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Fort Aldamo – Band 17

Band-17-Asesino-kanns-nicht-lassenBill Murphy
Fort Aldamo
Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker
Band 17
Asesino kann’s nicht lassen

Western, Military, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,80 €, Neuauflage vom 28.06.2016, Titelbild von Günter König

Kurzinhalt:
Nach zähem Ringen haben der eisenharte Master Sergeant Finnewacker und der mexikanische Banditengeneral Asesino einen Waffenstillstand geschlossen – aber das ist ein trügerischer Frieden, der zwischen diesen beiden Erzfeinden auf keinen Fall lange anhalten kann.
Und richtig: Asesino, dieser durchtriebene, von allen Hunden gehetzte Halunke greift schon wieder zu einer List, um Finnewacker aufs Kreuz zu legen. Ein paar höllische Überraschungen warten auf den Master Sergeant. Aber der zahlt mit gleicher Münze zurück …

Leseprobe:

Sergeant Fitzgerald trat an das Fenster der Kommandantur von Fort Aldamo, der alten von den Konquista­doren erbauten Festung, die seit Kriegs­ende der Strafkompanie der US Kavallerie als Standort diente.

Revierreinigen war angesetzt. Über­all in den Unterkünften, dem Küchen­haus, in dem sich auch der Brunnen befand, dem Krankenrevier und der Kleiderkammer, dem Pferdestall und auch im Hof wurde gefegt, geschrubbt und geputzt. In dem ganzen von hohen Mauern umgebenen Geviert herrschte emsiger Betrieb, war das Gebrüll der Corporals und Sergeants zu vernehmen, die ihre Männer damit auf Trab hiel­ten und anfeuerten. Wer im Hof nicht fegte und schrubbte, bewegte sich im Laufschritt über das Kopfsteinpflaster. Flink wie Wiesel waren die Sträflinge, die im Gegensatz zu ihren Vorgesetzten graues Drillichzeug trugen.

Master Sergeant Finnewacker, Spieß der Strafkompanie, ihr Chef und kommissarischer Commander von Fort Al­damo in einer Person, war am frühen Morgen mit den zehn Neuen zum Drei­ßig-Meilen-Gepäckmarsch ausgerückt. Das war Finnewackers zweiter Versuch, die von Sergeant Wallowa aufgestellte Rekordmarke von zehn Stunden und siebenunddreißig Minuten zu unter­bieten.

Mit zwölf Neuzugängen hatte Wal­lowa diesen Rekord vor gut einem Jahr aufgestellt. Und dieser Rekord hielt sich. Was Finnewacker von Mal zu Mal mehr grämte.

Dieser Dreißig-Meilen-Gepäck­marsch, den alle Neuzugänge innerhalb der ersten Woche zu absolvieren hatten, gehörte in Fort Aldamo zur Tradition. Und Master Sergeant Finnewacker hatte etwas übrig für Traditionen.

Gewertet wurde bei einem solchen Dreißig-Meilen-Gepäckmarsch je­doch nur die Einheit von Neuen, die es schaffte, so einzurücken, wie sie abmarschiert war: vollzählig, in ge­schlossener Formation und im Lauf­schritt, der am Fuß der Zufahrtsrampe der alten Festung zu beginnen hatte.

Der Marsch führte nach Süden. Fünfzehn Meilen hin und fünfzehn Meilen zurück, mit einer kurzen Ver­schnaufpause an der Wendemarke. Jede erste und jede fünfte Meile waren dabei im Laufschritt zu bewältigen.

Eine ungeheure Strapaze. Quer durch die Wüste führte der Marsch, mit ge­schultertem Karabiner und fünfzehn Kilo Gepäck, genauestens abgewogen, im Tornister.

Jeder dieser Märsche war bislang ein Angriff auf den von Wallowa auf­gestellten Rekord gewesen. Doch stets waren die meisten Einheiten in heil­loser Auflösung und total erschöpft zurückgekehrt.

Fitzgerald warf einen Blick auf die Uhr. Wenn Finnewacker den von Wal­lowa erreichten Rekord wenigstens ein­stellte, musste er eine Stunde nach der Revierabnahme eintreffen. Da hatte er keinen neuen Rekord aufgestellt, aber zum Trost konnte ihm Fitzgerald ein auf Hochglanz gewienertes Fort bieten.

Er setzte sich wieder an den Tisch und räumte seine Kladden und Strich­listen zur Seite, die er als Finnewackers Stellvertreter zu führen hatte.

Kurz darauf betrat der dicke Klei­ber die Kommandantur. Der Sergeant war der Küchenbulle, ihm unterstand in Fort Aldamo der gesamte Verpfle­gungsbereich.

Er führte in Fort Aldamo ein geruh­sames Leben. Seine Arbeit erledigten sechs Kommandierte. Begehrte Posten unter den Sträflingen. Nicht wegen der zusätzlichen Verpflegung. Zu essen gab es genug in der Strafkompanie, und Finnewacker achtete wie ein Schieß­hund darauf, dass das Essen auch an­ständig war. Doch wer bei Kleiber in der Küche beschäftigt war, der war sicher vor dem gefürchteten Festungserweiterungskommando.

Fitzgerald sah auf und verzog das Gesicht. »Ist dein verdammter Zucker wieder vorzeitig alle?«, fragte er den Küchenbullen ungehalten.

Kleiber grinste. »Ich wollte nur da­ran erinnern, dass den Siedlern in God’s Acre Town die zehn Sack Mehl zurück­gebracht werden müssen, die wir uns neulich ausgeliehen haben.«

»Quatsch mit Soße!«, versetzte Fitz­gerald. »Die haben uns die Leute ge­schenkt, zum Dank, dass wir sie sicher in dieses Tal gebracht und Asesino mit seiner Horde verjagt haben. Wenn du mal nach God’s Acre Town reiten möch­test, musst du dir schon einen anderen Grund einfallen lassen.«

»Wenn ich mal nach God’s Acre Town reiten will, brauche ich überhaupt kei­nen Grund!«, brüstete sich Kleiber.

Da platzte der Wachhabende zur Tür herein, »Finnewacker ist zurück!«, rief er aufgeregt.

Kleiber und Fitzgerald sahen sich an. Fitzgerald schnellte vom Stuhl, und beide zogen die Uhren.

»Das kann doch gar nicht sein!«, meinte der dicke Küchenbulle. »Wo seht ihr ihn denn?«

»Wir haben die Staubwolke im Sü­den an der Grenze des Buschlandes gesichtet.

»Vielleicht Antilopen!«, meinte Klei­ber.

»Es kann nur Finnewacker sein!«, behauptete der Corporal an der Tür.

Fitzgerald steckte die Uhr weg, zog den Feldhut in die Stirn und stapfte energisch los.

Kleiber schloss sich an. Der Wach­habende hielt ihnen die Tür auf. Fitz­gerald rannte unter das Torhaus zur, Treppe, die auf den Turm führte. Zwei Stufen nahm er auf einmal. Kleiber und der Wachhabende blieben ihm auf den Fersen. Der Schacht war erfüllt vom Dröhnen ihrer Tritte.

Der Posten trat Fitzgerald auf der Plattform schneidig entgegen und nahm Haltung an.

»Infanterist Hickory auf Turmwache, Sergeant! Ich hab eine Staubwolke im Süden gesichtet.«

Fitzgerald dankte und riss ihm den Feldstecher aus der Hand, trat an die Brustwehr und blickte durch das Glas nach Süden.

Männer waren nicht zu sehen. Nur ein dünner Staubschleier, der sich über dem Buschland direkt auf das Fort zubewegte.

Er gab dem dicken Kleiber das Glas weiter. Der Wachhabende sah ihn ge­spannt und erwartungsvoll an.

»Könnte er sein«, meinte Kleiber nach einer Weile und ließ den Feld­stecher sinken. »Und wenn er das ist, wird er Wallowas Rekord um glatt eine Stunde unterbieten.«

Fitzgerald nahm die Trillerpfeife aus der Jackentasche und rannte zur anderen Seite, neigte sich weit über die Brustwehr und stieß in die Trillerpfeife.
Im Hof erstarb sofort jede Bewegung. Alle Männer starrten herauf. Aus den Unterkünften, der Kleiderkammer, dem Krankenrevier – überall sahen Männer neugierig heraus und blickten zum Turm.

»Revierreinigen – beendet!«, rief Fitzgerald lautstark hinab. »Revier­abnahme durch Zug- und Sektionsfüh­rer – sofort! Vollzugsmeldung an mich!«

Als hätte er in einen Bienenschwarm gestochen, spritzten da unten die Män­ner los. Geschrei erklang wieder.

Fitzgerald kehrte an die andere Seite zurück. Kleiber gab ihm den Feldste­cher und verließ den Turm, um sich in seine Sektion zu begeben.

»Es ist Finnewacker«, meinte der Wachhabende grinsend. »Reiter wären längst zu sehen.«

Fitzgerald starrte angestrengt durch den Feldstecher.

Der Wachhabende blickte auf die Uhr. »Er wird in einer Stunde hier sein. Neuneinhalb Stunden! Das ist neuer Rekord.

»Wenn er es nur ist!«, meinte Fitz­gerald.

Nacheinander erschienen die Zug­führer, Kleiber, Gammer, der Kammer­bulle und der Feldscher, der Schirr­meister und der Korbmeister auf dem Tor und meldeten die Reviere abge­nommen. Dass da Finnewacker mit den Neuen schon zurückkehren sollte, hatte sich herumgesprochen. Vorn an der Brustwehr ging der Feldstecher von Hand zu Hand.

Es war Finnewacker mit den Neuen! Nach einer halben Stunde war das deut­lich zu erkennen. Einer hinter dem anderen marschierten die Männer dort unten durch das Buschland. Finnewacker in seiner blauen Montur vor­neweg. Bepackt wie ein Maulesel. Zu seinem eigenen trug er mindestens noch drei andere Tornister. Doch Kamera­denhilfe – das war zulässig, sogar er­wünscht. Schließlich sollte die Einheit geschlossen einrücken. Teamwork hieß das. Ein Wort, das Finnewacker gern verwendete. Teamwork und Corpsgeist, und das Corps, das war für ihn Fort Aldamo.

»Da hat er eine Marke gesetzt, die ihm keiner zusammenmarschieren wird«, meinte Sergeant Wallowa, der alte Rekordhalter. Und er sagte das neidlos und voller Anerkennung.

»Jedenfalls nicht so schnell«, erwi­derte Fitzgerald und schlug ihm auf die Schulter. »Dann lass die Kompanie mal raustreten!

Er begab sich sofort nach unten, und die Sergeants schlossen sich an. Nur der Wachhabende blieb bei Fitzgerald auf dem Turm.

Näher und näher kamen Finnewa­cker und die Neuen. Immer wieder blickte Fitzgerald auf die Uhr.

Er schafft die Neuneinhalb!«, meinte der Wachhabende.

Als die Männer aus dem Buschland kamen und auf die Rampe zumarschier­ten, sagte Fitzgerald: »Na, dann mal los! Das Tor sperrangelweit auf und das Wachkommando – antreten.«

Der Corporal salutierte und rannte hinunter. Fitzgerald wartete, bis die Männer den Laufschritt begannen. Dann ging auch er hinunter. Die Kom­panie stand bereits angetreten. Wallowa meldete ihm.

Fitzgerald dankte. »Sobald der Hau­fen hier vor der Kompanie steht, drei Hurras, klar?«

»Aye!«

»Dass mir das klappt!«, sagte Fitzge­rald und schritt rasch unter das Torhaus zum Tor, dessen schwere Holzflügel bereits offenstanden. Das Wachkom­mando stand in einer Linie unter dem Mauerbogen angetreten, die Karabiner bei Fuß, mit offenen Kammern, wie das der Vorschrift entsprach, damit klar war, dass kein Schuss in der Waffe steckte. In Fort Aldamo wurde die Mu­nition streng unter Verschluss gehalten. Als Einziger besaß der Posten auf dem Turm einen scharfen Schuss, damit er Alarm schießen konnte.

Fitzgerald stapfte hinaus in den Son­nenglast und trat zur Seite.

Finnewacker kam mit den Neuen im Laufschritt die Rampe herauf. »Links, links, links, zwo, drei vier!«, rief er.

Fitzgerald nahm Haltung an.

»Achtung!«, rief der Wachhabende. »Präsentiert – das Gewehr!«

Die Schlösser der Karabiner schrammten metallisch im Takt. »Iiiim – Schritt!«, befahl Finnewacker. Er scherte zur Seite aus und zählte wieder: »Links, links, links!« Bis die Männer Tritt gefasst hatten.

Im gleichen Schritt und Tritt und in Linie zu drei Gliedern aufgerückt marschierte die Gruppe heran.

»Ein Lied!«, befahl Finnewacker. »Heidewitzka …«‚ stimmte der rechte Flügelmann an.

»Drei – vier!«, bellte Finnewacker und seine Augen blitzten dabei.

»Heidewitzka, du blonde Trine!«, legten die Neuen los. »Du bist ‘ne flotte, flotte Biene. Meine Mutter, das ist ‘ne feine Frau. Du aber bist die …

Fitzgerald salutierte. Grinsend, den Karabiner auf der Schulter, marschierte der Master Sergeant an ihm vorbei ins Fort hinein.

Quelle:

  • Bill Murphy: Fort Aldamo. Die Abenteuer des Master Sergeant Finnewacker. Band 16. Bastei Verlag. Köln. 28.06.2016