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Dark Empire

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Jackson – Teil 35

Das Ziel rückt näher

»Dafür ist jetzt keine Zeit«, herrschte mich Emma Wayne an. »Lassen Sie diesen Versager liegen. Wir müssen sofort unsere Kollegen informieren.« Ohne noch ein weiteres Wort über die Angelegenheit zu verlieren, drehte sich die Professorin auf dem Absatz um und ging einfach weiter. Ich zuckte mit den Achseln und trottete dem Drachen hinterher.

Allerdings nicht, weil ich besonders folgsam war oder sie mich mit ihrer schroffen Art eingeschüchtert hatte, sondern, weil ich nicht die geringste Ahnung hatte, wohin ich mich wenden musste, um zur nächsten Ebene beziehungsweise endlich zum Ausgang zu kommen.

Ich stiefelte also hinter Linda und den beiden Wissenschaftlern her, beseelt von dem Gedanken, sofort den Absprung zu machen, sobald ich wusste, welcher Weg mich in die Freiheit führte.

Ich hatte die Rechnung allerdings ohne Emma, die eiserne Jungfrau, gemacht.

Linda, Sheridan und ich waren noch keine zwanzig Yards weit gekommen, als der Drachen wie von der Tarantel gebissen herumfuhr, sich mit in die Hüften gestemmten Händen vor mir aufbaute und mich mit einem Blick musterte, der sogar die Hölle hätte zufrieren lassen.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ihr meine Anwesenheit erst jetzt so richtig bewusst geworden war.

»Wer zum Teufel sind Sie eigentlich?«

Ich bleckte die Zähne. »Wer will das wissen?«

»Werden Sie jetzt bloß nicht frech. Sonst sorge ich dafür, dass Sie mehr Schwierigkeiten bekommen, als Sie vertragen können. Und glauben Sie mir, das ist keine leere Drohung, ich befinde mich nämlich in einer Position, die es mir erlaubt, den lieben Gott zu spielen, jedenfalls solange wir uns in diesen Etagen befinden. Haben Sie das verstanden, Mister …?«

»Sein Name ist Jackson«, erwiderte Linda. Sie war inzwischen stehen geblieben und musterte uns hektisch. »Er ist okay«, sagte sie schnell. »Zwar nur eine Hilfskraft aus den unteren Ebenen, aber ein gewiefter Bursche, der mir schon ein paar Mal recht nützlich war.«

»Soso«, sagte Emma und musterte mich anzüglich. »Und wie nützlich?«

Da ich nicht vorhatte, dem Drachen meine Lebensgeschichte zu erzählen, konterte ich mit einer Gegenfrage: »Seit wann interessiert sich ein Professor von Ihrem Rang für einen Laufburschen wie mich?«

Emma Wayne maß mich mit einem kalten Blick.

»Ich habe ein ziemlich gutes Gedächtnis, was Gesichter anbelangt, und ich kann mich nun mal nicht daran erinnern, Sie jemals hier auf einer der Ebenen gesehen zu haben. Genau dieser Umstand bereitet mir Kopfzerbrechen.«

Ich zuckte mit den Schultern und versuchte, die Situation mit einem lockeren Spruch zu entschärfen. Ein kurzer Blick in Lindas angespanntes Gesicht hatte mir gezeigt, dass meine Begleiterin ziemlichen Respekt vor der kleinen Professorin hatte. Offensichtlich war Emma tatsächlich in der Lage, uns Schwierigkeiten zu machen.

»Wahrscheinlich haben Sie mich in dem ganzen Trubel hier einfach übersehen. Wenn es mir auch schwerfällt, so muss ich doch eingestehen, dass ich nicht gerade eine Schönheit bin. Ich bin es also gewöhnt, mit meinem Allerweltsgesicht von vielen übersehen zu werden.«

»Ich bin aber nicht viele!«

»Sei’s drum«, erwiderte ich lapidar. »Das Ganze können wir ja später klären, jetzt sollten wir uns besser wieder auf den Weg machen. Nicht, dass diese Monster, wie Sie die Kreaturen bezeichnen, doch einen Weg finden, die Sicherheitssysteme zu umgehen. Ich wüsste nämlich nicht, wie wir sie aufhalten könnten.«

»Verdammt Emma, er hat recht!«, pflichtete mir Doktor Sheridan bei. Sein Adamsapfel hüpfte dabei nervös auf und ab, der schrillen Stimme nach zu urteilen, stellte er sich dieses Szenario wohl gerade bildlich vor.

»Wir sollten wirklich zusehen, dass wir in die oberen Etagen kommen, und zwar so schnell es geht.«

»Ihnen ist aber schon bewusst, dass wir damit einem Außenstehenden Einblicke in den Adamversuch gewähren?«

»Scheiß auf den Adamversuch«, entgegnete Sheridan voller Inbrunst. »Was habe ich davon, wenn mich diese Monster killen?«

»Reißen Sie sich gefälligst zusammen, Sheridan! Ihr Verhalten, das Sie im Moment an den Tag legen, ist unterste Schublade, was sollen denn die anderen von uns denken?«

»Das ist mir scheißegal!«, sagte der Doktor und baute sich drohend vor der Emma auf.

»Wovon reden die eigentlich die ganze Zeit?«, zischte ich Linda zu, während sich die beiden Wissenschaftler weiterhin beharkten.

 

***

 

Die Antwort erhielt ich eine knappe Viertelstunde später, kurz, nachdem sich Wayne und Sheridan endgültig darauf geeinigt hatten, meine Anwesenheit zu akzeptieren.

Keiner von uns redete ein Wort, während wir Emma Wayne durch ein gespenstisches, halbdunkles Labyrinth aus Gängen, Nischen und verlassenen Laborräumen folgten. Irgendwo brummte ein Generator, und je weiter wir kamen, umso stärker war die Luft von jenen typischen Düften und Gerüchen erfüllt, die immer dann entstanden, wenn sich viele Menschen auf engsten Raum zusammendrängten.

Ich kam mir vor wie zur Rushhour in der U-Bahn. Es roch nach Deo, Aftershave und neuen Lederstiefeln, nach frisch geduschten Menschen ebenso wie nach Schweiß und irgendwelchen Arbeitsklamotten, die frisch aus der chemischen Reinigung gekommen waren, außerdem schien es da jemanden zu geben, der sein Lunchpaket mit einer ordentlichen Portion Zwiebeln belegt hatte.

Emma führte uns im Eiltempo einem unbekannten Ziel entgegen, das am Ende des Ganges liegen musste, denn eigentlich war dort Endstation. Die wenigen Glühbirnen im Gang spendeten nur ein schwaches Licht, aber es reichte dennoch aus, um die dunkle Stahlwand erkennen zu lassen, die unseren Weg in einer Sackgasse enden ließ. Hier war Ende Gelände, hier ging es definitiv nicht weiter, es sei denn, Emma besaß die Gabe, durch stählerne Wände hindurchzugehen.

Okay, ich hatte in dieser verrückten Welt schon so einiges erlebt, aber das traute ich ihr wirklich nicht zu. Dennoch beschlich mich ein seltsames Gefühl, als sie mit Linda und Sheridan im Schlepptau unbeirrt auf das Ende des Ganges zueilte.

Was für einen Trumpf hielt die kleine Professorin im Ärmel versteckt?

Sie zeigte es uns, während ich mir in Gedanken die tollsten Szenarien ausmalte. Es war ebenso einfach wie geheimnisvoll.

Sie presste ihre Rechte auf eine in der Wand eingelassene Vertiefung, blaues Licht hüllte sie ein und innerhalb eines Atemzuges glitt die scheinbar unüberwindliche Wand aus Stahl und Eisen wie von Zauberhand berührt einfach zur Seite.

Dahinter befand sich ein weiterer Gang, der nach knapp zehn Schritten vor einer einfachen Drehtür endete, hinter der vielstimmiges Gemurmel zu hören war.

Ohne irgendwelche Erklärungen ging Emma durch die Drehtür. Die anderen folgten ihr wortlos, nur ich riskierte noch einen kurzen Blick über die Schultern.

Mit gemischten Gefühlen beobachtete ich, wie sich hinter uns die stählerne Wand erneut bewegte und den Gang hermetisch abriegelte.

Damit gab es kein Zurück mehr.

In diesem Moment war ich meiner Eingebung dankbar, die mich veranlasst hatte, die Waffen des Wachmannes an mich zu nehmen.

 

***

 

Nachdem mich die Drehtür ausgespuckt hatte, blieb ich einfach stehen.

Irgendwelche Lampen mit gefühlten zehntausend Watt strahlten mir direkt ins Gesicht. Die Helligkeit war so grell, dass ich wie ein Blinder ein, zwei Schritte zur Seite trippelte. Es dauerte bestimmt fünf Minuten, bis sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten. Als ich dann wieder aufblickte, hielt ich den Atem an.

»Jesus!«, entfuhr es mir.

Wo war ich hier nur gelandet?

Fortsetzung folgt …

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