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Jackson – Teil 44

Die Stunde der Monster

Ich stellte die Beine breit, knickte etwas ein und hob die Waffe in beidhändigem Anschlag.

Meine Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt.

Ich legte meinen Zeigefinger um den Abzug der Pistole und schwenkte den Lauf hin und her.

Neben mir war Yalla unvermittelt in die Knie gegangen.

»Was machst du da?«, fragte ich hektisch.

»Ich suche nach Landiswurzeln.« Sie sagte es so beiläufig, als würde sie mir gerade mitteilen, dass es heute Kartoffeln zum Essen gab.

»Du machst was bitte?«

Ihrem Mienenspiel nach zu urteilen machte ich dabei scheinbar nicht gerade den intelligentesten Eindruck.

Sie seufzte, verdrehte die Augen und deutete mit der Hand über den Boden.

»Ich sagte, ich suche Landiswurzeln.« Ihr Tonfall klang genervt. Sie wühlte mit beiden Händen im Boden. »Die Hütte, die du dort im Osten siehst, ist unser Freifahrschein zurück in die Zivilisation. Es gibt nur ein Problem, dort beginnt auch das Jagdrevier der Iswa. Obwohl sie nicht größer als Mäuse werden, sind sie wahrscheinlich die gefährlichsten Tiere in diesem Areal. Sie bestehen zu zwei Dritteln nur aus Maul und Zähnen und sind Allesfresser. Gott sei Dank sind diese pelzigen Biester ektotherm, das heißt, sie sind nur tagsüber aktiv, wenn die Sonne scheint, und liegen dann nachts praktisch bewegungsunfähig in ihren Höhlen.«

»Aha, und was für Eigenschaften besitzen diese Kuscheltiere sonst noch?«

»Sie treten immer rudelweise auf. Man erzählt sich, dass sie einen ausgewachsenen Menschen innerhalb von zehn Sekunden bis auf die Knochen abnagen können, am besten vergleichst du sie mit den Piranhas.«

»Entzückend«, sagte ich und sah mich hastig um.

Der Anflug eines Lächelns überzog Yallas Gesicht. Ihre Antwort zeigte mir, dass sie den Grund meiner plötzlichen Nervosität genau kannte.

»Keine Angst, es ist noch keinem Iswa gelungen, jemals hierher zu kommen. Neben der Hütte verläuft ein Fluss und die Tiere können nicht schwimmen.«

»Aber sie könnten ihn umgehen«, warf ich ein.

»Kaum, denn um ihn zu umgehen, braucht man zu Fuß knapp drei Tage, egal, in welche Richtung man geht. Durch ihre Körpereigenschaften ist es den Iswa aber nicht möglich, länger als eine oder zwei Stunden aktiv zu sein. Das reicht zwar zum Fressen, aber erlaubt keine größere Unternehmungen.«

»Okay, das habe ich soweit verstanden. Jetzt musst du mir nur noch zwei Dinge erklären und ich bin wieder beruhigt. Erstens, warum ist ausgerechnet diese Hütte da im Osten unser Ticket in die Freiheit, und zweitens, was zum Teufel hat es mit diesen Landiswurzeln auf sich?«

Die Antwort war Schweigen. Jedenfalls so lange, bis Yalla plötzlich etwas in der Hand hielt, das wie eine kleine Ingwerwurzel aussah, und dieses Teil triumphierend in die Höhe reckte.

»Geschafft, jetzt können wir weitergehen.«

Ich hatte plötzlich einen Kloß im Hals, angesichts der Existenz der Iswa fand ich diese Idee alles andere als nett.

»Moment mal«, sagte ich hastig. »Du hast mir immer noch keine Antwort auf meine beiden Fragen gegeben. Und solange das nicht der Fall ist, werde ich nirgendwohin gehen.«

»Das ist schon okay, wir haben ja jetzt die Landiswurzel.«

Ich blieb trotzdem stur. Solange ich nicht wusste, was es mit der Wunderwurzel auf sich hatte, war ich zu keinem weiteren Schritt bereit. Ich war schließlich nicht lebensmüde.

»Du willst mir doch jetzt nicht etwa erzählen, dass wir zu diesen menschenfressenden Viechern hinüberlaufen, nur weil du eine vertrocknete Wurzel in der Hand hast? No Baby, nicht mit mir, noch hänge ich am Leben.«

 

***

 

»Feigling!«

»Dann erkläre mir endlich, warum«, antwortete ich ungehalten. Allmählich hatte ich meine Bitten um weitere Erklärungen satt. Mir stand es langsam bis ganz oben.

Egal ob Linda, der Franzose oder Yalla, mit wem ich auch in dieser verrückten Welt zu tun hatte, ich musste jeden um eine Erklärung bitten, weil ich alleine in diesem Land so hilflos wie ein Neugeborenes war. Ich wusste weder, was für Tiere, noch, was für Menschen oder Naturgewalten mir begegnen würden. Natürlich hatte ich mich über Down Under schlaugemacht, aber das war das normale Australien und nicht diese verrückte Welt, in der es vor degenerierten, genmanipulierten und künstlichen Lebewesen nur so wimmelte.

Um das Kind beim Namen zu nennen: Ich bekam so langsam Minderwertigkeitskomplexe. Durch meine Unwissenheit lief ich wie ein Blinder durch die Botanik, und das war etwas, was mir überhaupt nicht schmeckte: Jede Sekunde meines Lebens von anderen abhängig zu sein.

Yalla schien zu spüren, dass mir eine Laus über die Leber gelaufen war. Anders konnte ich es mir nicht erklären, dass sie mir unsere Situation plötzlich so ausführlich schilderte.

»Die Sache ist ganz einfach«, sagte sie und hielt mir die Landiswurzel unter die Nase. »Die Iswa sind praktisch blind. Sie machen ihre Beute nur durch ihren Geruchssinn. Aber diese kleine Wurzel hier sondert einen Saft ab, der ihnen überhaupt nicht schmeckt. Sobald sie ihn riechen, suchen sie das Weite. Also werden wir uns damit einreiben, bevor wir ihr Gebiet betreten, und so unbehelligt zur Hütte gelangen. Bis dann ist es dunkel und die Kreaturen sind in ihren Höhlen verschwunden. Wir sind also vor ihnen sicher, bis der Konvoi bei der Hütte Rast macht.«

Yalla steckte die Wurzel in die Tasche und wischte sich ihre dreckigen Hände an den Kleidern ab.

Bevor ich sie fragen konnte, was denn das jetzt wieder für eine Geschichte mit dem Konvoi war, redete sie weiter.

»Das Hauptquartier wird zum größten Teil aus der Luft versorgt, Nahrungsmittel, Proviant, Ersatzteile und so weiter. Nur das Benzin wird mit Lastwagen herangeschafft und das ist unsere Chance. Die Wagen durchqueren das Gebiet der Iswa nur nachts. Bei Sonnenlicht ist man selbst in den Fahrzeugen nicht sicher vor ihnen. Ob du es glaubst oder nicht, aber es ist tatsächlich schon vorgekommen, dass diese Tiere sogar die Reifen angeknabbert haben, sie sind wirklich Allesfresser.«

Langsam dämmerte mir, worauf Yalla hinaus wollte.

»Verstehe, du willst also einen dieser Lastwagen kapern und damit fliehen.«

»Nicht ganz, so einen Wagen zu entern würde nur die Aufmerksamkeit der Soldaten aus dem Hauptquartier auf sich ziehen. Wir werden uns in einem dieser Lkws verstecken, denn die Transporte werden kaum kontrolliert. Wir setzen uns dann ab, wenn die nächste Stadt in Sichtweite ist.«

Im Grunde genommen hörte sich das Ganze ziemlich einfach an. Das mit dem Verstecken war wahrscheinlich ziemlich einfach, nur die Sache mit diesen Allesfressern lag mir schwer im Magen. Trotzdem folgte ich Yalla.

Wie immer blieb mir keine andere Wahl.

 

***

 

Kurz vor dem Fluss, der uns noch von der Hütte trennte, hielten wir an.

Yalla zog die Wurzel aus der Tasche und brach sie entzwei. Sofort sammelte sich an der Bruchstelle ein dünner, weißlicher Saft, den Yalla auf meiner Haut verschmierte.

Als ich auf meine weißen Hände starrte, wusste ich, warum die Iswa vor diesem Zeug Reißaus nahmen. Gegen diesen Pflanzensaft machte sich sogar der Geruch von Buttersäure wie ein Veilchenduft aus. Es erinnerte mich stark an  Beta-Mercaptoethanol, einem Stoff, mit dem ich einmal in Berührung gekommen war, als ich vor drei Jahren ein Chemiewerk observierte, das militante Umweltschützer mit Sabotageakten überzogen hatten. Dieser Geruch hatte sich bis heute in meine Nase eingebrannt. Er war das, was man den Gestank des Bösen nennt, fremdartig, stechend, als ob alles Kranke, alles Gären, alle Fäulnis und aller Verfall dieser Erde gleichzeitig in der Luft schwebte.

Nachdem die Prozedur des Einreibens beendet war, marschierten wir Seite an Seite auf die Hütte zu. Die Duftwolke, die uns dabei umgab, war kaum zum Aushalten. Ich hatte Mühe, einen Brechreiz zu unterdrücken.

»Wie um alles in der Welt sollen wir uns mit diesem Gestank verstecken? Die Lkw-Fahrer werden uns zehn Meilen gegen den Wind riechen können«, keuchte ich, während das Gefühl, mich übergeben zu müssen, immer stärker wurde.

»Keine Angst, der Saft lässt sich ohne Schwierigkeiten einfach mit klarem Wasser wieder entfernen, danach verschwindet auch der Geruch. Sobald es dunkel wird und die Iswa in ihre Höhlen kriechen, waschen wir uns das Zeug wieder ab.«

Yalla gab mir während des Laufens die eine oder andere Verhaltensregel und verstummte dann, als die Hütte in greifbare Nähe gerückt war. Mit einigen knappen aber unmissverständlichen Handbewegungen machte sie mir deutlich, dass es besser war, von nun an zu schweigen. Als der erste Iswa vor uns auftauchte, beschloss auch ich, die Klappe zu halten, obwohl mir noch soviel auf der Zunge lag.

Hätte mich Yalla nicht vorher gewarnt, ich hätte wahrscheinlich vor Entsetzen laut aufgeschrien.

Diese Kreatur war ein einziger Alptraum.

Und sie war nicht alleine!

Als ich mich umblickte, sah ich rechts von uns mindestens zehn dieser kleinen Monster auf dem Boden hocken. Links waren es vier und vor uns etwa doppelt so viele.

Einen Moment lang war nur das Klacken ihrer weit aufgerissenen Kiefer zu hören.

Yalla machte vorsichtig einen Schritt auf die Hütte zu.

Im selben Moment rutschte mir beinahe das Herz in die Hose.

Die Hüttentür schwang wie von Geisterhand bewegt zur Seite und aus dem Eingang strömten weitere Iswa. Es mussten Dutzende sein, kleine, kaum faustgroße Pelzwesen, die nur aus reißenden Zähnen und Klauen zu bestehen schienen.

Sie kamen direkt auf uns zu!

Fortsetzung folgt …

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