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Wer den Schaden hat …

Wer den Schaden hat …

Weltbild ist insolvent, Hugendubel schließt 2016 auch das »Flaggschiff« in München, um Thalia kursieren Verkaufsgerüchte … Wohin wird das alles noch führen?

Als von der Insolvenz direkt Betroffene mache ich mir über die Zukunft des Buchhandels natürlich so meine Gedanken, denn wenn der schlimmste Fall für mich eintreten würde, sähe ich beruflich zunächst keine Alternative hier in meiner Umgebung. Außer den drei großen Ketten gibt es nämlich in unserer Universitätsstadt kaum noch nennenswerte Mitbewerber innerhalb der Buchbranche. Aber so weit ist es noch nicht und deshalb versuche ich, erst einmal positiv zu denken und dennoch die eventuell auf mich zukommenden Probleme nicht zu verdrängen.

Wie konnte es denn nun so weit kommen, dass ein Unternehmen wie Weltbild Insolvenz anmelden muss? Dazu könnte ich nun genau so spekulieren, wie es einige Damen und Herren in ihren Kommentaren zu den entsprechenden Nachrichten im Internet ­– u.a. auf www.boersenblatt.net oder www.buchreport.de – tun. Da scheinen sich nämlich die ganz großen Kenner der Szene versammelt zu haben, die schon lange ganz genau wussten, dass es nur so und nicht anders kommen konnte. Seit vielen Jahren lese ich nun diese Seiten und dieses Verhalten ist mir schon sehr oft aufgefallen!

Nun werden speziell die Mitarbeiter der Weltbild-Filialen niedergemacht, man fordert plötzlich nur noch gelernte Buchhändler. Als hätten diese die Buchweisheit mit Löffeln gefressen!
Und auch der Weltbildkunde kommt nicht besonders gut bei weg. Zitat: »Die sind dickbäuchig, ungepflegt, schlecht gekleidet, oft mit ausländischen Wurzeln, etc.« (Quelle: www.boersenblatt.net)

Ich spekuliere an dieser Stelle nicht, wundere mich aber immer wieder über die hämischen Kommentare und frage mich, woher diese rühren.
Gewiss ist es so, dass man in einer Weltbildfiliale keine umfassende Fachbuchberatung bekommt. Der Grund ist ganz einfach: In den Filialen werden keine Fachbücher angeboten! Woher also soll sich ein Mitarbeiter mit diversen Fachthemen umfassend auskennen? Doch seien wir mal ehrlich, dies als Mangel darzustellen, zeugt doch wiederum nur von der Unkenntnis der fraglichen Käufer, oder ist eine Weltbildfiliale wirklich derart unüberschaubar, dass man nicht erkennen kann, dass weder medizinische noch juristische oder sonstige Fachbücher angeboten werden? Ich denke nicht!

Tja, was unterscheidet einen Buchhändler denn nun von einem langjährigen Buchverkäufer, dass man nun danach schreit, Buchhändler in die Filialen zu holen?1 Lesen Buchhändler anders oder mehr als andere Menschen? Haben sie das in ihrer Ausbildung gelernt? Ich weiß es nicht, da ich diese Ausbildung nicht durchlaufen habe, aber nach 20 Jahren im Buchhandel bilde ich mir ein, einen sehr guten Überblick über die Angebote der Buchbranche zu haben und kann diesen auch täglich in Beratungsgesprächen nutzen. Oder warum sonst halten mir seit vielen Jahren viele Kunden die Treue? Bestimmt nicht, weil ich nicht auf ihre Fragen und Wünsche bei der Buchauswahl eingehe. Nun ist Beratung und Verkauf ja nicht alles. Erfolgreicher Verkauf setzt eine gute Präsentation der Ware voraus. Tja, und da amüsiert man sich ebenfalls köstlich, weil neben den Büchern »… dieser Schwachsinn mit dem billigen Haushaltskram und abscheulicher Dekoware« (Quelle: www.boersenblatt.net) angeboten wird. Okay, mir persönlich gefällt da auch nur ein Bruchteil von, das ist Geschmackssache, nur wie kommt es dann wohl, dass dieser Kram in vielen Haushalten zu finden ist? Woher kommen die großteils guten Bewertungen auf www.weltbild.de? Bestimmt nicht daher, dass der Kram nur billig und abscheulich ist, oder?

Tja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Da finden sich immer ganz schnell diverse »Kenner«, die dafür ausreichend sorgen. Ob diese wissen, dass sie sich mit ihren Bemerkungen teilweise lächerlich machen? Vielleicht noch nicht mal immer vom Inhalt ihrer Kommentare her, aber vom Ton ganz sicher! Ich kenne nur wenige Filialen und dort kaufe ich auch immer gern ein. Zum einen gibt es immer ein überschaubares aber dafür sehr aktuelles Warenangebot, zum anderen kann ich bestellen, was nicht vorrätig ist, und kaufe dies dann erst, wenn ich es vor Ort begutachtet habe. Was nicht gefällt, muss ich auch nicht nehmen, so einfach ist das, und ich habe keinen Stress mit einer Rücksendung. Ob diese selbst ernannten Kritiker das auch mal von dieser Seite aus betrachtet haben, bezweifle ich beinahe.

Ich weiß, dass meine Gedanken hier recht einseitig sind, eben weil ich direkt von der Insolvenz betroffen bin. Aber ich weiß auch, dass mich Unsachlichkeit mehr ärgert als die Wahrheit dahinter. Und deshalb kann ich mit der Häme, die jedem Mitarbeiter derzeit in Form einiger gedanklicher Ergüsse entgegengebracht wird, nichts anfangen. Sie ärgert mich einfach nur und ich hoffe, dass diese »Kritiker«, die sich hinter Pseudonymen oder Nicknames verstecken, am Ende einsehen müssen, dass doch nicht alles so schlecht war, wie sie es heute gern darstellen!

(ab)

Show 1 footnote

  1. In den Kommentaren geht es in erster Linie um die Tätigkeit im Verkauf und in der Beratung. Dass die Ausbildung zum Buchhändler umfassender ist, versteht sich von selbst. Doch hier beschränke ich mich ebenfalls auf diese Bereiche.