Schweiß lief ihnen jetzt aus allen Poren. Kaum einer hatte noch einen trockenen Faden am Leib.

Brütende Hitze lag über dem Fort. Schlaff hing die Unionsfahne vom Flaggenmast. Nicht der geringste Luft­hauch wehte, der den gepeinigten Män­nern hätte Kühlung bringen können.

Weiter ging das raue Spielchen.

Und es dauerte noch exakt eine halbe Stunde, bis Finnewacker die Neuen so weit hatte, dass er halbwegs zufrieden war.

»Abteilung – halt!«

»Richt euch!«

»Rechts um!«

»Rührt euch!«

So prasselten die Befehle auf die fünfzehn neuen Strafsoldaten nieder. Einige der Sträflinge konnten sich kaum auf den Beinen halten, andere keuchten, ächzten und stöhnten.

»Das wär’s vorerst gewesen, ihr Hechte. Ich kann euch nur einen Rat geben: Reißt euch alle mächtig am Rie­men, sonst geht ihr durch eine Hölle. Das ist die Strafkompanie der US-Army. Und ihr Pfeifen seid hier, weil ihr einiges ausgefressen habt. Doch ich will meine Rede von gestern nicht wie­derholen, als ich euch begrüßt habe.«

Master Sergeant Finnewacker sah die Sträflinge der Reihe nach an. Die meisten Straf Soldaten senkten den Kopf, konnten dem harten Blick des bulligen und so erfahrenen Blaurocks nicht standhalten.

»Und morgen lernt ihr das Festungs­erweiterungskommando kennen, Män­ner. Ich schätze, dass ihr Stammgäste bei diesem Kommando werdet, wenn ihr in Zukunft nicht besser spurt.«

»Stillgestanden!«

»Zu den Unterkünften – wegtreten!«

»Im Laufschritt – zum Geier. Dalli, dalli, sonst exerzieren wir noch eine Stunde, Leute. Ihr werdet doch wohl nicht schlappmachen?«

Die Strafsoldaten sausten los und wurden von ihrem Zugführer in Emp­fang genommen.

»Stubendurchgang in einer halben Stunde!«, schmetterte Master Sergeant Finnewacker den Strafsoldaten hin­terher.

Sergeant Fitzgerald trat zu seinem Vorgesetzten und nickte dem alten Kämpen anerkennend zu.

»Denen hast du’s aber gegeben, Fin­newacker. Ich habe mir die Akten der Neuen mal in der Zwischenzeit vor­genommen. Schlimm, schlimm. Die meisten dieser Kerle sind wegen Kame­radendiebstahl, Befehlsverweigerung und Desertation hier. Üble Burschen. Da müssen wir uns auf einiges gefasst machen!«

Der Commander von Fort Aldamo griente und winkte ab.

»Bisher haben wir alle kleingekriegt. Auch diese fünfzehn Armleuchter essen uns schon bald aus der Hand. Mein Wort drauf!«

Quelle:

  • Frank Callahan: Fort Aldamo. Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker. Band 62. Bastei Verlag. Köln. 20.03.2018

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