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Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 8

Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845

8. Wie Rübezahl gegen eben diesen Edelmann einem Bauern beisteht

»Dem Verdienst seine Kronen!«, spricht der Kräuterklauber, nachdem der Edelmann tot ist, und erzählt noch nachträglich eine edle Tat von ihm, an der eben deshalb sogar der Teufel nicht einmal rechten Gefallen gefunden hatte.

Denn einstmals befahl der Edelmann einem Bauern, eine überaus große Eiche, die eben geschlagen worden war, mit seinen Pferden abzuholen und im Schlosshof abzuladen. Würde er, hieß es dabei, dem Befehl nicht schnell nachkommen oder gar nicht, so werde er der höchsten Strafe und in Ungnade verfallen. Damals war nicht zu spaßen und mit diesem Edelmann gleich gar nicht. Der Bauer fuhr also mit seinen Rösslein hinaus, obwohl er sich vorstellte, dass diese die Eiche nicht bewältigen würden. Als er aber gar die Eiche selbst sah, so erkannte er auch gleich die Unmöglichkeit, sie fortzubringen. Trauerte also gar sehr und schickte seine Seufzer und Klagen in den verschwiegenen Wald.

Wie er nun so in eitel Bekümmernis und Trauer dasaß und nicht wusste, wie das enden solle, da kam auf einmal mitten im Wald ein Mann auf ihn zu, der ihn fragte, was er hier mache und warum er so traurig sei.

»Ach«, sagt der Bauer, »mir ist doch nicht zu helfen.« Er erzählte ihm den ganzen Handel.

Der Mann sagte: »Sei nur getrost, Bauer, und lass mich machen. Geh immer heim, denn ehe du nach Hause kommst, wird dein Junker die Eiche haben.«

Indessen brachte Rübezahl – der günstige Leser macht es ihm freilich nicht nach, und der Kräuterklauber auch nicht – die ungeheure Eiche samt ihren weit gespreizten Ästen glücklich ins Dorf und legte sie dem Junker vor sein Hoftor, und zwar so, dass niemand aus und ein kann.

Der Edelmann befahl also, sogleich die Eiche zu zersägen und zu zerhacken, dass das Tor frei werde. Aber die Leute sägten, hackten und richteten doch damit nichts aus, denn die Eiche war wie aus Stein. Unter solchen Umständen blieb dem Junker nichts übrig, als durch die Mauer zu brechen und ein neues Tor machen zu lassen. Das kostete freilich Geld, und drum ließ er den Bauer kommen und sagte, das müsste er bezahlen. Der aber war jetzt getrost und erklärte, dass es Menschen unmöglich gewesen sei, einen solchen Baum fortzuschaffen, und das habe selbst einer eingesehen, der Rübezahl gewesen sein müsste; denn er habe ihn geheißen, nach Hause zu fahren. Und als er hereingekommen war, habe der Baum bereits da gelegen.

Da war es dem Edelmann doch bedenklich und er ließ den Bauer in Ruhe.

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