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Jackson – Teil 49

Hetzjagd ohne Gnade

»Halt, stehen bleiben oder ich schieße!«

Mein Kopf ruckte herum und ich sah, wie sich der Sicherheitsbeamte aufplusterte.

Ich sagte nichts dazu, aber was ich dachte, war furchtbar. Ich packte Yalla und rannte mit ihr zusammen in Richtung Ausgang.

Inzwischen waren in der Bank immer mehr Leute auf uns aufmerksam geworden. Viele der Umstehenden begannen uns allmählich wie Verbrecher zu mustern.

Dieser verdammte Sicherheitsbeamte brachte uns mit seinem Übereifer noch in Teufels Küche.

Ich nahm den Kopf zwischen die Schultern und fuhr die Ellbogen aus. Knurrend wie ein gereizter Pitbull auf Ecstasy bahnte ich mir einen Weg durch die Menge.

Zwei von den Typen versuchten den Helden zu spielen, bis sie Bekanntschaft mit meinen harten Knochen machten. Der erste setzte sich auf den Hosenboden und plärrte wie ein ungezogener Bengel, nachdem ich ihm mit dem Ellbogen das Nasenbein zertrümmert hatte, während der zweite einfach den Mund öffnete und lautlos in die Knie ging.

Mein Knie hatte ihn mitten in seine Kronjuwelen getroffen.

Dann waren wir draußen, mitten auf der Hauptstraße.

In Perth herrschte Rushhour. Zu beiden Seiten der Fahrbahn schob sich eine nicht endend wollende Blechlawine von einer Ampel zur anderen. Überall wurde gehupt, geflucht, gebremst. Dem Geschrei nach zu urteilen hatte der Sicherheitsbeamte die Bank inzwischen ebenfalls verlassen. Er schoss in die Luft und mehrere Passanten schrien erschrocken auf.

Irgendwo ertönte eine Polizeisirene.

Meine Blicke flogen umher, bis ich das Taxi vor uns entdeckte. Wir enterten das Fahrzeug, und während ich noch in das fragende Gesicht des Drivers blickte, hielt ihm Yalla einen zerknitterten Hunderter unter die Nase.

»Der ist für dich, wenn du sofort losfährst, und wenn du es schaffen solltest, uns in der nächsten Viertelstunde in die Murray Street zu bringen, gibt es den Bruder davon noch als Zugabe. Noch Fragen?«

»Habt ihr die Bank überfallen?«

»Nein, nur Randale gemacht, weil diese Scheißkerle mir das Konto gesperrt haben. Sonst noch etwas?«

Anscheinend nicht, denn unsere Hinterteile hatten kaum mit den Ledersitzen der Rückbank Bekanntschaft geschlossen, als sich der klapprige Wagen auch schon aus der endlosen Reihe der wartenden Wagen löste. Er schoss im spitzen Winkel quer über die Straße und raste entgegen jeglicher Verkehrsvorschrift in wilder Schlingerfahrt auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig den Highway hinunter.

Passanten schrien entsetzt, als sie den Wagen herandonnern sahen.

Das Taxi kehrte schließlich wieder auf die Straße zurück, überholte einen großen Truck, driftete nach links ab und jagte den Highway entlang Richtung Norden.

»Halleluja, für diese beiden Scheine fährt euch der alte Joe sogar bis in die Hölle.«

Als ich sah, wie sich Yalla im Polster der Rückbank zurücklehnte, begann sich auch mein Pulsschlag langsam wieder zu beruhigen.

In diesem Moment gab der alte Joe noch einmal Gas.

Obwohl die Ampel vor uns auf Rot umgesprungen war, donnerte der Driver über die Kreuzung.

»So«, sagte er dann und lenkte das Taxi nach links in eine kaum befahrene Seitenstraße. »Damit sind wir eure Verfolger los, jedenfalls vorläufig.«

Zehn Minuten später fuhren wir durch die Murray Street. Mit einem Knurren gab ihm Yalla zu verstehen, dass er anhalten sollte.

 

***

 

Das Haus trug die Nummer 95 und lag am Ende der Straße.

Ich schürzte die Lippen, kratzte mich am Kopf und warf Yalla einen skeptischen Blick zu. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir hier falsch waren.

Das Haus entpuppte sich als eine heruntergekommene Mietskaserne und die Straße als Treffpunkt von mindestens einem halben Dutzend Junkies, Nutten und schrägen Typen, die zusammen garantiert schon tausend Jahre Knast auf dem Buckel hatten.

In dem Moment, in dem wir die Bruchbude betreten wollten, setzte sich direkt vor uns an der Eingangstür einer dieser Fixer gerade einen Schuss.

»Bist du dir sicher, dass die Adresse stimmt?«

Yalla zuckte die Achseln, es sah aus wie eine Entschuldigung.

»Ich dachte, hier findet mich keiner so schnell.«

Mit dieser Meinung hatte sie wohl recht.

Wir stiegen über den Junkie, der seinem dümmlichen Gesichtsausdruck nach zu urteilen inzwischen in höheren Sphären angekommen sein musste, und gingen in den dritten Stock. Im Treppenhaus roch es nach Pisse und Erbrochenem. Im ersten Stock kam der Geruch von verbranntem Essen hinzu und im zweiten das Aroma ungewaschener Schweißsocken.

Ergo würde es im dritten Stock, wo sich gleich neben der Treppe Yallas Wohnungstür befand, garantiert auch nicht viel besser riechen.

Als wir das Stockwerk erreichten, sagte mir mein Geruchssinn, dass ich recht hatte, nur interessierte mich das plötzlich nicht mehr. Was mich dagegen interessierte, war die Tatsache, dass die Tür zu Yallas Wohnung einen Spalt offen stand.

»Hast du Besuch oder Ärger mit dem Vermieter?«

Yalla war neben mir stehen geblieben und schüttelte fassungslos den Kopf. »Diese Schweine, diese verdammten Schweine!«

Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen schien sie immer noch nicht begriffen zu haben, dass ihr ehemaliger Arbeitgeber uns selbst hier in Perth in allen Dingen immer einen Schritt voraus war.

Mir dagegen wurde langsam einiges klar. Ich wusste auch ohne Erklärungen, dass wir uns hier mit jemandem angelegt hatten, dessen Arm bis in höchste Regierungskreise reichen musste. Niemandem, außer vielleicht gewissen Geheimdiensten, war es sonst möglich, sich derart in das Privatleben einer Person einzumischen, ihr Konto sperren zu lassen und die Wohnung aufzubrechen, ohne Schwierigkeiten mit den Behörden zu bekommen.

So etwas in der Art hatte ich bisher nur bei der Mafia erlebt, aber nicht bei Wissenschaftlern.

Ich bückte mich und sah mir die Tür an.

Jemand hatte kurzen Prozess gemacht und das gute Stück einfach aus der Halterung getreten.

Ich gab der Tür mit der Rechten einen Stoß.

Sie schwang nach innen und erlaubte mir einen Blick auf die Diele und die Flurgarderobe.

Der Schuhschrank war aufgebrochen und sein Inhalt auf dem Boden zerstreut. Das Glas des Garderobenspiegels zersprungen und die Holzleiste mit den messingfarbenen Kleiderbügeln aus der Wand gerissen.

»Schnapp dir alles, was man zu Geld machen kann, und dann raus hier!«

»Aber ich …«

»Nichts aber«, zischte ich energisch. »Hast du es immer noch nicht begriffen?«

 

***

 

Der Kings Park lag etwa eine halbe Meile von Yallas Wohnung entfernt. Dieser fast 400 Hektar große Park, der zum größten Teil noch aus ursprünglichem australischem Buschland bestand, war im Moment unsere letzte Chance. Denn sie jagten uns schon wieder.

Während Yalla in ihrer aufgebrochenen Wohnung nach irgendwelchen Wertsachen suchte, hörte ich, wie sie die Treppe hochkamen.

Vier oder fünf Kerle, die sich einen Scheißdreck um irgendwelche Regeln scherten.

Sie fragten einen Stock unter uns irgendeinen armen Teufel nach dem Weg zu Yallas Wohnung und warfen ihn, als sie mit seiner Antwort nicht zufrieden waren, einfach aus dem nächsten Fenster. Sein Brüllen klang mir noch in den Ohren, als ich mit Yalla zusammen über den Balkon die Feuerleiter hinunterlief.

Als wir in das Gebüsch des Kings Parks eintauchten, krachten hinter uns Schüsse. Ich drehte den Kopf und sah, wie hinter uns ein paar dunkle Gestalten aus dem Mietshaus strömten.

Während wir in den Park eintauchten, schüttelte ich den Kopf.

Wie mächtig musste unser Gegner sein, wenn er es sich leisten konnte, inmitten einer Zweimillionen Stadt eine Treibjagd auf uns zu veranstalten?

Anscheinend mächtig genug, denn in der zurückliegenden Viertelstunde entdeckte ich keinen einzigen Polizisten in unserer Nähe.

Fortsetzung folgt …

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