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Die Sünde

Toni Feller
Die Sünde

Thriller, Paperback, Wellhöfer Verlag, Mannheim, September 2013, 400 Seiten, 9,95 Euro, ISBN: 9783954281329, Titelbild: Uwe Schnieders
wellhoefer-verlag.de

Jürgen Newrod, ein sehr eigenwilliger Kriminalhauptkommissar, sorgt auf seinem Stuttgarter Revier für einen handfesten Skandal, als er mehrere korrupte Kollegen auffliegen lässt. Sein Stuttgarter Chef hätte diese Angelegenheit gern ohne die Presse bereinigt und ist entsprechend sauer auf Newrod, also muss dieser für ein paar Jahre aus der Schusslinie und wird nach Heidelberg ausgeliehen. Wenig begeistert tritt er die Reise an und bekommt in Heidelberg gleich einen gut inszenierten, spektakulären Selbstmordfall übertragen. Zusammen mit seiner neuen Kollegin, der Polizeipraktikantin Nesrin Yalcin, ermittelt er in diesem Fall. Die beiden sind sich nicht gerade sympathisch und müssen sich jeweils an den Ton des anderen gewöhnen. Nesrin ist dabei nicht auf den Mund gefallen und trotz ihrer sehr kleinen Körpergröße bietet sie dem Kollegen von Anfang an die Stirn mit ihrer frechen Klappe. Als dann in der Heidelberger Polizeidirektion im Abstand von jeweils vier Tagen immer wieder Päckchen mit abgetrennten Körperteilen, persönlich an Newrod adressiert, eingehen, geraten Newrod und Yalcin immer mehr unter Druck. Jemand spielt der Presse immer wieder Informationen zu, die eigentlich nur der Mörder kennen kann. Die Kollegen der Pathologie finden indes heraus, dass die Körperteile den Opfern bei vollem Bewusstsein abgeschnitten wurden und als Krönung wird bald das Herz des ersten Opfers verschickt. Die Ermittler tappen völlig im Dunkeln und versuchen noch fieberhaft die Identität von Opfer Nummer eins zu ermitteln, als munter die nächsten Päckchen eintrudeln. Der oder die Mörder sind den Ermittlern immer einen Schritt voraus.

Das Buch hat einen erfreulich geordneten Schreibstil, ist logisch und nachvollziehbar aufgebaut und liest sich dadurch sehr schön. Anders als bei vielen anderen Thrillern ist die Geschichte nicht mit zu vielen Figuren überlagert und der Leser muss sich nicht dauernd fragen, welche Person sich nun wo gerade befindet.

Im Laufe des Lesens erfährt man immer mehr Persönliches über die Ermittler.

Newrod beispielsweise ist frisch getrennt von seiner Ehefrau, liebt und vermisst diese aber noch sehr. Trotzdem kann er irgendwann den Avancen seiner Kollegin Sabine Bauer nicht widerstehen. Also kommt auch die Liebe nicht zu kurz.

Man merkt dem Autor an, dass er genau weiß, worüber er schreibt. Die polizeilichen Ermittlungen werden detailliert beschrieben, aber mehr als einmal dachte ich, ich hätte anders gehandelt. Auch blieben nach dem Lesen noch einige Fragen offen.

Die Hauptpersonen Newrod und Yalcin kamen bei mir nicht so sympathisch an, wie sie es verdient hätten. Er ist mir ein wenig zu arrogant in seinen Ermittlungen und benimmt sich auch seinen neuen Kollegen ziemlich respektlos. Sie hat mir ein zu freches Mundwerk, so schnauzt sie ihren Kollegen zum Beispiel bei der ersten gemeinsamen Autofahrt durch Heidelberg gleich ziemlich schroff an, als er ihren viel zu schnellen Fahrstil kritisiert. Mit Sätzen wie He, hast du etwas Pipi in den Augen oder Atme mal locker durch die Hose. Mir waren diese Sprüche etwas fehl am Platz und dadurch fiel es mir schwer die beiden einzuordnen. Das legte sich beim Lesen zwar immer mehr, aber ich konnte mir bis zum Schluss kein lebhaftes Bild der beiden machen.

Ansonsten hatte der Autor recht, als er mir versprach, das Buch würde mir schlaflose Nächte bescheren. Es wimmelt zwar nicht von Leichen aber das war auch gar nicht nötig. Es fesselte mich mit seiner Spannung, die immer weiter aufgebaut wurde. So schreibt der Autor aus Sicht der Opfer, die Qualvolles erleiden müssen, aus Sicht der Mörder, deren Motive man nach einiger Zeit mehr als nachvollziehen kann und natürlich aus Sicht der Kriminalbeamten.

Mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs an jungen Ministranten bei der katholischen Kirche hat sich der Autor an ein sehr brisantes Thema gewagt, dies aber sehr gut umgesetzt. Ich kann dieses Buch wirklich sehr empfehlen, es ist hervorragend für kalte Herbsttage auf der Couch geeignet.

(sg)