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Captain Concho – Band 42

Bill Murphy
Captain Concho – Der Rebell aus Texas
Band 42
Conchos Reiter nach vorne!

Western, Heftroman, Bastei, Köln, 66 Seiten, 1,70 €, Neuauflage, Titelbild von Ertugrul Edirne / Becker-Illustrators

Kurzinhalt:
Die Schlacht bei Chancellorsville ist die Hölle. Der Yankee feuert aus sicheren Bunkerstellungen heraus und stoppt den Durchbruch von Lees Armee. Da wird Captain Concho mit seinen Reitern gerufen. Forscreek, dieses Genie im Basteln von Sprengsätzen, bekommt reichlich Gelegenheit, sein Talent zu beweisen. Finnewacker und die übrigen verwegenen Reiter Conchos bewähren sich auf anderen Gebieten: Sie schälen Kartoffeln und hacken Holz im Quartier des Feindes, während Captain Concho den hohen Yankee-Offizieren General Hookers als Butler die Drinks serviert. Denn sie wollen den Yankee-General inmitten seines Stabs gefangen nehmen …

Leseprobe:

Seit Stunden war das Trommelfeuer zu hören. Wie fernes Gewittergrollen hatte es sich zuerst angehört. Doch jetzt klang das alles verdammt anders. Das war ein Krachen und Bersten und Dröhnen gleich hinter dem Wald, der die Straße nach Salem Church säumte.

Die Kolonne geriet ins Stocken, und Finnewacker hielt den Viererzug an. Kavallerie und auch Infanterie-Kolonnen überholten die schwer beladenen Trossfahrzeuge. Die Straße war völlig verstopft, und zwischen den nach vorn strebenden Artillerie-Einheiten, Kavallerie- und Infanterie-Kolonnen, Bagagewagen und Nachschub-Fahrzeugen mühten sich voll beladene Ambulanzen, nach rückwärts durchzukommen.

Finnewacker ruckte auf der Fahrerbank herum und griff nach seinem Karabiner, als er nahe hinter dem Waldstreifen Gewehrfeuer und wildes Hurrageschrei vernahm.

Sergeant Forscreek, der neben ihm saß und auf dem ganzen Weg geschlafen hatte wie ein Murmeltier, erwachte. Doch keinesfalls von diesem kriegerischen Tohuwabohu, das Finnewackers Hals trocken werden ließ.

Was ihn eingeschläfert hatte, war dieses harte Rütteln und Stoßen, dem die Männer auf den Trossfahrzeugen wegen der schlechten Straße auf der ganzen Fahrt ausgesetzt waren. Das fehlte ihm nun.

Er schob sich den Hut aus der Stirn und gähnte herzhaft. »Warum geht es denn nicht weiter?«, fragte er nörgelnd.

»Siehst du das nicht?«, knurrte Finnewacker.

»Und was ist hier los?«, fragte Forscreek weiter und lauschte dem schweren Artilleriefeuer.

»Es gibt Leute, die schnarchen im Schlaf«, versetzte Finnewacker trocken»Du grunzt wie ein Schwein, dass man überhaupt nichts verstehen kann.

Und dann willst du wissen, was los ist.«

Hinter dem Wald knatterten wieder die Gewehre, und das Hurrageschrei war jetzt lauter zu hören.

Forscreek setzte sich erschrocken auf. »Mensch, Finnewacker! Sind wir vorne?«

»Ich würde sagen, es hört sich so an!« »Wir sind doch beim Tross!«, stieß Forscreek entrüstet hervor.

Oscura tauchte neben Forscreek auf. Er fuhr mit Dusty das nachfolgende Gespann.

»Wenn mich nicht alles täuscht, Forscreek, fahren wir so richtig rein in die Scheiße. Und du hast uns eine ruhige Kugel versprochen!«

»Dir wird schon nichts passieren!«, versetzte Forscreek und schaute auf ihn hinab. »Auf deine Leute schießen die Yankees nicht.«

»Das weißt du, aber wissen das auch die Yankees!«, erwiderte Oscura.

Die schwer beladenen Fahrzeuge fuhren weiter. Oscura rannte zu seinem Wagen.

»Finnewacker, schlaf nicht!«, brummte Forscreek.

Finnewacker legte das Gewehr aus der Hand und, griff nach Zügel und Peitsche.

Ihr Lieutenant ritt auf seinem feurigen Braunen entlang an der Kolonne.

»Aufschließen! Aufschließen!«, rief er im Vorbeigaloppieren.

Finnewacker ließ die Peitsche knallen, die Zügel fest im Griff, die er dann plötzlich locker ließ, damit die vier Pferde gleichmäßig anzogen.

»Hinter dem Wald wird geschossen, Forscreek!«

»Bin ja nicht taub!«

Finnewacker ließ den Führpferden das Leder um die Ohren fliegen. »Was machen wir, wenn der Yankee plötzlich hier durchbricht?«, fragte er. »Hast du dir das schon mal überlegt?

Mit den schwer beladenen Wagen kommen wir doch nicht über das freie Feld weg, und die Straße, die ist zu.«

»Wenn wir eine reinkriegen in den Laden, brauchst du dir darüber keine Gedanken mehr zu machen.« Forscreek lehnte sich wieder in die Ecke und zog den Hut ins Gesicht. Dann wies er mit dem rechten Daumen nach oben.

»Was haben wir denn geladen, Mann?«, fragte Finnewacker erschrocken.

»Wir fahren für Armands Batterie«, sagte Forscreek.

»Weiß ich!«

»Und was brauchen die Jungs von der Artillerie?«

Finnewacker schluckte. »Mensch, die benötigen doch auch Furage, Futter für die Pferde, Zelte und warme Sachen.«

Forscreek wies mit dem Daumen über die Schulter zu Oscuras Wagen. »Das hat der Kleine auf dem Wagen.«

»Und wir?«, krächzte Finnewacker.

»Das andere!«

»Granaten?«, rief Finnewacker entsetzt.

Forscreek öffnete die Augen und griente. »Was brauchen die Johnnys von der Ari denn sonst noch?«

Sie hatten die Wagen in Lauterdales Depot beladen übernommen, und ihnen war nur gesagt worden, für welche Einheit der Vierten Brigade sie fuhren.

»Woher weißt du das?«, fragte Finnewacker in der Hoffnung, dass ihn Forscreek nur auf den Arm nahm.

»Weil ich nachgesehen habe!«, erwiderte Forscreek. »Kennst mich doch! Bin ein Mensch, der sich für alles interessiert und der erst recht wissen will, worauf er sitzt.«

»Und warum hast du mir das nicht gesagt?«, rief Finnewacker gereizt.

»Damit du dir nicht in die Hosen machst!« Forscreek feixte.

Lieutenant Fitzpatrick ritt auf der rechten Seite der Kolonne vorbei nach vorn.

»Aufschließen, Finnewacker!«‚ rief er. »Lassen Sie die Pferde nicht trödeln, Mensch!«

Finnewacker ließ die Peitsche krachen.

»Ja, Mann!«, knurrte Forscreek. »Fahr zu! Oder willst du absteigen? Rückfahrkarten verteilt nur der Feind. Darauf sollten wir bei der Ladung nicht warten. Also sehen wir lieber zu, dass wir denen die Rückfahrkarten verpassen.«

Die Wagen vor ihnen wichen zum linken Straßenrand aus. Auch Finne- wacker lenkte das Gespann hinüber. Da sahen sie auch schon den Grund. Ein Ambulanzwagen war zu nah an den Straßengraben geraten und umgekippt. Etwa zwanzig Männer versuchten, den Wagen aufzurichten.

»Weiter«, sagte Forscreek und neigte sich aus dem Wagen. »Hängt den Viererzug ab, ihr Brummer!«, brüllte er aus Leibeskräften den Männern zu. »Befestigt die Waage seitlich am Dach und lasst die Pferde die Karre aufstellen. So schafft ihr das doch nie!«

Finnewacker trieb die Pferde vorwärts und lenkte sie wieder an den rechten Straßenrand. Kein Wort bekam er heraus.

»Diese Armleuchter müssten glatt erschossen werden!«, ereiferte sich Forscreek und lehnte sich wieder in die Ecke. »Schmeißen eine Fuhre verwundeter Männer um.«

Ein Kurier von Captain Concho, der die vierte Brigade befehligte, und Lieutenant Fitzpatrick trabten auf der linken Seite der Kolonne zurück.

»Alles scharf rechts ranfahren!«, riefen sie beide. »Scharf rechts ranfahren. Die Munitionswagen der Vierten nach vorn! Munitionswagen der Vierten nach vorn!«

Der Wagen vor ihnen scherte aus. Auf ihm fuhren Perryton und Sergeant Major Dandry. Also hatten auch sie Munition geladen.

»Finnewacker!«, rief Lieutenant Fitzpatrick. »Ausscheren, Mann! Und machen Sie die Gäule munter!«

Finnewacker zog die Zügel links an und ließ die Peitsche knallen. Zweimal hintereinander schlug er das Leder den Pferden über die Rücken und brachte sie damit in Trab.

Forscreek hielt sich fest und richtete sich auf. »Du heiliger Bimbam! Jetzt geht es rund, Finnewacker. Und da habe ich mir eingebildet, Benson hätte uns in seiner Herzensgüte einen ruhigen Job verschafft.«

Die Munitionswagen der Vierten Brigade rollten an den haltenden Trosswagen vorbei die Straße entlang. Finnewacker behielt Anschluss. Hinter ihnen donnerten andere Fahrzeuge her.

Die Munitionskolonne ratterte schlingernd und polternd durch eine kleine Ortschaft, in der kein Stein mehr auf dem anderen stand. Da waren nicht einmal die Bäume heilgeblieben. Nur klagende Stümpfe von Baumstämmen, die von Artilleriegeschossen gekappt worden waren, ragten noch empor.

Die Kolonne verließ die Straße und fuhr im Galopp querfeldein weiter. Und das war möglich, obwohl das Finnewacker zuvor angezweifelt hatte.

Nicht einmal sein Gespann blieb stecken. Er zwiebelte die Tiere dermaßen vorwärts, dass sie den schwer beladenen Wagen wie einen Rennsulky über die Grasnarbe zogen. Wie schwer die Wagen beladen waren, war an den tiefen Spurrillen zu erkennen, die sie hinterließen.

Die Kolonne bestand aus acht Wagen. Am Ende des Waldrandes wartete ein Kurier, der den Wagen von Sergeant Major Dandry und auch Finnewacker herauswinkte.

»Folgen Sie mir!«, rief er, warf das Pferd herum und ga1oppierte hinter dem Wald entlang einer buschbewachsenen Anhöhe entgegen.

Forscreek nahm Finnewacker die Peitsche aus der Faust, richtete sich auf und hielt sich mit einer Hand fest. »He! Hüh! Braaah!«, rief er und schwang die Peitsche;

Auch Finnewacker schrie und ruckte mit den Zügeln, denn diese Anhöhe war nur mit Schwung und einem gehörigen Anlauf zu bewältigen. Sie näherten sich rasch Dandrys Gefährt, und Finnewacker lenkte die Pferde zur Seite und fuhr an Sergeant Major Dandry und Corporal Perryton vorbei, die ihre Pferde nicht so schnell auf Trab bekamen.

Forscreek schwang die Peitsche und wichste das Leder Dandrys Pferden um die Ohren.

»Vorwärts, ihr lahmen Enten und trüben Tassen!«

Dandry und Perryton mühten sich, mit ihnen Schritt zu halten, schafften das aber nicht, weit sie die Pferde zu spät angefeuert hatten.

Finnewacker und Forscreek zogen an ihnen vorbei und übernahmen die Spitze.

Der Kurier stoppte auf dem Hang, zog das Pferd um die Hand und winkte.

»Armleuchter!«, rief Forscreek wütend. »Unsere Pferde haben doch keine Flügel.«

Da krachte es, und auf dem Hang vor dem Kurier explodierte eine Granate, die eine mannshohe Fontäne aus Erde, Gras, Rauch und Feuer aufwarf und den Kurier aus dem Sattel fegte.

Finnewacker und Forscreek drohte für einen Moment das Blut in den Adern zu stocken.

Wie tot blieb der Kurier liegen. Sein Pferd lief ein Stück davon und kehrte dann zu ihm zurück.

Finnewacker lenkte das Gespann auf den Kurier zu.

»Nicht anhalten, sonst bleiben wir stecken!«, rief Forscreek.

Sie jagten das Gespann weiter. Noch bevor sie den Kurier erreichten, stand der auf, sah sich taumelnd um, schritt zu seinem Pferd und stieg in den Sattel.

Finnewacker und Forscreek lachten erleichtert und trieben das Gespann den Hang empor.

Der Kurier wartete schreckensbleich und galoppierte dann wieder vor ihnen her.

«Der Luftdruck der verirrten Granate hatte den Mann vom Pferd geblasen. Doch so weit hatte sich die Granate nicht verirrt, wie sie kurz darauf wahrnahmen, als sich die Pferde das letzte Stück emporkämpften und den schwer beladenen Trosswagen über die Anhöhe hinwegzogen.

Auf halber Hanghöhe befand sich die Stellung der Batterien der Vierten Brigade, deren Kanonenschlünde Feuer spien und röhrten und krachten. Vor den Geschützen und links und rechts davon sahen sie die Reihe von Gräben der Infanterie-Stellungen. Es krachte und dröhnte, und Fontänen explodierender Granaten zuckten überall empor. Rauch überzog den Hang und die Stellungen.

Durch das Tal aber schritt der Yankee zum Angriff vor.

Finnewacker und Forscreek erschraken, als sie die langen Kolonnen vorrückender Regimenter erblickten. Fast im Gleichschritt stapften die Yankees he- ran. Die Bajonette auf ihren Gewehren reflektierten das Sonnenlicht. Fahnen und Wimpel wehten. Hörnerklang und Trommelwirbel waren zu hören.

Forscreek und Finnewacker blieb keine Zeit übrig, dieses Schauspiel zu beobachten.

Da rückte der Yankee in übermächtiger Stärke heran, und ihre Kanonen benötigten Munition.

Der Kurier wies die Wagen in die Stellung. Die Gespanne standen kaum, da kam der Befehl zum Abladen.

Finnewacker und Forscreek rissen die Planen herunter. Kanoniere stürzten heran, zogen die Kisten herunter und trugen sie zu ihren Geschützen.

Hundert Yards entfernt hielt Sergeant Major Dandrys Wagen.

Auch Finnewacker und Forscreek trugen Kisten zu den Kanonen. Ihnen fiel dabei auf, dass bislang nur die schweren Geschütze feuerten.

(wb)