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Jacob von Molay, der letzte Templer 19

Franz Theodor Wangenheim
Jacob von Molay, der letzte Templer
Zweiter Teil
Herr und Knecht
Verlag von Joh. Fr. Hammerich, Altona, 1838

Sechstes Kapitel

An dem tiefblauen Himmelsdom der südlichen Zone war das glänzende Sternenheer heraufgezogen; in stiller Pracht glänzte in ihm der goldene Mond. Nemosia lag ruhig, die Wanderer in den Straßen der Stadt erquickte der Schlaf, den die Nachtkühle begünstigte. Lautlos verkehrten nur die Häuser miteinander, stille Grüße eines dem anderen winkend. Diese Nacht aber fand einen Wanderer in der Straße Fatme. Rasch war sein Schritt, doch nicht klingend, obwohl der weiße Tempelherrenmantel um den Wanderer flatterte. Der Strahl des Mondes fand auch nichts Glänzendes an dem, der diesen Mantel trug. Keine Rüstung deckte den Ritter, nicht einmal ein Schwert hing an seiner Seite; nur ein Dolch, in schwarzer Lederscheide, mit schwarzem Eisengriff, war seine ganze Wehr. Der Rittersmann musste die Örtlichkeit hier genau kennen, denn sein entschiedener Schritt führte ihn an die Tür desjenigen Hauses, an welchem der Mond das blanke Schloss beleuchtete. Ein nicht gar zu lautes Klopfen reichte hin: Die Tür wurde geöffnet, weiche Arme umschlangen ihn, und die wohlklingenden Liebesworte tönten in sein Ohr. Und wie der Ritter in seinem Schweigen beharrte, da fühlte er sich am Arm fortgezogen. Sonderbar erregten die Worte sein Herz.

»O, komm, du Lieber, dass der Kerzen heller Schein mir dein Antlitz zeige! Wie lange, wie lange habe ich dessen entbehrt! Sieh, mich verwirrt die Freude. Ich weiß nicht, was ich denke, und deine ernsten Züge sehe ich schon in ein Lächeln sich verkehren, in ein Lächeln über das Geschwätz deines Mädchens! Immerhin, nun habe ich dich, nun bin ich glücklich …«

Das nächste Wort erstarb auf den Lippen des Mädchens, denn ein Lichtstrom, welcher durch die Tür drang und des Ritters Züge erkennen ließ, verriet der vor freudiger Erwartung Bebenden, dass sie sich getäuscht hatte. Statt der dunklen Augen flammten ihr die blauen des Deutschen entgegen. Mit lautem Schrei ließ das Mädchen die Hand des Ritters fahren, enteilte ihm durch eine andere Tür. Er sah sich allein in dem fremden Gemach.

»Bei unserer lieben Frau«, murmelte der Deutsche, »hätte ich doch nicht gedacht, dass es so stände um des Ordens Häupter! Wenn aber der Dauphin gesündigt hat, so war die Sünde gar zu verlockend.«

In seinen Betrachtungen störte ihn eine sonderbare Erscheinung. Die Tür, durch welche das Mädchen geflohen war, öffnete sich schnell, wie von einer kräftigen Manneshand. Doch die eintretende Gestalt zeugte keineswegs von dieser Kraft. Es war ein Greis. Der gekrümmte Rücken sprach von der Last der Jahre, wenn es nicht schon der wie Silber glänzende Bart getan hatte. Die eine Hand noch am Griff der Tür stand der Greis minutenlang und forschte in den Zügen des Unberufenen. Der Deutsche aber sah ihn mit großem Blick an und prüfte die ganze Gestalt. Der Mann war nicht heimisch hier im Süden. Dieser Sonne Strahl hatte nicht den Knaben erwärmt. Unter den weißen buschigen Brauen leuchtete ebenfalls ein blaues Augenpaar, und in dem alten Gesicht waren noch die Überreste von eines nordischen Mannes Schönheit zu erkennen. Auch die Tracht des Greises stimmte nicht mit der des Mädchens überein. Sie war schwarz, nach dem Schnitt, wie sie in Deutschland der friedliche Bürger trug. Doch an dem Gürtel hing an goldener Kette in roter Scheide ein gekrümmter Dolch.

»Was führt Euch her«, unterbrach endlich der Greis das Schweigen. »Was wollt Ihr? Und wer seid Ihr?«

»Das Fragen ist an mir«, versetzte der Wildgraf trocken. »Wer bist du? Und was ist dein Gewerbe? Du bist nicht Muselmann oder ein Renegat?«

»Zu welchem Ende die Bemerkung? Dieses ist mein Haus, Herr, und ich bin nicht gesonnen, vor Euch, einem Fremden, wie vor einem Richter zu stehen!«

Mit den letzten Worten hatte sich der Greis dem Wildgrafen genähert. Das mannhafte Benehmen des Greises verfehlte seinen guten Eindruck nicht. Anstatt von der trotzigen Rede gekränkt zu werden, wurde der Wildgraf freundlicher. Er entgegnete dem Greis: »Du sollst sowohl nicht vor mir als auch vor deinem Richter stehen, doch will ich Aufschluss von dir, Aufschluss über jenes Mädchen und über irgendeinen meines Ordens.«

»Euer erster Anblick trügt. Ich hätte Euch zu gut gehalten, eines Ordensbruders Wege aufzuspüren …«

»Dank es der Höhe meines Standes«, zürnte Hugo, »dass nicht mein Dolch das letzte Wort dir in die Kehle zurückstößt!« »Wirklich! Könntet Ihr das, Herr Ritter? In zweifle sehr daran, denn ich bin Christ, und gegen Christen darf der Tempelherr die scharfe Waffe nicht führen.«

»Warum aber trägt sich deine Tochter oder was sie sonst sein mag sarazenisch?«

»Das Mädchen ist nicht meine Tochter. Man hat es meiner Obhut anvertraut.«

»Das wird immer besser. Vermutlich durch einen Tempelherrn dir anvertraut?«

»Ihr fragt in der Tat zu viel, und zwar aus dem einzigen Grund, weil ich Euch nicht die Hälfte davon beantworten werde. Wenn Ihr irgendetwas bei mir suchen wollt, so kommt am Tag. Bei nächtlicher Weile möchte man Euren Besuch übel deuten.«

»Nun, bei unserer lieben Frau!«, rief der Wildgraf. »Das ist doch zum Lachen! Dem Dauphin von Auvergne wird das Haus in jeder Nacht geöffnet, und wer weiß, ob er in solcher tugendhaften Absicht herkommt, wie ich komme.«

»Welchen Namen nanntet Ihr, Herr Ritter; Dauphin von Auvergne? Der klingt mir nicht so ganz unbekannt; aber es ist schon lange her, dass ich ihn nicht gehört habe.«

»Was treibst du mit mir, Alter? Denkst du etwa, ich sei ein Narr, der nicht weiter denkt, als du es für gut findest? Den Dauphin solltest du nicht kennen! Ihn, der nächtlicherweise in diesem Haus Besuche abstattet! Und kurz und gut, du wirst mir Rede stehen. Ich sage dir, du wirst! Sonst habe ich Mittel, dich zu zwingen, zu allem, was du nicht wolltest.«

»Was treibt Ihr nur! Ich bin des Königs Untertan. Der König nur, kein anderer, kann mich zwingen. Und wenn ich auch als ein Greis vor Euch stehe, so dürfte ich doch nicht gar zu lange den Stolz eines Tempelherrn ertragen. Ich werde mich vor Euch nicht verbergen. Ruft mich vor den Richterstuhl meines Herrn und Gebieters, dem werde ich Rede und Antwort stehen; nicht Euch, Herr Ritter.«

»Höre, Alter«, gab der Wildgraf nach, »die Festigkeit, mit der du auf deinen Willen beharrst, sie verletzt mich nicht. Doch bin ich nicht gekommen, damit die Vergehungen irgendeines meiner Brüder öffentlich zur Schau getragen werden. Mir ist genug, wenn ich ihn zurückbringe von dem schlimmen Weg. Gestehe mir denn offen: Kennst du den Tempelherrn nicht, der zu Nacht dein Haus besucht?«

»Seht, wenn Ihr so fragt, dann ist das ein anderes. Ich kenne den Ritter nur von Tortosa her, er war mein Retter und der Retter des Mädchens, welches Ihr gesehen habt. Setzt Euch nieder, Herr, ich will Euch das erzählen. Ich wohnte in Tortosa, kaufmännisches Gewerbe treibend. Christen und Sarazenen handelten gern mit mir, denn ich war redlich. Fleiß und Sparsamkeit verfehlten ihre Wirkung nicht. Ich war der reichste Mann in Tortosa. Da gefiel es dem Himmel, dass er die Tempelherren unter Jacob von Molay von Zypern herüberführte, mit ihm den Tyrerfürsten; und Tortosa fiel in ihre Hände. Mein Reichtum reizte die beutegierigen Söldner. Mich schützte es nicht, dass ich Christ war. Nur den geringsten Teil meiner Habe konnte ich bergen. Von meinen Hausleuten blieb mir keiner; nur die Mutter jenes Mädchens und dieses selbst. Bald aber erhob sich der Sultan mit seinem übermächtigen Heer, die Christen konnten sich in Tortosa nicht halten, und noch einmal begannen sie zu plündern. Sie wollten nichts zurücklassen, damit es nicht dem allgemeinen Feind in die Hände fiele. Eine blindwütende Bande überfiel mich eines Abends in meinem Haus. Man wollte durchaus das Geständnis von mir erpressen, dass ich noch Reichtümer besäße, und wo ich sie verborgen habe. Ich wurde geschlagen, gestoßen, mit Füßen getreten, doch ich sagte nichts, mein Trotz vermehrte sich mit ihrer wütenden Begegnung. Zu Tode matt lag ich am Boden, da schleppten andere von ihnen meine Sklavin herein. Die sollte um meine Reichtümer wissen, und um den Ort, wo sie wären. Das Jammergeschrei des Weibes durchdrang das ganze Haus und rief endlich die Tochter herzu. Mutter und Kind hatte ich einst gekauft, hatte sie niemals trennen wollen, denn sie liebten einander zärtlich. Kaum erblickten die Krieger das schöne, blühende Mädchen, so frohlockten sie über den schönen Fund. Doch nur zu bald wurden sie unter sich selbst uneins, sie rissen sich um das Mädchen, sogar Schwerter zückten sie gegeneinander; es schien blutig werden zu wollen. Von dem Getümmel angelockt, trat ein Tempelherr mit zwei Brüdern herein. Sein Befehl donnerte unter die blind wütende Masse, und gehorsam, Furcht in Blick und Miene, entfernten sich die Raubsüchtigen. Auf den Knien dankte ich meinem Rettungsengel; doch konnte ich seinen Namen nicht erfahren. Er entfernte sich mit seinen Brüdern, stolz den Dank verachtend, zu welchem ich mich erbot.

Ein anderes nahm mich in Anspruch. Meine Sklavin erlag den Misshandlungen; nach wenigen Stunden gab sie ihren Geist auf. Noch weinte die Tochter auf der Leiche der Mutter, da trat jener Rittersmann wieder zu uns herein, dieses Mal aber ohne Begleitung. Teilnehmend hing sein Blick an der Weinenden, dann richtete er die Worte an mich: ›Warum weilst du unter den Heiden? Wir verlassen jetzt diese Küste, der nächste Tag führt uns wieder nach Zypern. Kommt der Sarazene wieder durch diese Tore, so wird er dir dein noch übriges Gut nicht lassen. Verschmähe darum meinen Rat nicht. Magst mit dir nehmen, was hier geblieben ist, und ziehe hinüber nach Zypern. Dort kannst du Handel treiben, besser und vorteilhafter als hier.‹ Des Ritters Worte fielen in einen empfänglichen Boden. Das kürzlich Erlebte ließ mich die Gefahr in ihrer ganzen Größe erkennen. Ich raffte zusammen und zog hierher. Das ist alles, Herr; und noch bis heute habe ich seinen Namen nicht erfahren.«

»Soll ich dir glauben? Soll ich nicht?«, versetzte Graf Hugo kopfschüttelnd. »Warum aber besucht der Ritter nachts dein Haus? Warum meidet er den Schein nicht, der allein schon hinreicht, ihn vor den Richterstuhl seines Vorgesetzten zu berufen? Und warum sprach das Mädchen von Liebe, als es mich an seiner statt empfing?«

»Könnt Ihr das Mädchen darum verdammen, da es sein Dankgefühl in Worte kleidet, wie das Herz sie geboren hat?«

»Nein, nein, Alter, ich lass dir das nicht gelten! Der Lüge scheinst du nicht gewohnt, denn ich finde dich verlegen. Sage mir die Wahrheit ohne Scheu und Hehl. Mein ritterliches Wort sei dir Bürge, dass ich in Güte versuchen werde, das Ganze auszugleichen. Ich bin für diesen Augenblick Komtur des Hauses hier in Nemosia, um so leichter wird es mir, mit Nachsicht zu verfahren. Du hast nicht lange zu bedenken, denn wie ich dein Haus verlasse, ist die Zeit zum Prüfen und Wählen vorüber.«

»Inr seid der Komtur des Hauses …?«, fragte der Greis. Die Bemerkung schien ihm schwer aufs Herz gefallen zu sein.

»Wie ich gesagt habe, so ist es. Ich bin zwar nur kurze Zeit erst hier, doch bekleide ich in meinem Vaterland eine der höchsten Würden des Ordens. Habe Zutrauen zu mir, ich bin ein Deutscher und halte in allem Wort, was ich verheiße. Treibe mich also nicht so weit, dass ich vor dem versammelten Kapitel dem Bruder Tempelherrn sein Vergehen vorhalten müsste. Auch deiner dürfte ich nicht schonen und des Mädchens.«

Der Greis besann sich eine Weile, dann entschied er sich plötzlich: »Ich hole das Mädchen, Herr. Mögt Ihr es selbst fragen, ich vermag nicht mehr zu geben.«

Und ohne des Wildgrafen Erlaubnis abzuwarten, entfernte sich der Greis. Sein Ruf drang durch das Haus, und bald führte er das zitternde Mädchen vor den Ritter. Nun erst konnte der Wildgraf die ganze hohe Schönheit ermessen: Ein Weib stand vor ihm, wie er es in Zaubermärchen hatte beschreiben gehört; noch mehr verschönt von holder Scham, welche durch die feine dunkle Haut leuchtete. Kaum wagte das Mädchen den Blick zu ihm zu erheben; doch als er es anredete, die langen schwarzen Wimpern sich erhoben, da leuchtete es aus den schwarzen Sternen wie dunkel glühende Kohle. Die rechte Hand unter dem wogenden Busen geschmiegt, stand nun das Mädchen in so reizender Verwirrung da, dass der Wildgraf mehrere Fragen an dasselbe gerichtet hatte, ohne sich seinem Hauptzweck zu nähern. Er wusste schon des Mädchens Namen. Es antwortete ohne Scheu, wenn er fragte. So war es denn auch möglich, den Namen desjenigen zu erfahren, für welchen der Wildgraf empfangen worden war. Selma nannte ihn Guy. Mehr wusste auch sie nicht von ihm, doch beschrieb sie ihn mit so lebendigen Farben, dass es just keines Scharfblickes bedurfte, um mehr als Freundschaft zwischen den beiden zu vermuten. Die Verzückung, in welche das Mädchen geriet, als es von dem guten Herzen des Mannes sprach – alles bekundete die Glut einer wahren, überschwänglichen Liebe. Der Greis aber verriet durch seine Aufmerksamkeit, mit welcher er den Worten des Mädchens lauschte, dass es wohl eine andere Bewandtnis um die Herkunft des Mädchens haben müsste, als er dem Ritter früher gesagt hatte. Auch der Reichtum, der Selma umgab, war sicherlich nicht aus der Nachlassenschaft einer Sklavin im Haus eines Kaufmannes. Dies alles vermochte den Wildgrafen mit einer plötzlichen Frage hervorzutreten.

»Höre, Mädchen, sag mir die lautere Wahrheit, weißt du nicht, dass ein Tempelherr kein Weib lieben darf? Hörtest du niemals, dass sein Herz so rein und makellos bleiben müsse wie der weiße Mantel mit dem roten Kreuz?«

»Ich verstehe Euch nicht, Herr, mindestens nicht ganz. Wohl habe ich viel gehört von jener tapferen Christenschar, welche selbst ihren Feinden Ehrfurcht einzuflößen wusste. Man sagte mir, sie hießen Tempelherren; und wie sich ihr Ruf bewährt, das habe ich in Tortosa erfahren.«

Ohne noch eine Frage des Ritters zu erwarten, erzählte Selma mit der leidenschaftlichsten Aufregung, was dieser schon von dem Greis erfahren hatte. Aus des Mädchens Mund aber tönten die Worte wie Preisgesang, und wie verklärt waren die Züge des schönen Gesichtes, da es die Rettung aus den Händen der wilden Bande beschrieb. Das alles aber konnte den Wildgrafen nicht vermögen, von dem einmal gefassten Entschluss abzugehen, und er versuchte dem Mädchen das Strafbare eines solchen Liebesverhältnisses begreiflich zu machen. Doch hier war die größte Beredsamkeit vergebens.

»Wie«, fragte Selma, »wie sollte ich den nicht lieben, dem ich das Leben verdanke? Kann Euer Gott den Undank befehlen? Ich werde meinen Retter lieben, bis mein Herz bricht, und weiter noch, wenn es möglich sei. Ich muss ihm angehören hier und dort, und fest steht es vor meinem inneren Blick, dass wir uns auch drüben wiederfinden werden.«

Auf des Wildgrafen Stirn lagerten sich sorgenvolle Falten, und beinahe mit Verdruss sprach er zu dem Mädchen: »Wie sich das schnell auch in deinem jugendlichen Kopf entsponnen, wie schön du auch sprichst, anders wirst du es sich gestalten sehen. Du und er, beide seid Ihr strafbar. Es täte mir leid um ihn, um dich.«

»Sprecht Ihr doch, Herr, als hätte Guy noch jemand über sich. Kein König der Erde, so sagte er mir einmal, dürfe ihn vor seinen Richterstuhl fordern. Und ihm glaube ich, denn der Mund ist keiner Unwahrheit fähig.«

»Nun denn«, meinte der Wildgraf kurz, »so sage nur, wenn er wiederkommt, ich sei hier gewesen. Ich will doch sehen, ob er dir die Gefahr nicht zeigt, welche euch beiden droht!«

Bis jetzt hatte der Greis kein Wort in die Unterhaltung gemischt, nun aber trat er hervor, machte den Ritter aufmerksam, dass die Stunden der Nacht ihrem Ende zueilten, und man ihn nicht bei Tagesanbruch erkennen dürfe, da man seinem Hiersein eine ganz andere Absicht unterlegen würde.

»Du mahnst mich zur rechten Zeit«, erhob sich der Wildgraf. »Ich scheide jetzt; nur die Warnung lasse ich Euch zurück, verschmäht sie nicht, es könnte zu spät werden. Wer dieses Mädchen ist, das will ich nicht wissen, sie ist aber nicht das, für was du sie ausgegeben hast. Wir könnten wohl noch weiter fragen, denn hier auf Zypern sind wir mächtig genug, einen König zur Rede zu stellen, und was wäre dann ihr Los und das deine?«

»Herr Ritter, ich verschmähe Eure Warnung nicht, doch lässt sich das nicht in aller Eile schlichten. Ein Mädchenherz ist ein gar eigensinniges Ding. Doch geht ruhig heim, und wenn Ihr es erlaubt, so komme ich zu Euch in das Haus und berichte den Erfolg.«

»Tue das, ich bin damit zufrieden. Doch nicht zu lange darf es dauern. Das Säumen würde das Schwert der Gerechtigkeit beflügeln; und was hätte vermieden werden können, das wird geschehen müssen.«

Der Ritter hatte sich längst entfernt, Selma das Lager gesucht, und noch immer saß der Greis unermüdet an Schriften arbeitend. Er schrieb an Wilhelm von Villaret, den Großmeister der Hospitaliter.

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