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Kobrin – Die schwarzen Türme

Kobrin – Die schwarzen Türme

Tief im Herzen von Talan, in Argorn, gibt es die kleine Stadt Immerblau. Dort wächst Kobrin zunächst in einer recht normalen Familie auf, doch als sie das Teenageralter erreicht, entwickelt sie noch immer kein Gespür für die Magie, wie es bei anderen Elfen normal wäre. Stattdessen spricht die Zeitung eines Tages von Waldbränden und bricht mit der Utopie, die die Waldkönigin eigentlich aufrechterhalten sollte.

Andernorts bricht der Mensch Daidalor zu einer geheimen Mission auf, um in den Bergen von Umbra zu ergründen, ob der Feind weiterhin im Exil gefangen ist, denn die Gerüchte werden immer mehr. Da er Meister der Tarnung genannt wird, beschließt er den Feind auf eigene Faust zu infiltrieren. Doch Daidalors Eitelkeit könnte ihm zu Verhängnis werden.

In dieser Geschichte Kobrin – Die schwarzen Türme von Caroline G. Brinkmann spielt Magie zwar eine große Rolle. Doch letztendlich verhalten sie sich alle menschlich und leiden an den gleichen Fehlern, die jeden von ihnen einzigartig machen. Ob Elfen, Wolfsmenschen, Schlangenwesen, Menschen des Westens, Tiranen – sie alle haben eine zweite Identität, die sie mit der ersten zu verschleiern versuchen. Und selbst obwohl die Heldin ihre wahre Identität noch nicht ganz gefunden hat, beginnt Caroline G. Brinkmann mit dem ersten Teil der Serie »Herren des Waldes« ein episches Werk, das eine ausgefeilte Heldenreise mit psychologischen Elementen und klassischer Fantasy zu verknüpfen vermag.


Das Buch

Caroline G. Brinkmann
Kobrin – Die schwarzen Türme
Fantasy, Dark Edition, Paperback mit Klappbroschur, Papierverzierer Verlag, Essen, März 2014, 432 Seiten, ISBN 9783944544557, 14,95 Euro, Umschlaggestaltung: Timo Kümmel
Kurzinhalt:
Kobrin hat keinen Zugang zur Magie, wie andere Elfen in ihrem Alter, denn sie kann sie weder sehen noch lenken. Als ihre Heimat Argorn, das friedliche Lichtbaumreich, von einem unbekannten Feind angegriffen wird, muss ausgerechnet sie den Gegenstand behüten, der ihre Welt retten soll. Zur gleichen Zeit infiltriert der Mensch Daidalor das Heer des Feindes. Seine Mission führt ihn nach Argorn, wo die Schatten unheilvolle Türme errichten und mit dunkler Magie experimentieren. Um sie aufzuhalten, muss er mehr als nur sein Leben riskieren.


Die Autorin

Caroline G. Brinkmann studiert Medizin und widmet sich gleichzeitig dem Schreiben. Bei einem Waldspaziergang vor vielen Jahren entstand das fantastische Lichtbaumreich Argorn und verschwand seitdem nicht mehr aus ihrem Kopf. Während ihres Studiums reiste sie erneut nach Argorn und es entstand der Fantasyroman Kobrin, der erste Teil der Sage um die »Herren des Waldes«. Seitdem gehört das Schreiben zu einem festen Bestandteil in ihrem Leben.
Caroline Brinkmann ist Mitbegründerin des Tintenfeder-Autorenportals, das junge Autoren über die Verlagsbranche aufklärt. Wenn sie nicht gerade mit Studieren oder Schreiben beschäftigt ist, macht sie die Nachbarn durch lautes Singen unter der Dusche oder ausufernden Spielabende auf sich aufmerksam. Man trifft sie regelmäßig auf Buchmessen an und überall dort, wo es Kaffee gibt. Im März 2014 veröffentlichte sie im Papierverzierer Verlag den Roman Kobrin – Die schwarzen Türme.

Weitere Informationen über die Autorin unter carolinegbrinkmann.weebly.com.


Leseprobe

KOBRIN

Der Wind fegte durch die Baumkronen und trug einen ungewohnten Geruch heran. Kobrin atmete tief ein, filterte die Luft nach Hinweisen. Es gelang ihr nicht, den Geruch einzuordnen. Er kam gewiss nicht aus der Gegend. Er war fremd und unnatürlich. Kobrins Wurzeln tasteten sich durch die Erde. Sie schmeckte faulig. Die Würmer und Käfer darin wirkten nervös. Kobrin fragte sie nach dem Grund für ihre Unruhe. Von Norden her käme der Tod, flüsterten sie.

Die anderen Bäume erwachten aus ihrem Schlaf. Auch sie waren beunruhigt und flüsterten, wisperten ohne Unterlass. Kobrin hörte, wie sie miteinander sprachen. Etwas Unbekanntes nähere sich und sie mochten das Unbekannte nicht.

***

»Aufstehen!«

Kobrin schrak hoch. Sie starrte auf ihre Hände, die wenige Augenblicke zuvor noch Zweige gewesen waren. Zweige! Was für ein seltsamer Traum. Sie war ein Baum gewesen, so alt und beständig – ein Riese, der über allen thronte. Sie versuchte sich an den Geruch der Luft zu erinnern, doch er war verflogen. Der Schlafanzug war durchnässt und klebte wie eine zweite Haut an ihr.

»Steh auf!«, trällerte es ein weiteres Mal. Die Stimme gehörte zu Kobrins viel zu gut gelaunter Tante. Schritte flogen die Treppe herauf und Sekunden später wurde die Tür aufgerissen.

»Ja, schon gut.«

Mandalena ließ sich nicht beirren und zog summend die Vorhänge auf. Kobrin stöhnte und vergrub den Kopf unter ihrem Kissen, um das helle Licht nicht ertragen zu müssen.

»Es ist Markttag. Also beeil dich!«, verkündete Mandalena, die trotz der Uhrzeit voller Energie war. »Mittags ist es immer so voll auf dem Marktplatz.«

»Ich steh ja schon auf.«

»Wirklich?« Mandalena beugte sich über ihre Nichte und zupfte an der Decke, als ob sie diese im nächsten Moment wegziehen wollte.

Kobrin wehrte sich, knurrte und erntete dafür einen Kuss auf die Stirn. »Lass das!«, beschwerte sie sich mit gespielter Empörung und wischte sich über die Stirn. Es folgte ein weiterer Kuss mitten auf die Nase. »Ich bin schon vierzehn. Ich will das nicht mehr.«

Damit verscheuchte Kobrin ihre Tante, die an Gutherzigkeit wohl nicht zu überbieten war, aus dem Zimmer. Dann schlurfte sie ins Badezimmer, um sich fertig zu machen. Sie entschied sich für eine leichte Hose und eine Tunika. Auf dem Hemd prangten direkt über dem Herzen drei silberne, ineinander verschlungene Bäume auf einer wellenförmigen Linie. Das Emblem von Immerblau, der Stadt der Flusselfen. Jede Elfe trug dieses Zeichen voller Stolz und Liebe zur Heimat.

In einem Glasschälchen über dem Waschbecken lagen grüne Bällchen –Zahnpflegekraut Densa stand auf dem Etikett – und Kobrin schob sich eines in den Mund. Gerade kaute sie darauf herum, als sie im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, gefolgt von einem lang gezogenen Quaken. Sie fuhr herum und starrte in ein Paar gelbe Augen. Auf der Fensterbank saß ein Frosch. Vor Schreck schluckte Kobrin das Densakraut herunter, anstatt es wie gewohnt auszuspucken. Die würzige frische Paste rutschte ihre Speiseröhre hinunter und löste einen Hustenkrampf aus.

»Wessel!«, keuchte sie und schnappte nach Luft.

»Bist du fertig?«, rief Mandalena von unten.

»Ja, gleich«, antwortete Kobrin. Ihr Hals brannte und sie konnte die minzige Note des Densakrautes selbst in der Nase spüren. Sie schnappte sich den Frosch, trug ihn zurück in ihr Zimmer und setzte ihn in das Terrarium auf ihrem Schreibtisch. Frösche waren die einzigen Haustiere, die ihre Tante billigte – zumindest solange sie sich im Terrarium befanden. Eine Regel, die vor allem Kobrins neu zugelaufenem Frosch Wessel schwerfiel. Diese Amphibie schaffte es beinahe täglich, sich zu befreien.

»Wenn du so weitermachst, bekommen wir noch Ärger«, schimpfte die Elfe. Wie immer, wenn sie ihn ansah, überkam sie ein seltsames Gefühl, denn Wessel schien anders zu sein als seine Artgenossen. Und das lag nicht nur an den gelben Flecken auf seinem Rücken. Er hatte auch nicht diese gleichgültigen, trägen Augen einer Amphibie. Da war etwas, ein Flimmern, das Kobrin ein paar Tage zuvor bewegt hatte, den Frosch mit nach Hause zu nehmen.

Sie griff nach einer Dose Zauberfliegen, die sie an die Frösche verfüttern wollte.

»Habt ihr Hunger?« Sie öffnete die Dose und nahm einige runde Eier heraus. Kaum landeten sie im Terrarium, brachen sie auf und Fliegen schlüpften aus ihnen hervor. »Lasst es euch schmecken!«

»Du weißt, dass ich es nicht ausstehen kann, zu spät zum Markt zu kommen«, rief Mandalena von unten herauf. »Die besten Sachen sind dann schon längst weg!«

»Ja, Tante Mandalena«, entgegnete Kobrin automatisch. Sie schlüpfte in ihre Stiefel und eilte die Treppe hinunter. Der Blick ihrer Tante fiel auf Kobrins Haare und ihre Lippen kräuselten sich, wie sie es sonst taten, wenn ihr etwas missfiel.

»Kämm deine Haare oder flechte sie dir zu einem Zopf. So sehen sie schrecklich aus.«

»Tun sie gar nicht«, antwortete Kobrin.

»Ein Zopf steht dir aber viel besser.«

Die junge Elfe stöhnte entnervt. Sie wusste, in welche Richtung eine Diskussion wie diese führte. Daher gab sie meistens nach, denn sie konnte es nicht ausstehen, sich zu streiten, besonders nicht mit Mandalena. Dafür hatte sie ihre Tante viel zu gern. Ihre Tante war für sie wie eine Mutter.

Über ihre leiblichen Eltern sprachen sie kaum. Kobrins Mutter, Mandalenas Schwester, war kurz nach der Geburt gestorben. Das Baby hatte falsch herum gelegen und eine Hebamme entschied, Magie einzusetzen, um das Kind per Telekinese zu drehen. Aus irgendeinem Grund funktionierte der Zauber nicht wie geplant und das Leben des Kindes forderte einen schlimmen Preis. Die Mutter verstarb an inneren Blutungen, während Kobrin überlebte. Auch wenn Mandalena es nie ausgesprochen hatte: Sie machte die Hebamme und die Magie für den Tod ihrer Schwester verantwortlich. Kobrins Vater war schon vor ihrer Geburt durch das Gift einer Schlange gestorben. Es hatte also immer nur Mandalena gegeben.

»Wollen wir jetzt los?«, fragte sie, um von dem leidigen Thema ihrer Haare abzulenken.

»Iss schnell noch eine Kleinigkeit. Du musst etwas im Bauch haben«, seufzte Mandalena. »Und beeil dich, meine Kleine.«

Kobrin warf einen prüfenden Blick auf ihr Spiegelbild an der Wand. Das Gegenüber lächelte ihr müde entgegen. Unter dunklen, markanten Augenbrauen blitze das Grasgrün ihrer Augen auf und dichtes rotes Haar fiel ihr in Locken über Stirn und Schultern. Kobrin kämpfte schließlich die widerspenstigen Haarsträhnen mit einem Kamm glatt und dabei achtete sie darauf, ihre Ohren zu verstecken, die keineswegs so spitz wie bei den anderen Elfen in ihrem Alter waren.

»Deine Ohren werden schon noch wachsen«, beruhigte Mandalena sie oft. »Du bist halt etwas Besonderes.«

Es war schwer etwas Besonderes zu sein, fand Kobrin und dachte an die blöden Sprüche der Fichtensteingeschwister, die sie wegen ihrer Ohren schon hatte ertragen müssen.

Veröffentlichung der Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Quelle:

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