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Remake: Die Welt der Bolitho-Reihe – Teil III

Nicholas-Pocock-The-Battle-of-CopenhagenDie Welt der Bolitho-Reihe – Teil III

Die Schlacht von Kopenhagen

In Galeeren in der Ostsee (Band 16) werden sehr anschaulich die Vortage der Schlacht von Kopenhagen geschildert, genau wie die Schlacht an sich.

Im Roman übernimmt Richard Bolitho die diplomatische Rolle von Sir Hyde Parker und Horatio Nelson ein, die beide – nacheinander – nach Kopenhagen gesendet wurden, um die Neutralität Dänemarks zu gewährleisten. Denn Napoleon hatte durch geschickte Diplomatie die skandinavischen Staaten in eine »bewaffnete Neutralität des Nordens« gegen Großbritannien vereint. In diesem Bündnis besaß Dänemark die bedeutendste und beste Flotte, und somit war es ganz selbstverständlich, dass Großbritannien versuchen würde, die Dänen in eine wirkliche Neutralität zu bringen.

Im Roman trifft Richard Bolitho dann auf einen einsamen Franzosen, der einige englische Handelsschiffe in seiner Gewalt hatte. Kurz danach gab es ein kleineres Gefecht und dann einige Wochen später die Schlacht, die als Schlacht von Kopenhagen in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Die Wirklichkeit sieht hier ein wenig anders aus. In der Wirklichkeit wie auch im Buch stellen Sir Hyde Parker und Horatio Nelson die beiden Oberbefehlshaber dar. Parker ließ den Dänen ein Ultimatum übermitteln, was – erwartungsgemäß – abgelehnt wurde. Daher entschlossen sich die Briten, anzugreifen, und der Plan, der von Nelson ausgeheckt worden war, ähnelte der Schlacht von Abukir.

Wie auch vor Abukir lag eine Flotte von 25 Linienschiffen in Kiellinienformation vor Anker und wurde von Land aus durch Geschützstellungen und schwimmenden Batterien unterstützt. Aber die Dänen waren schlauer als die Franzosen. Zwischen der Flotte und dem Land gab es kein Manövrierspielraum, und auch von der Seeseite war die dänische Flotte durch eine Untiefe (dem Mittelgrund) geschützt.

Die Schwierigkeit für die britische Flotte lag darin, dass die ersten Schiffe praktisch an der ganzen dänischen Linie hätten vorbeisegeln müssen, um überhaupt alle Schiffe ins Gefecht bringen zu können. Aber genau das hätten sie nicht überstanden.

Battle-of-CopenhagenNelsons Lösung hieß »Bockspringen«.

Der Königskanal, der zwischen der dänischen Linie und dem Mittelgrund lag, hatte genügend Platz, dass zwei Schiffe nebeneinander vorbeipassten. Nelsons Plan sah so aus, dass ein Schiff nicht mehr als vier dänische Schiffe passierte und dann ankerte. Das nächste britische Schiff würde dann durch das ankernde Schiff gedeckt sein, an diesem vorbeisegeln und unmittelbar dahinter ebenfalls ankern. So sollte jedes Schiff im Schutz der eigenen Schiffe segeln, bis es seinen Platz erreicht hatte. Somit war keines der britischen Schiffe lange Zeit dem Feuer der Dänen ausgesetzt. Ein weiterer Vorteil war, dass wieder – wie schon bei Abukir – nicht die ganze britische Flotte dafür benutzt werden musste.

Nelson konnte Parker überreden, dass dieser ihm dafür dreizehn Linienschiffe und einige Fregatten zur Verfügung stellte. Dabei kamen bei den Linienschiffen nur die Zweidecker infrage, da es einfach zu viele Untiefen gab. So setzte Nelson seine Flagge auf der HMS Elephant, ein 74-Kanonen-Linienschiff.

Trotz des vorsichtigen Lotens und der Vorkehrung der kleineren Zweidecker liefen zwei britische Schiffe auf, und von den restlichen konnten schließlich alle ins Gefecht geführt werden.

Nicholas-Pocock-The-Battle-of-CopenhagenDie Schlacht und die Befehlsmissachtung Nelsons

Sir Hyde Parker beschloss nach dreieinhalb Stunden des Kampfes, dass die Flotte sich zurückziehen sollte. Er wähnte, die Briten seien dabei, zu verlieren. Daher setzte er das Rückrufsignal. Obwohl ein Leutnant der Elephant dies Nelson mehrmals meldete, reagierte dieser nicht. Natürlich wusste der Leutnant, dass dies einer Befehlsverweigerung gleichkam, und unternahm einen letzten Versuch. Nelson soll daraufhin das Fernrohr an sein blindes Auge gehalten und gerufen haben: »Weiß Gott, ich sehe kein Signal!«

Aber Nelson missachtete nicht nur vorsätzlich das Rückrufsignal, er ließ auch eigenmächtig eine Nachricht an den dänischen Prinzregenten schicken, den er zum Waffenstillstand aufforderte.

Den Forderungen Nelsons kam der Prinzregent nach, obwohl die Briten zu diesem Zeitpunkt weder ein dänisches Schiff gekapert oder versenkt hatten. Aber bis zu diesem Zeitpunkt waren über 1250 Menschen gestorben, für die Briten waren die Verluste verhältnismäßig größer als in all den anderen Schlachten dieser Zeit.

Die Schlacht von Kopenhagen – Ein Beispiel für eine unnütze Schlacht

Die Schlacht von Kopenhagen ist ein Beispiel für eine erstklassige Strategie, aber auch ein Beispiel für eine absolut unnütze Schlacht sowie Verschwendung von Menschenleben und Material.

Die Schlacht hätte nicht stattfinden müssen, denn bereits am 24. März 1801 war der russische Zar Paul I. ermordet worden. Sein Nachfolger Alexander I. war kein Freund von Napoleon und den Franzosen und auch für die »bewaffnete Neutralität des Nordens« hegte er nicht sonderlich viel Sympathie.

War unter Paul I. das russische Reich noch kurz davor, aktiv in den Krieg einzutreten, kündigte sein Nachfolger Alexander I. sogar dies Bündnis später auf.

Wären die Nachrichtenverbindungen besser gewesen oder hätte Nelson nicht so sehr auf einen schnellen Angriff gedrängt, wäre es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu der (ersten) Schlacht von Kopenhagen gekommen.

Literatur:

  • Böndel, Dirk: Admiral Nelsons Epoche. Die Entwicklung der Segelschifffahrt von 1770 bis 1815. Aus: Berliner Beiträge zur Technikgeschichte und Industriekultur. Schriftenreihe des Museums für Verkehr und Technik. Berlin 1987
  • Meurer, Alexander: Seekriegsgeschichte in Umrissen. Seemacht und Seekriege vornehmlich vom 16. Jahrhundert ab. Leipzig 1943
  • Meyer, Jean/Acerra, Martine: Segelschiffe im Pulverdampf. Das Ringen um die Seeherrschaft in Europa. Bielefeld 1996

Bilder:

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(cb)

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