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Starke Frauen IV – Teil 1

Amelia Earhart: Ein Leben auf der Überholspur – Teil 1

Sie war Frauenrechtlerin, Flugpionierin und Pazifistin, nebenbei Ehefrau, Schriftstellerin und Schneiderin. Sie trug Hosenanzüge, die sie selbst entwarf, und gilt heute noch als die Erfinderin des berühmten Flieger-Overalls mit Reißverschluss.

Sie war hager, fast knochig und nicht unbedingt eine Schönheit, aber sie hatte die Willensstärke von zehn Männern und genoss ihr verrücktes Leben in vollen Zügen.

Obwohl ihr auf der Welt nur ein relativ kurzes Dasein gegönnt war – Amelia war noch keine vierzig, als sie mitsamt ihrem Flugzeug im Luftraum über der im Pazifik gelegenen Howlandinsel für immer von der Bühne des Lebens verschwand –, waren diese wenigen Jahre wie kaum bei einer anderen Frau von Rekorden, Sensationen und unfassbaren Geschichten geprägt.

1922 stellte sie mit 4267 Metern einen Höhenweltrekord im Frauenflug auf.

Dann flog sie sechs Jahre später als erste Frau über den Atlantik, wenn auch nur als Passagierin, aber das war damals dennoch eine Sensation. 1930 stellte sie mit dem Flugzeug mehrere Frauengeschwindigkeitsrekorde auf, schrieb nebenbei das sehr erfolgreiche Buch 20 Hours, 40 Min: Our Flight in the Friendship, wurde Vizepräsidentin einer Luftfahrtsgesellschaft und Funktionärin der National Aeronautic Association. 1932 folgte der erste Alleinflug einer Frau über den Atlantik, diesmal war sie die Pilotin, 1933 ein neuer Frauengeschwindigkeitsrekord im Transkontinentalflug. Bis 1937 folgten noch weitere Bestmarken, aber auch politische Aktivitäten, die aufhorchen ließen.

Als man sie einmal fragte, warum sie ein solches Leben führte, antwortete sie:

»Ich möchte Ihnen zu bedenken geben, dass ich mir über die Gefahren durchaus im Klaren bin. Ich will es tun, weil ich es tun will. Frauen müssen Dinge genauso versuchen, wie Männer es getan haben. Wenn sie versagen, darf ihr Versagen nichts anderes sein als eine Herausforderung für andere.«

 

Amelia Mary Earhart kam am 24. Juli 1897 in Atchinson, Kansas, zur Welt.

Während der Zeitpunkt ihrer Geburt genau dokumentiert ist, sieht die Sache mit ihrem Tod allerdings etwas anders aus.

Sie galt ab dem 2. Juli 1937 als verschollen, ihr Verschwinden jährt sich also in diesem Jahr zum 77. Mal. Am 5. Januar 1939 wurde sie dann endgültig für tot erklärt, aber davon an anderer Stelle mehr.

Sie war die Tochter des deutsch-amerikanischen Juristen Samuel »Edwin« Stanton Earhart (1868-1930) und seiner Frau Amelia, Amy, Otis (1869-1962).

Amelia hatte eine jüngere Schwester, Grace Muriel Earhart (1899-1998).

Den größten Teil ihrer Kindheit verbrachten die beiden Mädchen bei den Großeltern, da ihr Vater alkoholkrank war. Schon in dieser Zeit gestaltete sich das Leben von Amelia gänzlich anders, als man es zu jener Zeit bei einem Mädchen erwartete. Sie spielte nicht mit Puppen, zeigte kein Interesse für Kochen oder Putzen und verschmähte Kleider. Sie trug viel lieber Hosen, in denen sie wie ein knochiger Bauernbursche wirkte, kletterte auf Bäume, schlug frechen Jungs auf die Nase und jagte mit dem Gewehr Ratten. Ihre Trefferquote soll beachtlich gewesen sein. Später dann begann sie mit dem Sammeln von Reportagen und Zeitungsartikeln von Frauen in Männerberufen.

1915 schloss sie die Highschool mit Auszeichnung ab, arbeitete als Militärkrankenschwester in Toronto und danach als Sozialarbeiterin in Boston. 1919 studierte sie an der Columbia Universität von New York Medizin, brach das Studium aber nach einem Jahr wieder ab, angeblich weil die Professoren andeuteten, dass sie zu faul war.

Sie kehrte zu ihren Eltern zurück, die jetzt in Los Angeles lebten, und kam dort 1920 in den Genuss, zum ersten Mal in einem Flugzeug mitzufliegen.

Von da an hatte sie nur noch ein Ziel vor Augen: Selber fliegen.

 

Der Erwerb einer Fluglizenz für Privatpiloten kostete damals 300 Dollar, eine Lizenz als Berufspilot knapp 4 000 Dollar. Eine Menge Geld, wenn man bedenkt, dass der damalige Tagesdurchschnittslohn bei 2,50 bis 4,50 Dollar lag, je nachdem, als was man arbeitete. Kein Wunder also, dass die Eltern ihren Wunsch ablehnten. Es lag aber auch daran, dass sie aufgrund der Trunksucht von Amelias Vater finanziell nicht auf Rosen gebettet waren.

Jeder andere hätte aufgegeben, aber nicht so Amelia.

Sie arbeitete in 28 verschiedenen Jobs, soviel zum Thema Faulheit, nahm 1921 ihre erste Flugstunde und kaufte sich sechs Monate später mit ihrem gesparten und etwas geliehenem Geld ihr erstes Flugzeug, mit dem kurz darauf einen Höhenweltrekord für Frauen aufstellte.

Als sich ihre Eltern 1924 scheiden ließen, zog sie mit ihrer Mutter nach Boston an die Ostküste zurück, verkaufte ihr zuliebe das Flugzeug und erwarb stattdessen einen Sportwagen, mit dem sie aber genauso rasant unterwegs war.

In Boston arbeitete sie zuerst als Lehrerin, dann wieder als Sozialarbeiterin.

Richtig berühmt und sogar international bekannt wurde sie dann 1928, als sie am 17. und 18. Juni in einem fast 20-stündigen Flug als erste Frau der Welt in einem Flugzeug den Atlantik überquerte. Sehr zu ihrem Ärger aber nur als Passagierin, was damals aber dennoch eine Sensation war, wie man an der Tatsache erkennt, dass sie posthum zur nationalen Heldin ernannt wurde, zur Frau des Jahres gewählt und mehr Beachtung bekam als Wilmer Stultz, der eigentliche Pilot des Fluges.

Amelia Earhart wurde binnen kürzester Zeit zu einem Idol der jungen Frauen Amerikas.

Sie wurde ständig zu Interviews und Vorträgen eingeladen, die sie nutzte, um, wie sie sagte, die Frauen aus dem Käfig ihres Geschlechts herauszuholen, aber auch um aufzuzeigen, dass Frauen den Hinweis auf ihr Geschlecht schon viel zu lange als Ausflucht nutzten.

1929 nahm sie am Cleveland Women’s Air Derby teil, einem Überlandluftwettbewerb nur für weibliche Pilotinnen, bei dem sie auf Anhieb den dritten Platz belegte.

Finanziell und moralisch wurde sie dabei von dem New Yorker Verleger George Palmer Putnam unterstützt. Allerdings galt Cleveland damals noch als Provinz und dementsprechend waren die Reaktionen der Bevölkerung und vor allem die der Presse, die das Ganze als sogenanntes Puderquastenrennen ins Lächerliche zogen.

Aber Amelia wäre nicht Amelia gewesen, wenn sie sich davon, wie viele der anderen Pilotinnen, hätte ins Bockshorn jagen lassen.

Mit vier gleichgesinnten Frauen gründete sie daraufhin im Herbst desselben Jahres die Ninety Nines, eine Vereinigung, die das Ziel hatte, die Stellung der Frau in der Luftfahrt zu stärken.

Inzwischen sah sich George Palmer Putnam mehr als nur als Amelias Mentor, er verehrte sie und bat sie immer wieder, seine Frau zu werden.

1931 nahm Amelia endlich einen dieser Anträge an, es war der sechste. Sie heiratete ihn am 7. Februar, widerstrebend, wie sie immer betonte, da sie befürchtete, dass eine Ehe automatisch Kinder nach sich zog und diese sie bei ihrer Fliegerei einschränken konnten.

»Es dauert einfach zu lange, ein Baby zu machen und es großzuziehen«, sagte sie und vereinbarte mit ihrem Mann deshalb eine offene Ehe. Vorher legte sie ihm einen Ehevertrag vor, was für damalige Verhältnisse eine mittlere Sensation war.

An dieser Stelle beenden wir nun unseren Artikel, weil eine weitere Beschreibung ihres faszinierenden Lebens einfach den Umfang dieser kleinen Kolumne sprengen würde.

Aber keine Angst, wer mehr über sie und vor allem von dem Mysterium ihres Verschwindens und der nachfolgenden Legendenbildung lesen will, findet schon in den nächsten Tagen hier an dieser Stelle Weiteres aus dem Leben der Amelia Earhart.

Quellenhinweise:

(slaterman)