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Alte deutsche Bilderbogen

Alte deutsche Bilderbogen

Bilderbogen, vielfältig aufgrund ihrer Themen und jeweils zu Tausenden gedruckt, überschwemmten im 19. Jahrhundert zur Zeit ihrer Hochblüte ganz Europa, ja die ganze Welt. Noch heute suchen Sammler nach kargen Überresten und geben zum Teil Unsummen dafür aus. Wo sind all die Drucke geblieben? Zeitungen und illustrierte Zeitschriften, Bild- und Bilderbücher, ja, der Film und das Fernsehen gar haben sie überflügelt, das Ungeheuer Technik frisst seine Vorgänger auf.

Denn Vorgänger, das waren die Bilderbogen, die ihrerseits wieder auf den Einblattdruck und das fliegende Blatt seit der Erfindung des Buchdrucks zurückgehen. Ihr mannigfacher Zweck war der gleiche wie der der Massenmedien unsrer Zeit: Vermittlung von neuesten Nachrichten aus aller Welt, Kriegsberichte und Moritaten, politische Waffe, Karikatur aller menschlichen Torheit, aber auch ernste Bildung, harmlose Unterhaltung, Anschauung der Welt mit oder ohne »Weltanschauung« und nicht zuletzt, wenn auch doch erst in späterer Zeit, Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere Bedeutung, vom Jux bis weit in die Bereiche des schwarzen Humors.

Es sind Jahrzehnte vergangen, in denen der moderne Mensch dieses altmodische Zeug in den mächtigsten aller Weltströme warf, den des Vergessens, der Makulatur.

Ganz kurz und ohne jede Gelehrsamkeit, die Bücher füllen würde, möchte ich an dieser Stelle ein paar historische Hinweise geben. Dem Holzschnitt, der sich jedoch bis zuletzt behauptete, folgte der Kupferstich. Engelbrecht in Augsburg und Campe in Nürnberg wären davor und um 1800 zu nennen. Noch herrschten teure, sorgfältig illuminierte Stücke vor, Buchbinder und fliegende Händler verbreiteten sie in aller Welt. Die bunten Blätter wurden schlechter und billiger, bis zum Massenschund. Der Steindruck setzte sich durch, Zeitungspapier herrschte vor, die Einfärbung wurde greller und flüchtiger. Die Massenware, längst in einer seither nicht wieder erreichten Internationalität, wurde oft mehrsprachig betextet, der Austausch von Volk zu Volk, aber auch das Plagiat war gang und gäbe. Alte Vorbilder, wie zum Beispiel der Hallesche Stiefelknechts-Galopp, zogen sich durch viele Jahre hin.

Deutsch im weitesten Sinn waren die Bogen aus dem Elsass, sogar die von Epinal in den französischen Vogesen, im engeren Sinn die von Neuruppin in der Mark Brandenburg. Drei Häuser, Gustav Kühn an der Spitze, beherrschten viele Jahrzehnte den Markt. Erwähnt seien auch die Reihen anderer Verleger wie die Neue deutsche Bilderbogen für Jung und Alt von Gustav Weise und die berühmten Münchner Bilderbogen von Braun und Schneider.

Gern möchte ich hier einige Faksimiledrucke vorstellen. Ob es sich dabei um Kitsch, vergessenes Kulturgut oder anderes handelt, sollte jeder für sich herausfinden.


Bilderbogen Nr. 1736 – Robinsons Reisen und Abenteuer

(Bilder bitte einzeln anklicken, um eine Großansicht zu erhalten!)


Bilderbogen Nr. 5774 – Schaurige Mordthat des Schusters aus Treuenbrietzen

(Bilder bitte einzeln anklicken, um eine Großansicht zu erhalten!)


Bilderbogen Nr. 5792 – Leonore

(Bilder bitte einzeln anklicken, um eine Großansicht zu erhalten!)


Quelle:

  • Alte deutsche Bilderbogen, Gerhard Stalling Verlag Oldenburg und Hamburg, 1967

(wb)