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Schwäbische Sagen 60

Schwäbische-Sagen

Zweites Buch

Geschichtliche Sagen

Gründung der Burg Hohenrechberg

In der letzten Hälfte des 7. Jahrhunderts, als die christlichen Sendboten Gallus, Kolumban, Bonifaz und andere das Evangelium in Schwaben verkündeten, wohnte auf der Teck noch ein mächtiger Heidenfürst, der seinen Götzen opferte und alle verfolgte, die von denselben abgefallen und zum Christentum übergetreten waren. Da entschloss sich der schwäbische Herzog Rumelius, der schon Christ war, diesen Greueln ein Ende zu machen und zog mit einem gewaltigen Heer gegen ihn und schlug ihn am Fuße der Teck bei Hausen dergestalt, dass 13.000 Heiden das Schlachtfeld bedeckten.

Unter den Gefangenen befanden sich außer dem Grafen von Teck auch vier Brüder, die alle einen roten Löwen als Wappen trugen. Diesen wies der Sieger das Land zwischen der Rems und Fils zur Ansiedlung an. Sie ließen sich danach taufen und erbauten auf dem Rechberg eine Wohnung, die Burg Hohenrechberg, und wurden die Stammväter des noch jetzt lebenden Grafen von Rechberg.

In der Nähe von Hohenrechberg führt noch heute ein Tal den Namen Christental.


Die erste Stiftung des Klosters Hirschau durch Helizena

Im Jahre 645 lebte eine reiche fromme Witwe aus dem Geschlecht der Edelknechte von Kalw, die betete alle Tage zu Gott, weil er ihr keine Kinder bescherte, ihr doch zu offenbaren, wie sie ihre Güter auf eine ihm wohlgefällige Weise verwenden sollte. Da schien es ihr einst bei Nacht, als ob sie eine Stimme hörte, die ihr zurief: »Helizena, gib acht! Dein Gebet ist erhört worden. Und dessen zum gewissen Zeichen sieh hier dies ebene Feld, darauf drei Fichtenbäume stehen, die aus einem Stamm gewachsen sind. Da sollst du zur Ehre Gottes eine Kirche bauen!«

Als sie aus dem Schlaf erwachte, wusste sie sich dessen, was sie gesehen und gehört hatte, so gut zu erinnern, als ob sie gewacht hätte, und sah es gleichsam alles klar vor Augen, obwohl sie vordem niemals dahin gekommen war. Doch sagte sie von der ganzen Sache keinem Menschen etwas, sondern legte am anderen Morgen, als es Tag geworden war, ein kostbares Festkleid an und ging in Begleitung von zwei Dienern und einer Magd ins Freie, als ob sie spazieren gehen wollte, und wandte sich in ein Tal hinab, ihren Gütern zu. Danach stieg sie auf einen Berg. Auf diesem erblickte sie von fern die Ebene, die ihr im Schlaf erschienen war. Sogleich eilte sie dieser Gegend zu und fand auf dem anmutigen flachen Feld drei schöne Fichtenbäume auf einem Stamm. Da fiel sie nieder auf die Erde, weinte herzlich vor großer Freude und legte ihr Kleid zu den Bäumen hin, um damit anzuzeigen, dass sie an diesem Ort zur Ehre Gottes all ihr Vermögen anlegen wolle.

In drei Jahren war auch die Kirche glücklich vollendet; jedoch ehe sie eingeweiht werden konnte, starb Helizena und wurde zu Tübingen begraben.


Graf Hubert von Kalw

Vor vielen Hundert Jahren war zu Kalw ein Graf, der besaß großen Reichtum und lebte herrlich und in Freuden, bis er eines Tags zu seiner Gemahlin sagte: »Soll ich nicht ganz und gar verloren gehen, so muss ich auch lernen, wie es sein möge, wenn einer arm ist.«

Deshalb legte er ein schlechtes Kleid an, nahm Abschied von seiner Gemahlin und wandte sich gegen die Schweiz. Hier wurde er in dem Dorf Deißlingen Kuhhirt und hütete die ihm anvertraute Herde mit allem Fleiß auf einem Berg. Obwohl das Vieh gedieh und fett ward, wurde er doch von den Bauern nach einigen Jahren seiner Dienste entlassen, weil es sie verdross, dass er beständig auf dem nämlichen Berg weidete. Hierauf ging er zurück nach Kalw, wo seine Gemahlin eben mit einem anderen Hochzeit hielt, und erbat sich als Pilger in seinem eigenen Schloss ein Almosen. Als man ihm nun ein Stück Brot brachte, wollte er es nicht nehmen, es sei denn, dass ihm auch der Becher der Gräfin voll Wein dazu gereicht würde. Nachdem er den Becher empfangen und ausgetrunken hatte, ließ er seinen goldenen Trauring darein fallen und kehrte stillschweigend in das vorige Dorf zurück. Hier vertrauten ihm die Bauern ihr Vieh aufs Neue an, weil sein Nachfolger dieses Amt indessen sehr schlecht versehen hatte, und behielten ihn als Hirten, solange er lebte.

Als der Graf aber sein Ende herannahen fühlte, eröffnete er den Leuten, wer er sei, und verlangte, sie sollten ihn nach seinem Tod von Ochsen hinausführen lassen und wo diese anhalten würden, begraben, auch daselbst eine Kirche bauen. So geschah es danach denn auch und die Kirche über dem Grab wurde nach seinem Namen Obert oder Hupert, die Sankt Hupertskirche genannt. Dahin wurden später Wallfahrten angestellt und zu seinem Gedenken Messen gehalten, und darf ein jeder Bürger von Kalw, der dort vorbeigeht, an die Tür anklopfen oder sich um etwas anmelden.

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