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Marshal Crown – Band 52

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Timetraveller – Episode 18

Die Schwarze Fregatte

Der Sturm riss an ih­rer Klei­dung.

Clai­re und Dan drück­ten sich eng in den Tor­bo­gen nahe von SAN MAR­CO.

Der Re­gen peitsch­te und das Meer vor der La­gu­ne zeig­te sich in wah­rem Auf­ruhr. Über­all im Do­gen-Pa­last fla­cker­te Licht.

Ver­flucht!, blitz­te es durch Clai­res Kopf. Wo war die SIL­VER STAR?

Sie muss­ten sie er­rei­chen, be­vor die Corsa­rin aus­lief.

Estrel­la Avil­la de Ara­gon war die Ein­zi­ge, die ih­nen hel­fen konn­te.

Durch das To­sen des Win­des ver­nah­men sie das Ge­tram­pel der Wachs­ol­da­ten. Man war ih­nen dicht auf den Fer­sen.

Clai­re dach­te zu­rück. Vor acht Wo­chen hat­te das Aben­teu­er be­gon­nen.

Mit ei­ner No­tiz der eng­li­schen Ad­mi­ra­li­tät aus dem Jah­re 1763 …

 

***

Burg Rau­en­fels/Kom­man­do­zen­tra­le

»Hal­lo Clai­re – hal­lo Dan! Eure Ent­span­nungs­ta­ge sind vor­bei.«

Mark­ui Be­cker be­grüß­te die bei­den un­ge­dul­dig auf Rau­en­fels.

»Ihr gönnt ei­nem auch gar nichts! Wir kön­nen nicht pau­sen­los dem Pro­fes­sor hin­ter­her sprin­ten. Was ist denn los?«, woll­te Dan nach den sar­kas­ti­schen Wor­ten wis­sen. Er sah das ner­vö­se Fla­ckern in Mark­uis Au­gen.

»San­fold ist ver­schwun­den!«, platz­te da Mül­ler he­raus.

Dan schau­te von ei­nem zum an­de­ren. Clai­re ließ sich in ei­nen der Dreh­ses­sel glei­ten und schlug die lan­gen Bei­ne über­ei­nan­der. Ihr mo­di­scher Rock und die High Heels mach­ten Mark­ui noch ner­vö­ser.

»Wart ihr auf ei­ner Tanz­show?«, grunz­te er.

Clai­re lä­chel­te nur. Sie war sich der Wir­kung ih­res un­ge­wöhn­li­chen Out­fits be­wusst.

»Mal lang­sam«, kam es von Dan. »Jetzt mal in Ruhe! Wor­um geht es? Was heißt das: San­fold ist ver­schwun­den … Er ist doch in Kan­sas City. Si­cher ist er nur kurz ab­ge­taucht, um sei­ne nächs­ten Un­ta­ten zu pla­nen.«

Mark­ui setz­te sich auf ei­nen Ho­cker und kne­te­te sei­ne Hän­de. »Nein, ist es an­ders. Er hat uns ge­linkt. Ich weiß nur nicht wie. Wir ha­ben fest­ge­stellt – rein rou­ti­ne­mä­ßig – dass un­ser Pro­fes­sor seit zehn Ta­gen wie vom Erd­bo­den ver­schluckt ist. Du weißt, dass wir ihn über­wa­chen. Der letz­te Stand der Din­ge ist der, dass er sein Haus be­tre­ten hat und nicht wie­der he­raus­kam. Auch kei­ner sei­ner … äh … La­kai­en.«

Dan nick­te. »Schön – dann hat er ei­nen Zeit­sprung voll­zo­gen. Wie­so ruft ihr uns erst jetzt?«

Mark­ui schlug mit der fla­chen Hand auf den La­bor­tisch. »Him­mel – Dan … un­se­re Ge­rä­te hät­ten Alarm ge­schla­gen. Aber es ist nichts ver­zeich­net. Nicht die ge­rings­te Un­re­gel­mä­ßig­keit in Raum-Zeit­ge­fü­ge!«

Clai­re fuhr sich mit den Schnei­de­zäh­nen über die Un­ter­lip­pe. »Das ist sehr merk­wür­dig. Dem­nach kann er kei­nen Sprung ge­macht ha­ben.« Sie rich­te­te den Blick fra­gend auf Dan.

Der zog hör­bar die Luft ein. »Dem Prof traue ich al­les zu!« Er stand auf. »Es gibt nur eine Mög­lich­keit – wir müs­sen in sei­ne Woh­nung!«

Clai­re mach­te gro­ße Au­gen. »Du willst …«

Dan nick­te. »Ich will! Komm! Be­vor San­fold ir­gend­ei­nen Blöd­sinn an­stellt.«

Der Sprung wur­de vor­be­rei­tet.

»Da­bei wollt ich heu­te Mit­tag shop­pen. Du hat­test den Sprung ge­neh­migt. Hier geht man lang­sam ein«, stöhn­te Clai­re. »Man kommt zu nichts mehr!«

Mark­ui ver­zog das Ge­sicht. »Es gibt Pri­o­ri­tä­ten.«

 

Die In­spek­ti­on der Woh­nung des Pro­fes­sors er­gab nichts. Sie wirk­te, als sei er mal eben ver­reist. Der Schreib­tisch auf­ge­räumt – al­les or­dent­lich – kein Hin­weis.

»Hol­la! Was ist denn das?«, mur­mel­te Dan plötz­lich und an­gel­te den Pa­pier­korb un­ter dem Schreib­tisch her­vor. »Ganz so sorg­sam war der Prof nicht.«

Clai­re schau­te Dan über die Schul­ter, als er das klei­ne Pa­pier­zet­tel­chen aus­ei­nan­der fal­te­te.

»Was ist denn das?«

Dan starr­te auf die Zah­len und Po­ten­zen. »Der Teil ei­ner For­mel.«

Mark­ui blick­te spä­ter gleich­falls rat­los auf den Zet­tel. »Das ist zwei­fels­oh­ne San­folds Schrift. Aber was soll das?«

Plötz­lich räus­per­te sich Mül­ler. »Ent­schul­di­gung … darf ich mal?!« Er war­te­te nicht ab, son­dern er­griff den Zet­tel und mar­schier­te zu sei­nem PC hi­nü­ber.

Alle blick­ten den Tech­ni­ker er­war­tungs­voll an. Es brauch­te zehn Mi­nu­ten, dann stahl sich ein Lä­cheln über Mül­lers Züge. »Manch­mal muss man ein­fach nur tech­ni­sches Verständ­nis auf­brin­gen. Hier! Eine Er­wei­te­rung der Ein­stein­schen Ab­lei­tung zur Re­la­tiv­itäts­the­o­rie.«

Clai­re, Dan und Mark­ui lie­fen um den Tisch zu Mül­ler. Sie blick­ten auf den Bild­schirm.

Mark­ui knirsch­te mit den Zäh­nen. »Un­glaub­lich! San­fold will durch die Nut­zung von Ris­sen im Raum-Zeit-Tun­nel rei­sen und so kei­ne Er­schüt­te­rung ver­ur­sa­chen«, mur­mel­te er. Dann rich­te­te er sich auf. »Aber das ist doch blan­ke The­o­rie!«

»Aber San­fold ist weg und ihr habt nichts ge­merkt«, kam es tro­cken von Dan. Mark­ui blick­te ihn an wie ei­nen Ali­en.

»Und jetzt?«, kam es ton­los.

Dan zuck­te die Ach­seln. »Wir wis­sen, dass er et­was mit dem Ta­bu­la Sma­rag­di­na aus­heckt. Was auch im­mer. Viel­leicht ver­folgt er neue Hin­wei­se zur Deu­tung.«

Mül­ler schau­te über den PC hin­weg. »Na – da wer­den wir ihn nicht so schnell aus­fin­dig ma­chen.«

Clai­re hob den Fin­ger. »Nicht so rasch auf­ge­ben, Jungs. Wir müs­sen in his­to­ri­schen Do­ku­men­ten for­schen, ob sich ir­gend­wo ein Hin­weis über die Nut­zung der Schrift er­gibt.«

Dan seufz­te. »Da müss­ten wir alle Ge­heim­schrif­ten du­bi­o­ser Or­den durch­leuch­ten.«

Clai­re lief ein paar Schrit­te in dem Raum auf und ab. »Lang­sam-lang­sam. Was hat San­fold ge­macht, be­vor er zu­letzt sei­ne Woh­nung be­tre­ten hat?«

Mark­ui schau­te in die Com­pu­ter­auf­zeich­nun­gen. »Er be­such­te die Bib­li­o­thek der Uni­ver­si­tät.« Er zog die Au­gen zu­sam­men. »Merk­wür­dig …«, brumm­te er dann.

»Was?«, woll­te Clai­re wis­sen.

»Er in­te­res­sier­te sich für die ak­tu­el­le Ve­ne­dig-Aus­stel­lung in der Son­der­ab­tei­lung.«

Clai­re wink­te Dan zu. »Dann se­hen wir sie uns auch an. Komm!«

 

Uni­ver­si­tät Kan­sas City/Ve­ne­digaus­stel­lung

Clai­re und Dan schau­ten sich auf­merk­sam die Vit­ri­nen und Bild­wän­de an.

»Was kann denn hier die Auf­merk­sam­keit San­folds er­regt ha­ben?«, mur­mel­te Dan und schüt­tel­te den Kopf. Auf­zeich­nun­gen von See­schlach­ten gab es da. Nach­bil­dun­gen von Ha­fen­an­la­gen und di­ver­se Log­bü­cher. Pro­to­kol­le von Ka­pi­tä­nen, die im Auf­tra­ge der See­macht Ve­ne­dig un­ter­wegs ge­we­sen wa­ren.

Clai­re seufz­te. »Him­mel – wie sol­len wir hier ei­nen Hin­weis fin­den?! Wir wis­sen ja nicht mal, wo­nach wir su­chen sol­len!«

Sie stampf­te mit dem Fuß auf. »Jetzt sind wir in Kan­sas City und ich hat­te ei­gent­lich an­de­res vor!« Sie war in­ner­lich wü­tend.

Dan blick­te rat­los. Nach ei­ner Stun­de er­reich­ten sie ei­nen Raum, in dem es von al­ten Schrif­ten nur so wim­mel­te. Auf­ge­lo­ckert von lie­be­voll erstell­ten Schiffs­mo­del­len.

Vor ei­nem im­po­san­ten Mo­dell blieb Dan ste­hen. Eine Fre­gat­te aus der Zeit um Mit­te 17oo – auf­fäl­lig durch sei­ne pech­schwar­zen Se­gel. Da­run­ter ein Schild­chen: DIE SCHWAR­ZE FRE­GAT­TE.

Dan mach­te »Hm«. Clai­re run­zel­te die Stirn.

»Das sieht aus wie ein Geis­ter­schiff«, mur­mel­te sie. »Viel­leicht das Vor­bild für den Flie­gen­den Hol­län­der?«

Dan zuck­te mit den Ach­seln. »Es gab vor al­lem Pi­ra­ten, die durch sol­che Äu­ßer­lich­kei­ten Furcht ein­ja­gen woll­ten.« Er beug­te sich vor und über­flog ein Pro­to­koll. Es trug das Sie­gel der Bri­ti­schen Ad­mi­ra­li­tät. Plötz­lich zo­gen sich sei­ne Brau­en zu­sam­men. Er stieß Clai­re an. »Schau mal … was sagst du dazu?«

Clai­re be­trach­te­te das Per­ga­ment und frag­te dann: »Eine Zu­sam­men­kunft der See­ka­pi­tä­ne … und?«

»Lies doch wei­ter!«, for­der­te Dan.

Clai­re zuck­te ge­lang­weilt die Schul­tern. Dann las sie den Text. Je mehr sie las, um so auf­ge­reg­ter wur­de sie.

»Wäh­rend der Kon­fe­renz der Ve­ne­zi­a­ni­schen Ka­pi­tä­ne im Do­gen­pa­last kam es zu ei­nem An­schlag auf den Do­gen. Zeu­gen wol­len da­nach eine pech­schwar­ze Fre­gat­te vor der La­gu­ne ge­se­hen ha­ben.« Sie schüt­tel­te den Kopf. »Nun ja … aber wei­ter bringt uns das nicht.«

Doch in Dans Kopf ar­bei­te­te es. »Mal lang­sam. Hin­ter die­sem Pro­to­koll steckt noch ein wei­te­res Blatt. Ich bin da­von über­zeugt, dass die Ge­schich­te noch wei­ter geht.«

Clai­re nick­te. »Si­cher! Aber was hilft es uns?«

»Ich muss den Rest auch le­sen«, stieß Dan her­vor.

Clai­re lach­te kurz auf. »Die Se­cu­ri­ty wird dir si­cher die Vit­ri­ne öff­nen, wenn du lieb fragst!«

Dan warf ihr ei­nen ver­nich­ten­den Blick zu. Doch dann grins­te er schel­misch.

»Du könn­test strip­pen und die Wa­chen ab­len­ken. Dann sehe ich mir das Pro­to­koll an.«

Aus Clai­res Au­gen schie­nen Blit­ze zu schie­ßen. Doch dann be­merk­te sie: »Ist viel­leicht gar nicht so dumm.«

»Wie …?« Dan sperr­te vor Ver­blüf­fung den Mund auf.

Un­auf­fäl­lig tas­te­ten Clai­res Fin­ger an dem Vit­ri­nen­rand ent­lang. Dann er­fühl­te sie den Ver­schluss.

»Hier!« Sie kram­te in ih­rer Hand­ta­sche und drück­te Dan eine Haar­na­del in die Hand. Über ihre Arm­band­uhr nahm sie Kon­takt mit Burg Rau­en­fels auf.

»Was gibt es?«, kam lei­se die Stim­me von Mark­ui.

Clai­re hielt ih­ren Arm, als rei­be sie sich den Na­cken und brach­te so ih­ren Mund ganz dicht an den Chro­no­me­ter. »Wir klau­en jetzt ein Do­ku­ment. Du musst uns in vier­zig Se­kun­den hier raus ho­len.«

»Was?«, kam es von Mark­ui ver­blüfft.

»Frag nicht – mach’s!«

Ob der un­wir­schen Stim­me Clai­res er­spar­te sich Mark­ui jeg­li­che Dis­kus­si­on.

Clai­re ging zu ei­ner an­de­ren Vit­ri­ne, die etwa drei Me­ter ent­fernt stand, streif­te die High Heels ab, ging et­was in die Knie und schrie laut und schmerz­haft auf.

Sog­leich wand­ten sich zahl­rei­che Bli­cke zu der jun­gen Frau. Auch ein Se­cu­ri­ty-Be­dienste­ter nä­her­te sich. Dies nutz­te Dan, um mit der Haar­na­del das Schloss der Vit­ri­ne vor sich zu kna­cken. Er hob den Glas­de­ckel an.

Eine Alarm­si­re­ne dröhn­te los. Dan über­leg­te nicht lan­ge, son­dern griff nach dem Do­ku­ment.

Jetzt merk­te der Si­cher­heits­be­am­te, was er da tat.

»He!«, rief er und zog sei­ne Waf­fe. Clai­re stieß den Mann zur Sei­te, als er an ihr vor­bei zu Dan woll­te. Dann mach­te sie ei­nen Satz, er­griff Dans Hand.

Zwei wei­te­re Si­cher­heits­be­am­te stürz­ten her­bei. Ei­ner woll­te Clai­re fest­hal­ten. Die jun­ge Frau stieß ihn vor die Brust, dass er tau­mel­te und stol­per­te.

Da spran­gen di­rekt zwei Be­am­te auf das Paar zu und … grif­fen ins Lee­re.

Ver­dat­tert blick­ten sie sich an. Durch die Men­schen­men­ge ging ein un­gläu­bi­ges Rau­nen.


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