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Fort Aldamo – Band 48

Frank Callahan
Fort Aldamo
Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker
Band 48
Die schöne Gräfin

Western, Military, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,80 €, Neuauflage vom 06.09.2017, Titelbild von Günter König

Kurzinhalt:
In Fort Aldamo ist der Dienstbetrieb mächtig gefährdet! Der Grund dafür ist Tamara, eine rassige Lady, die Finnewacker und seinen Jungs ganz schön die Köpfe verdreht. Und sie ist sogar eine leibhaftige Gräfin, die einzige Überlebende eines Siedlertrecks, der von den Apachen überfallen wurde.

Doch dann kommt die faustdicke Über­raschung: Tamara wird vom Sheriff als Mör­derin ihres Mannes beschuldigt und zum Tode verurteilt. Ein Exekutionskommando soll in Camp Lowell das Urteil vollstrecken.

Colonel Brooke gibt seinem besten Mann den Befehl dazu: Master Sergeant Finnewacker …

Leseprobe

»Festungserweiterungskommando rechts raustreten! Marsch, marsch!«

So rief Master Sergeant Finnewacker mit Stentorstimme, dass es weit über den Appellplatz hallte. Der kommis­sarische Commander von Fort Aldamo und Spieß der Strafkompanie stand vor der Front der angetretenen Chargierten und Strafsoldaten. Er wippte lässig auf den Stiefelspitzen.

Das dicke Notizbuch, das noch ge­fürchteter war als er selbst, ragte ihm vorn aus der Knopfleiste.

Der Sergeant, der zum Kommando­führer eingeteilt war, sowie die vier Corporals, die da draußen Wache stehen mussten und ihre Karabiner zum Mor­genappell schon mitgenommen hatten, traten hinzu und reihten sich ein.

»Gerätschaften aufnehmen und ab­rücken, ihr Hechte. Aber dalli, dalli! Und ich bitte mir ein schmissiges Lied aus Ab durch die Mitte mit euch!«

Das Festungserweiterungskom­mando marschierte los, um am Pferde­stall Schaufeln, Hacken, Brechstangen und leere Säcke aufzunehmen. Natür­lich auch die Karren mit den Wasser­kannen, damit die Männer dort draußen in der Gluthölle der Wüste genug zu trinken hatten.

Das Festungserweiterungskom­mando nahm Aufstellung. Dann mar­schierten die Strafsoldaten auf das große Tor zu, um die alte, ehemals spa­nische Festung zu verlassen.

»Ein Lied«, tönte Sergeant Warren­ton, der das Kommando befehligte.

»Schornsteinfeger!«, brüllte der rechte Flügelmann.

»Drei, vier!«, schrie Warrenton.

Master Sergeant Finnewacker grinste genüsslich. Das war nun ein­mal sein Lieblingslied. Und dann legten die Strafsoldaten auch schon los, dass Finnewackers Herz in der Brust zu hüpfen begann.

»Mit dem Besen auf der Lauer, sim­serimsimsim, saß ich auf der Kloster­mauer, simserimsimsim …«

Master Sergeant Finnewacker wandte sich den restlichen Chargier­ten und Strafsoldaten zu.

Dann prasselten seine Kommandos nur so auf die angetretenen Männer herein und scheuchten sie mächtig durcheinander.

»Friedhofskommando – rechts raus­treten!

Gipfel-Erstürmungskommando – ausrücken!

Küchenkommando – ab durch die Mitte. Dass ihr Trantüten was Ver­nünftiges auf den Tisch bringt. Sonst lernt ihr mich kennen.

Schreibstubenordonnanz! Setz schon deinen fetten Hintern in Bewegung, du Hirsch!

Wachkommando – rauf auf den Turm und auf die Mauern. Wenn ich einen dabei erwische, der von oben runterpin­kelt, dann mache ich ihm einen Knoten irgendwohin. Verstanden?«

Die Männer sausten im Laufschritt los, denn Laufschritt war befohlen. Wer sich nicht daran hielt, dessen Namen stand schon bald in Finnewackers ge­fürchtetem Notizbuch. Und das bedeu­tete Festungserweiterungskommando.

Zurück blieben zehn Chargierte, die dienstfrei oder Bereitschaft hatten und nur darauf warteten, von dem Com­mander in ihre Unterkünfte geschickt zu werden.

»Sergeant Fitzgerald!«

»Aye, Master Sergeant!«

»Herkommen, Kleiner!«

Der altgediente Soldat war Finnewa­ckers Stellvertreter. Der kleinwüchsige, krausköpfige alte Haudegen blieb vor dem Master Sergeant stehen und baute sein Männchen.

»Saus mal in die Kommandantur. Auf meinem Schreibtisch liegt etwas. Her­holen! Nicht die Zigarren – zum Geier!«

Sergeant Fitzgerald seufzte.

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

Es dauerte nicht lange, dann trabte der kleine Krauskopf wieder heran. In der rechten Hand hielt er eine Trom­pete, die reichlich zerbeult aussah und wohl ihre beste Zeit längst hinter sich hatte.

Fitzgerald sah seinen Vorgesetzten verständnislos an, der bissig grinste und nach der Trompete griff.

»Kannst wieder ins Glied treten, Kleiner!«

»Yes, Master Sergeant!«

»Hört sofort mit eurem blödsinnigen Grinsen auf, ihr Ofensetzer«, schimpfte Finnewacker, als die zehn Chargierten belustigt auf das ramponierte Instru­ment in der Hand des Master Sergeanten blickten.

Die Blauröcke nahmen Haltung an. »Sergeant Gedder!«

»Aye, Master Sergeant!«

»Weißt du, was das in meiner Hand da ist?«

»Eine Trompete, Master Sergeant!«

»Bist doch ein kluges Kerlchen, Gedder. Spaß beiseite. Wer von euch Hundesöhnen kann mit so ‘nem Ding umgehen?«

Die Soldaten rührten sich nicht.

»Na, na, na, nicht so schüchtern, ihr Elche. Vortreten, wer Trompete blasen kann!«

Finnewacker blickte die Soldaten der Reihe nach an. Jeder der Sergeants und Corporals schüttelte den Kopf.

»Schiet. Hat einer von euch ‘ne Ah­nung, wer mit so einem Ding spielen kann? Ab sofort werden alle Komman­dos in Fort Aldamo mit der Trompete gegeben. Die Trillerpfeifen gehen mir schon lange auf den Wecker.«

Noch immer schwiegen die Chargier­ten und starrten ihren Vorgesetzten verblüfft an.

»Darf ich was sagen, Master Ser­geant?«, fragte Fitzgerald.

»Natürlich, Kleiner. Hatte schon fast angenommen, dass ihr Saftsäcke plötz­lich alle stumm geworden seid.«

Der krausköpfige Sergeant trat einen Schritt nach vorn.

»Wie meinst du denn das, von we­gen alle Kommandos ab sofort mit der Trompete geben …«

»Mensch, Kleiner. Hab ich vielleicht ‘nen Sprachfehler? Ist doch klar! Ich denke an Wecken und Zapfenstreich, Mittag- und Abendessen fassen. Und so weiter, Fitzgerald. Natürlich auch Alarm, falls es jemand wagen sollte, uns anzugreifen. Die einzelnen Trompeten­kommandos habe ich im Kopf. Doch ich bekomme nun einmal keinen Ton aus diesem Mistding raus.«

Sergeant Fitzgerald grinste.

Jetzt wusste er endlich, was das für grausige Laute gewesen waren, die gestern Abend aus der Kommandantur gedrungen waren.

»War das alles?«, fragte Finnewacker enttäuscht, als der kleine Krauskopf wieder in die Reihe der Chargierten trat.

»Aye, Master Sergeant! Ich kann mit so einem Krachding nicht umgehen. Vielleicht solltest du einen Hornisten aus Camp Lowell anfordern!«

»Mann, o Mann, Kleiner. Ich kriege bei Colonel Brooke einiges durch, doch der denkt nicht daran, mir jemanden zu schicken, der uns den Marsch bläst, wie du dir vorstellen kannst!«

Master Sergeant Finnewackers bul­liges Gesicht nahm einen enttäuschten Ausdruck an. Sein buschiger Schnurr­bart sträubte sich. Und das war im­mer ein schlechtes Zeichen, was den Gemütszustand des alten Haudegens betraf.

»Himmel, Arsch und Zwirn«, Pol­terte Finnewacker dann auch schon los. »Unter den Chargierten wird doch einer auf ‘ner Trompete blasen können. Das wäre doch gelacht – zum Geier!«

Die zehn Soldaten senkten die Köpfe. Jetzt war es besser, sich möglichst ganz ruhig zu verhalten.

»Die Sergeants Gammer und Wal­lowa her zu mir!«

Die beiden Blauröcke, die schon seit langer Zeit zum Stammpersonal von Fort Aldamo gehörten, liefen auf Fin­newacker zu, nahmen Haltung an und salutierten sehr zackig.

»Zu Befehl, Master Sergeant!«

»Ihr nehmt euch alle Chargierten der Reihe nach vor und fragt jeden, ob er mit diesem verdammten Blechding umgehen kann. Kaporus? Dass mir das aber auch klappt, sonst soll euch der Blitz …«

Finnewacker winkte ab.

»Aye, Master Sergeant!«, riefen die beiden Soldaten wie aus einem Mund und traten ab.

Finnewacker blickte ihnen grimmig hinterher, setzte die Trompete an den Mund und pustete kräftig hinein.

Der Ton, der herauskam, trieb dem Commander die Zornesröte ins Gesicht. Das Geräusch klang unheimlich echt …

»Das war die Trompete – nicht ich!«, tobte Finnewacker los, als die Soldaten in schallendes Gelächter ausbrachen und ganz vergaßen, wie schlecht ge­launt ihr Vorgesetzter war.

Quelle:

  • Frank Callahan: Fort Aldamo. Die Abenteuer des Maser Sergeant Finnewacker. Band 48. Bastei Verlag. Köln. 06.09.2017

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