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Schwäbische Sagen 9

Schwäbische-Sagen

Das Erdmännle in Mittelstadt
Eine mündliche Überlieferung aus Mittelstadt

Nach Mittelstadt am Neckar kam lange Zeit ein Erdmännle in ein Haus und tat mancherlei Arbeit für die Hausbewohner. Insbesondere backte es regelmäßig das Brot. Man brauchte nur abends das Mehl in die Backmulde zu schütten, so fand man gewiss am anderen Morgen die Brote fertig. Da meinte der Hausherr endlich, er könne die Arbeit von dem Erdmännle nicht länger so umsonst hinnehmen, und fragte es deshalb, was er ihm schuldig sei.

Da sprach es: »Hinnen fitsch und hinnen fätsch, das ist mein Lohn!« Und kam nie wieder.


Das Erdmännle und die Hebamme
Eine mündliche Überlieferung aus Oberndorf

In einem Wald bei Geislingen, nicht weit von Balingen, gab es ehedem viele »Erdemännle« und »Erdeweible«. Das waren ganz kleine Leute, die taten alle Arbeit für die Menschen, kehrten das Haus, fütterten das Vieh und backten das Brot.

Einstmals kam ein solches »Erdemännle« nach Geislingen zu einer Hebamme und bat dieselbe, dass sie doch mit ihm gehen und seiner Frau, die eben niederkommen wollte, helfen möchte. Die Hebamme aber fürchtete sich, weil es Nacht war, und begehrte, dass auch ihr Mann mitgehe. Das Erdemännle hatte nichts dagegen und ging alsbald mit einer Laterne voran und zeigte der Hebamme und ihrem Mann den Weg in den Wald.

Nach einer Weile kamen sie vor eine Moostür, die tat sich auf und sie traten in einen unterirdischen Gang. Darauf kamen sie zu einer hölzernen Tür und gingen durch dieselbe hindurch. Endlich kamen sie noch an eine dritte Tür, die war von glänzendem Metall, und darauf ging es eine Treppe hinunter, tief in die Erde hinein. Da trafen sie in ein prächtiges, großes Zimmer, woselbst das Erdweible in einem Bett lag und sogleich von der Hebamme entbunden wurde.

Da bedankte sich das Erdmännle recht schön und sagte: »Unser Essen und Trinken schmeckt euch doch nicht. Deshalb will ich dir hier etwas anderes mitgeben.« Und bei diesen Worten gab es der Hebamme eine ganze Schürze voll schwarzer Kohlen. Die nahm sie zwar hin, dachte aber, wenn du nur erst draußen bist, so wirfst du sie wieder fort, denn sie fürchtete sich, das Erdmännle zu beleidigen, sonst hätte sie ihm die Kohlen sogleich wieder vor die Füße geschüttet.

Alsdann nahm das Erdmännle seine Laterne und leuchtete die Hebamme wieder heim.

Unterwegs aber langte die Hebamme heimlich in ihre Schürze und warf eine Kohle nach der anderen heraus, und das ging so fort bis dicht vor Geislingen.

Da sagte das Erdmännle, welches wohl bemerkt hatte, was die Frau tat:

»Wie minder ihr zettelt,
Wie mehr ihr hättet.«

Und dann kehrte es um, bedankte sich nochmals und ging in den Wald zurück.

Nun wollte die Hebamme die übrigen Kohlen, die sie noch hatte, auf die Erde schütten.

Allein ihr Mann sprach zu ihr: »Dem Erdmännle scheint es Ernst zu sein mit seinem Geschenk. Deshalb solltest du die Kohlen behalten.«

Da nahm sie den Rest mit nach Hause. Wie sie daheim nun aber ihre Schürze auf den Herd ausschüttet, da waren statt der Kohlen lauter blinkender Goldstücke darin, sodass die Leute mit einem Mal sehr reich wurden und sich ein Gut kauften. Die Frau suchte nun auch noch sehr emsig nach den Kohlen, die sie verzettelt hatte, konnte aber keine mehr finden.


Die Erdmännle in Röthenberg
Eine mündliche Überlieferung aus Röthenberg

In dem Dorf Röthenberg, das im Schwarzwald nicht weit von Alpirsbach (Albersbach) liegt, hielten sich früher viele Erdmännle auf, die taten unsichtbar bei Nacht alle Arbeit für die Menschen, fütterten das Vieh, warfen Stroh herab, kneteten die Brotlaible zurecht und backten sie, sodass die Leute sie des Morgens fertig vorfanden. Dafür aber musste man den Erdmännlen täglich ihr Essen auf den Herd hinstellen, was sie dann heimlich verzehrten. Unterließ man das, oder nahm jemand etwas davon, so wanderten sie fort und gingen in ein anderes Haus. Jetzt sind alle Erdmännle schon lange aus Röthenberg verschwunden und wahrscheinlich von unserem Heergott in eine andere Gegend der Erde verwiesen worden.


Die Erdmännle bei Dornhan
Eine mündliche Überlieferung aus Dornhan und Boll bei Oberndorf

1.

Hinter dem Buchwald, drei Viertelstunden von Dornhan entfernt, liegt der »Spaltberg«. Der hat seinen Namen von einer Felsspalte, welche den Eingang zur Wohnung der »Erdemännle« bildete. Ehemals war hier ein Schacht, der bis ins Dobeltal führte. Jetzt ist er aber verfallen. Die Erdmännle, welche in dieser Höhle hausten, waren ganz kleine Leute, etwa zwei bis drittehalb Schuh hoch, und waren verheiratet mit ebenso kleinen Erdweiblen und bekamen Kinder miteinander. Des Nachts gingen sie zu den Menschen in die Häuser und kehrten die Stuben aus, fütterten und melkten das Vieh, und besonders gern kamen sie, wenn man backen wollte, und machten die Brodlaible.

In der Mühle zu Bettenhausen, eine Stunde von Dornhan, haben sie oft Korn mahlen lassen und dem Müller dabei geholfen.

Zu Dornhan kamen sie regelmäßig in das Haus des »Breitebauer« und schafften bei Nacht alles fertig, was zu tun war. Ebenso in Boll bei Oberndorf.

Sie wussten alles. Niemand durfte mit ihnen reden oder sie bei der Arbeit stören. Weil sie aber immer ganz zerlumpt daherkamen, so ließ der Breitebauer in Dornhan ihnen einstmals neue Kleider machen und hängte dieselben zum Fenster hinaus.

Da nahmen sie zwar die Kleider, weinten aber und sprachen: »Wenn man jemand auszahlt, so muss er gehen.«

Und seitdem sind sie nicht wiedergekommen.

2.

Einst lag die Frau eines »Erdemännle« in Kindesnöten. Da kam das Männlein nach Dornhan gelaufen und holte eine Hebamme. Die wurde mit verbundenen Augen in die Höhle und an das Bett der Frau geführt, und nachdem sie derselben ihren Beistand geleistet hatte, verband ihr das Erdmännle abermals die Augen und führte sie wieder hinaus und sagte: »Geld hab ich keins. Statt dessen aber nimm dies Büschel Erbsenstroh mit!«

Das nahm die Hebamme und legte es auf die Schulter.

Als sie es jedoch eine Strecke getragen hatte, dachte sie: »Was sollst du mit dem Erbsenstroh machen?« Und warf es fort. Nur ein paar Ranken blieben an ihr hängen, und die waren in lauteres Gold verwandelt, als sie heimkam. Daraufhin hat sie umsonst nach dem ganzen Büschel gesucht.


Weiße Erdmännle
Eine mündliche Überlieferung aus Neubulach und Nagold

In Ebhausen, zwischen Nagold und Altensteig, gab es sonst Erdmännle, die sahen schneeweiß aus und arbeiteten des Nachts für die Menschen, mahlten das Korn, backten Brot, fütterten das Vieh und dergleichen.

In Nagold hat man diese kleinen Leute »Zwergle« genannt und erzählt, dass sie teils die Menschen sehr gequält, teils im Haus wie im Felde jedes Geschäft für sie verrichtet haben. Jetzt ist es ganz still davon.


Schwarze Erdmännle
Eine mündliche Überlieferung aus Neubulach

Zum Lammwirt Friederle in Neubulach kamen bei Nacht immer zwei Erdmännle oder Bergmännle und backten ihm das Brot. Er brauchte abends nur das Mehl hinzustellen, so war am anderen Morgen das Brot fertig. Da belauschte er einstmals die Erdmännle bei ihrer Arbeit und sah, dass sie ganz nackt waren und große Augen hatten. Ihre Hautfarbe aber war schwarz wie die eines Mohren. Dem Lammwirt tat das leid und er ließ zwei Kleider für sie machen und legte ihnen dieselben auf die Backmulde. Am folgenden Morgen waren die Kleider zwar fort, die Erdmännle aber auch und kamen nie wieder. Er hatte sie »ausgezahlt«, was sie nicht leiden konnten, denn sie wollten ihre Dienste umsonst tun.

Damals, als die Erdmännle »herrschten«, sah es noch besser aus in der Welt als jetzt.


Die Erdmännle bei Hirschau
Eine mündliche Überlieferung aus Hirschau

Beim Kloster Hirschau, zwischen der sogenannten Bruderhöhle und einer Meierei, die auf der Berghöhe liegt, befindet sich im Wald ein großes Fels. Auf diesem verzehrte ein Arbeiter aus der Meierei öfters sein Essen. So oft der Mann aber einen Kuchen bekam, was jedes mal geschah, wenn man Brot gebacken hatte, so traten aus einer Spalte des Felsens, auf welchem er saß, ein ganz klein winziges Männlein und ein ebensolches Weiblein hervor, stellten sich zu seiner Rechten und Linken auf und sahen zu, wie er aß, und blieben so lange da stehen, bis er ihnen ein Stück von dem Kuchen abgab. Dann nickten sie, als ob sie sich bedanken wollten, und schlüpften in die Felsspalte wieder hinein.

Man nannte diese kleinen Leute Erdmännle oder Bergmännle, auch unterirdische Bewohner.

Zu Kalm haben diese Erdmännle in einem Haus beständig das Holz »gebeugt« (aufgeschichtet), was man am Tag gespalten hatte. Man wusste lange nicht, wer das tat, bis der Knecht einmal des Nachts aufblieb und zwei kleine Männlein beim Holz schaffen sah.


Die Erdleute bei Oberlengenhardt
Eine mündliche Überlieferung aus Oberlengenhardt

Zwei Bauern aus Oberlengenhardt, in der Nähe von Liebenzell, waren einmal auf dem berg und pflügten.

Da sagte der eine, als er fertig war: »Wenn nun der Acker auch nur erst gehackt wäre!« Und zog heim.

Am anderen Morgen aber begab er sich mit der Hacke aufs Feld, um die Erdschollen klein zu schlagen. Da war alles schon getan. Die Erdleutle hatten in der Nacht den ganzen Acker für ihn gehackt.

Da war der Mann froh und legte zum Dank zwei Stück Kuchen auf den Acker für die »Erdleutle«, wie man dort gewöhnlich die Erdmännle nennt.


Das Erdmännle zu Laufen
Eine mündliche Überlieferung aus Laufen

In der Mühle zu Laufen, im Lautlinger Tal, hat sich früher ein Erdmännle aufgehalten und dem Müller bei seiner Arbeit geholfen. Er durfte abends nur die Kornsäcke bereitstellen und dann sich schlafen legen, so fand er am anderen Morgen das Korn aufs Feinste gemahlen. Weil das Erdmännle aber beständig ganz zerlumpte Kleider anhatte, ließ ihm der Müller einst ein neues »Häs« machen. Das nahm es zwar, sagte aber: »Jetzt sei es ausgezahlt!« Und kam nicht wieder.

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