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Des Teufels Sohn

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Die braven Köhler des Alftales

Vom frischen Quell
Sagen, Legenden und Geschichten aus der Eifel
Jung und Alt in neuer Fassung dargeboten von Rektor Jos. Schiffels
Verlag Georg Fischer. Wittlich. 1912
Zweites Bändchen

Die braven Köhler des Alftales

Gegenüber der Mündung des Üssbaches in die Alf erheben sich auf waldbewachsener Anhöhe die Überreste der Burg Arras. Um das Jahr 938, als Routbertus Erzbischof von Trier war, standen da nur Köhlerhütten. In jener Zeit hatten sich die wilden Ungarn auf das westliche Deutschland geworfen, und ein Schwarm derselben war sogar unterhalb Koblenz über den Rhein bis Kaisersesch und Lutzerath vorgedrungen. Rauchende Trümmer und verwüstete Felder bezeichneten den Weg, den die wilden Horden nahmen. Den Bewohnern des Moseltals drohte eine große Gefahr. Das erkannte der brave Kohlenbrenner Arras an der Alf. Er hatte zwölf handfeste und tapfere Söhne, die ihrem allgemein geachteten und geschätzten Vater an Edelsinn nicht nachstanden. Als die Schreckenskunde, dass die zügellosen Ungarn in der Nähe seien, das stille Alftal beunruhigte, sandte Arras seine Söhne in das Gebirge und ließ alle Freunde und Verwandte zu sich bestellen. Willig folgten sie dem Ruf, und bald war eine große Schar kampfbereiter Männer um Vater Arras versammelt. Begeistert und siegesgewiss munterte er sie zum Kampf auf mit den Worten: »Brüder, ein schlimmer Feind bedroht unsere Heimat. Da dürfen wir nicht untätig zusehen, sondern wir müssen bereit sein, zu schützen, was uns lieb und teuer ist. Wir kämpfen für eine gerechte Sache und dürfen hoffen, dass Gott uns seinen mächtigen Beistand nicht versagt. Zwar ist unsere Zahl klein im Vergleich zu den Raubscharen, denen wir uns entgegenstellen, aber wir kennen alle verborgenen Pfade und schützenden Höhlen des Gebirges, die es möglich machen, dem Feind erfolgreich zu widerstehen, bis uns Hilfe zuteilwird. Folgt mir! Ich will euer Führer sein!«

Darauf wurde ihm die einstimmige Antwort gegeben: »Vater Arras, wir folgen Euch! Wir wollen Blut und Leben wagen für unsere Lieben und unsere Heimat!«

Bald war die wackere Schar ausgerüstet, so gut es eben ging. Ihr Führer wies ihr auf einer nahen Höhe hinter Felsen und Gebüsch eine günstige Stellung an. Er und seine Söhne hatten sich die gefahrvollsten Posten auserwählt. Es dauerte nicht lange, da kamen die Barbaren heran. Aus dem Hinterhalt sauste ein Hagel von Pfeilen und Steinen auf sie hernieder, und mehr wie einer von ihnen hat die Sonne nicht mehr aufgehen sehen. Schrecken und Verwirrung erfassten die unversehens Angegriffenen, die einen Widerstand nicht erwartet hatten. Da sie in der wilden Gebirgsgegend ganz unkundig waren, wagten sie nicht, weiter vorzudringen. Mittlerweile waren zahlreiche Kriegsscharen des Pfalzgrafen Hermann herangekommen, die von verschiedenen Seiten gegen die Ungarn heranrückten. Im Tale entspann sich ein heißer Kampf, der mit einer völligen Niederlage der Feinde endete. Die nicht erschlagen wurden, retteten sich durch eilige Flucht. Auch die Kampfgefährten des Köhlers Arras hatten siegreich mitgefochten.

Am anderen Tage begaben sich der Pfalzgraf Hermann und der Erzbischof Routbertus zur Hütte des alten Köhlers, um ihm und seinen Söhnen für ihre Heldentaten und Verdienste zu danken. Der Pfalzgraf schlug Arras und seine Söhne zu Rittern, und der Erzbischof ließ an der Stelle, wo ihre Hütte stand, zur künftigen Sicherung des Tales ein festes Schloss aufführen, das er Burg Arras nannte und mit Land und Leuten reichlich belehnte. Dort lebten lange Zeit die Herren von Arras, die sich ihres berühmten Ahnherrn allzeit würdig erwiesen.

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