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Dark Empire

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Jackson – Teil 25

Eine böse Überraschung

Am Anfang waren sie siebzehn, neun Männer, acht Frauen.

Die besten Studienabgänger, Wissenschaftler und Professoren Europas, eine handverlesene Elite. Unter der Schirmherrschaft eines weltweiten Konsortiums an finanzstarken Größen aus Wirtschaft, Politik und Medien sollten sie in der menschenleeren Weite des Australischen Outbacks in aller Ruhe ein Projekt verwirklichen, das die Welt revolutionieren konnte. Palinginese, so der Name des Projekts, hatte die höchsten humanitären Ziele, die man sich denken konnte. Es ging um nichts Geringeres, als Krankheiten wie Krebs und Alzheimer endlich zu besiegen, und die Mittel, die sie dabei zur Verfügung hatten, schienen unbegrenzt.

Das war vor drei Jahren, soviel hatte ich inzwischen mitbekommen.

Aber dann war der Tag X gekommen und mit ihm die Menschenversuche, und plötzlich entpuppte sich die Abgeschiedenheit von Down Under als eine Zone, die man lebend nicht verlassen konnte.

Ich musste an mich halten, als Linda von Gerüchten erzählte, wonach schwangeren Frauen ein Tierfötus eingepflanzt wurde und Schweinen und Affen im Gegenzug dazu menschliche.

Ich verspürte einen bitteren Geschmack im Mund.

Irgendetwas musste geschehen sein, dass aus einem für die Menschheit derart wichtigen Projekt plötzlich eine Versuchsreihe wurde, die plötzlich an jene vergangenen schlimmen Experimente erinnerten, die jahrelang in einem Land passierten, über dem zu dieser Zeit die Fahne mit dem Hakenkreuz wehte.

Aber was?

Eigentlich war es meine Pflicht, diese Schweinerei bis ins letzte Detail hinein aufzuklären, aber ich tat es nicht.

Es interessierte mich nicht.

Ich weiß, das klingt in den Ohren der meisten jetzt kalt und menschenverachtend, aber es ging mir tatsächlich am Arsch vorbei.

Jedenfalls zu diesem Zeitpunkt und in meiner damaligen Situation.

Ich wollte nicht weniger und nicht mehr als überleben.

Ich wollte nur raus aus dieser verrückten Palinginesezone und es kann mir keiner erzählen, dass jemand anderes an meiner Stelle nicht genauso gehandelt hätte. Es gibt in dieser dreckigen Welt keine Helden mehr, die sich für lau und Vaterland in Stücke hacken lassen, jedenfalls kenne ich keinen.

Ich packte Linda an der Schulter und zog sie hoch. Wohl härter, als ich es wollte, denn sie verzog ihr Gesicht zu einer schmerzhaften Grimasse. Meine Hand zuckte zurück, als hätte ich mich an einer glühenden Herdplatte verbrannt und ich versuchte, mich mit einem Lächeln zu entschuldigen.

»Sorry, wenn ich ein bisschen zu grob gewesen sein sollte, aber allmählich wird mir das hier alles zu viel. Ich will nur noch eins, raus aus dieser verdammten Area. Was meinst du, schaffen wir das?«

Linda schaute hoch, sah mich an und sagte nur: »Komm mit.«

 

***

»Hier entlang«, ächzte Linda.

Ich folgte ihr mit einem Fluch, weil ich mir mal wieder in der Dämmerung an irgendeinem Felsen den Fuß angeschlagen hatte, humpelte einen Moment und schickte dann dem ersten Fluch noch eine Handvoll anderer nach.

Was zum Teufel hatte Linda vor?

Es war noch gar nicht so lange her, da hatten sich vor uns am Horizont noch die Umrisse des imaginären Headquarters abgezeichnet. Diese Stadt der weißen Männer, die für uns das Tor zur Freiheit sein sollte. Aber statt auf direktem Weg darauf zu zugehen, schlug Linda plötzlich Haken wie ein Hase und führte mich kreuz und quer durch die Pampa.

Im Moment kletterten wir einen knapp hundert Yard abfallenden Abhang hinunter, der aus nichts anderem zu bestehen schien als aus Sand, Staub und Felsen, die unbedingt die Bekanntschaft mit meinen Schienbeinen machen wollten, und Büschen, deren Fingernagel große Dornen scheinbar geradezu darauf warteten, sich in meine Haut zu bohren.

Ich sah langsam aus, als hätte ich die Nacht in einem Käfig mit einer Raubkatze verbracht, so verschrammt und zerkratzt war ich.

»Verdammte Scheiße, kannst du mir verraten, wo wir eigentlich hingehen?«, polterte ich ungehalten, als wieder einmal ein Pflanzenstachel den Weg in die Haut von meinem Oberarm gefunden hatte.

»Ins Hauptquartier, wohin denn sonst?«

Ich blieb abrupt stehen und sah sie konsterniert an. »Willst du mich verarschen?« Ich deutete den Abhang hoch gen Süden. »Das Headquarter liegt dahinten. Du hast zu mir gesagt, dass es ein Leichtes sein wird, da hineinzukommen. Also was zum Teufel machen wir hier?«

»Ich habe es mir anders überlegt.«

»Ich fass es nicht«, erwiderte ich. Allmählich wurde ich sauer. »Und was bitte hat dich dazu bewegt, unseren ursprünglichen Plan so einfach über den Haufen zu schmeißen? Weibliche Intuition etwa? Sei mir bitte nicht böse, aber mein Arsch hängt in dieser Sache genauso in der Schlinge wie deiner, es wäre deshalb nett, wenn du mich ab und zu einmal an deinen Gedankengängen teilhaben lassen würdest. «

»Ich habe mir gedacht, dass es vielleicht doch besser ist, wenn wir unerkannt ins Headquarter gelangen. Der Teufel ist ein Eichhörnchen und gerade hier in der Zentrale gibt es ein paar Typen, bei denen man auf alles gefasst sein muss.«

»An wen denkst du?«, fragte ich, obwohl ich die Antwort bereits kannte.

»Pasquale, den Franzosen«, sagte sie leise.

»Okay, aber wie stellst du dir vor, soll es weitergehen?«

Linda lächelte humorlos und deutete nach unten. »Wir nehmen diesen Weg. Hier kommen wir auch in die Zentrale, wenn auch von hinten.«

 

***

Eine halbe Stunde später wusste ich, was sie damit gemeint hatte.

Wir kamen tatsächlich von hinten in das Hauptquartier, nämlich von ganz hinten.

Genauer gesagt krochen wir der Zentrale bildlich gesehen in den Arsch.

»Was ist das?«, fragte ich, als wir vor einer Röhre standen, die etwa drei Yard breit war und deren Ende kaum mehr als handhoch vom Boden aus einem Felsen ragte.

Linda deutete hinein. »Der Zugang zur Zentrale.«

Ich beugte mich vor und streckte meinen Kopf in die Röhre.

Es fehlte nicht viel und ich hätte gekotzt. Erst recht, als meine Hände am Rand der Röhre in eine undefinierbare, dunkle, teigige Masse griffen, die roch, als hätte ich voll in die Scheiße gegriffen.

Der Griff ins Klo, ein Wortspiel, das mir im nächsten Moment das Grinsen im Gesicht gefrieren ließ. Denn inzwischen hatte ich endgültig realisiert, dass ich tatsächlich Scheiße an den Händen hatte. Wir standen genau vor dem Ende jenes Rohrs, das an dieser Stelle den Inhalt der gesamten Abwasserkanalisation der Zentrale in den Wüstensand versickern ließ.

»Das ist nicht dein Ernst«, würgte ich hervor.

»Was ist dir lieber? Durch Scheiße waten wie ein Kanalarbeiter in London oder eine Kugel im Kopf?«

Ich schluckte.

Im gleichen Moment begann ich zum ersten Mal, meine Meinung über das sogenannte schwache Geschlecht zu überdenken. Während ich noch zögerte und mich zierte wie eine Pussy, trat Linda vor, stieg in die Röhre und lief hinein.

»Ich weiß nicht, irgendwie gefällt mir das nicht«, sagte ich.

»Mach dir keine Sorgen«, erwiderte Linda, die inzwischen mindestens schon zehn Schritte tief in die Röhre vorgedrungen war. Ihre Stimme klang irgendwie blechern, so als würde sie in einen Eimer hineinsprechen.

»Die Brühe ist im Moment nicht einmal knöchelhoch und außerdem ist die Röhre beleuchtet. Du siehst also, wenn ein besonders dickes Ding auf dich zukommt, und kannst ausweichen.«

»Das ist irgendwie krank, ich hoffe, du bist dir darüber im Klaren?«, murrte ich voller Ekel.

Linda antwortete nicht, sondern stapfte weiter.

Ich brummte etwas, das ich aus Gründen des Anstandes lieber nicht wiederhole, und folgte ihr. Der Marsch durch den Abwasserkanal entpuppte sich, je weiter ich kam, in die wohl ekligste Angelegenheit, in die ich jemals geraten war.

Bereits nach zwanzig Yard wusste ich nicht, was schlimmer war. Der Gestank, der mir schier den Atem raubte, die toten Ratten oder diese Dinger, wenn Sie wissen, was ich meine, die bei jedem zweiten Schritt meine Füße umspülten.

Ich weiß es bis heute nicht, aber das ich dennoch weiterlief, zeigte mir wieder einmal auf, zu was der Mensch in Extremsituationen alles fähig ist.

Mechanisch stapfte ich hinter Linda drein, versuchte dabei alles auszublenden, was mich irgendwie wieder zum Umdrehen bewegen konnte, und konzentrierte mich nur noch auf das Laufen. Ich unterdrückte den aufsteigenden Brechreiz, schob Gedanken wie Ekel oder die Angst vor dem, was noch kommen würde, beiseite, senkte den Kopf und begann, wie eine Maschine einen Fuß vor den anderen zu setzen.

 

***

Linda hatte sich entweder total verschätzt oder wir kamen bei Weitem nicht so schnell voran, wie sie gedacht hatte. Nach gefühlten zwei Stunden, nach denen sie angenommen hatte, dass wir aus der Kanalisation heraus waren, war immer noch keine Treppe oder ein andersgearteter Ausstieg zu sehen.

Das einzig Gute bisher war, das wir tatsächlich unentdeckt geblieben waren. Nicht gerade berauschend, zudem hatte ich Hunger und bekam allmählich auch Durst, auch wenn es mir gelang, dieses Gefühl beim Waten durch die Scheiße immer wieder zu verdrängen. Aber ich wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis der Körper trotz allem sein Recht forderte.

»Da!«, rief Linda plötzlich und zeigte aufgeregt auf eine Metallleiter, die nach oben führte.

Na, das ist doch endlich einmal eine angenehme Überraschung, dachte ich noch, als Linda ihren Fuß auf die erste Sprosse der Leiter stellte.

Ein schriller Laut voll abgrundtiefer Bosheit ließ mich zusammenzucken.

Ich hob den Kopf und sah etwa einen Steinwurf voraus ein schattenhaftes Wesen, das unvermittelt aus der Dreckbrühe auftauchte, um sogleich darin wieder zu verschwinden. Ich wusste nicht, wer oder was das war, ich wusste nur eines: Dieses Etwas schien nur aus einem Maul mit nadelspitzen Zähnen zu bestehen und kam, wenn ich das Aufwirbeln der Brühe betrachtete, rasend schnell auf uns zu.

Fortsetzung folgt …

One Response to Jackson – Teil 25

  • Paule sagt:

    Prima – die Hälfte der versprochenen 50 Kapitel ist erreicht; und weiter geht´s mit spannender Mystery-Action. Danke schön C.C. Slaterman.

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