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Der schwarze Mann

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Rübezahl, der Herr des Gebirges – Folge 2

Rübezahl, der Herr des Gebirges
Volkssagen aus dem Riesengebirge
Für Jung und Alt erzählt vom Kräuterklauber
Verlag Carl Gustav Naumann, Leipzig, 1845

2. Warum Rübezahl die Menschen neckt

Damals, als Rübezahl im Gebirge erschien, sah es da freilich noch nicht so aus wie heutzutage, und Rübezahl wunderte sich über gar vieles. Da beschloss er denn alles kennenzulernen, wanderte hinunter in ein Dorf und verdingte sich als Knecht bei einem Bauern. Der Bauer hatte ihn gar gern, und was er ihm auftrug, das vollbrachte er aufs Beste, sodass durch seine Rührigkeit und Klugheit der Bauer bald ein wohlhabender Mann ward. Wie es nun aber in der Welt so oft geht: Der Bauer wusste seinen Wohlstand nicht zu schätzen, ergab sich bald einer unordentlichen Lebensweise und behandelte den treuen Knecht unfreundlich und hart. Das verdross den und er dachte, du willst es bei einem anderen versuchen, und ging zu einem anderen Herm, bei dem er Schafhirt wurde. Alsbald gedieh seine Herde zum Erstaunen, und kein Schaf wurde mehr krank. Es schien bald, als ob gar keine Wölfe mehr im Gebirge wären, denn kein Schaf wurde mehr vom Wolf gerissen. Es wäre ganz gut gewesen, wenn der Herr der Herde das erkannt und den Hirten auch gut behandelt hätte. Aber das tat er nicht, denn er war ein Geizhals, gab den Hirten nicht satt zu essen und enthielt ihm sogar dem versprochenen Lohn vor. Da meinte denn Rübezahl, er wolle zu einem Mann gehen, bei dem Recht und Gerechtigkeit zu Hause sei, und wurde Diener bei einem Amtmann. Hier kam er aber erst recht an, und war nirgends weniger von Recht und Gerechtigkeit zu spüren als eben bei diesem Amtmann. Da seufzte denn Rübezahl tief auf und sagte: »So will ich denn auch von den Menschen gar nichts mehr wissen. Wo sie mir in den Weg kommen, so will ich sie necken und plagen. Vielleicht werden sie besser durch Kreuz und Trübsal.« Und damit ging er in sein Gebirge zurück.

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