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Der kleine Mann aus den Bergen

Der kleine Mann aus den Bergen

Die beiden Prospektoren Frank Carr und Cecil Main machten im Oktober 1932 in den Pedro Mountains, Wyoming eine unglaubliche Entdeckung. Aus sicherer Entfernung beobachteten sie die Detonation ihrer mit Dynamit durchgeführten Sprengung in ihrem Minenschacht. Als sich die Staubwolke verzogen hatte, staunten sie nicht schlecht. Statt des erhofften Goldes fanden sie in einer Felsnische ein verschrumpeltes Ding. Eine Mumie von kaum 40 cm Größe, mit verschränkten Armen und Beinen. Zum Glück brachten sie ihren merkwürdigen Fund in die 60 Meilen entfernte Stadt Casper, wo sie bestaunt und von ersten Wissenschaftlern untersucht wurde. Vorerst hielt man die Überreste für einen Pygmäen oder einen Vorläufer der nordamerikanischen Indianer, der ein zeremonielles Begräbnis erhalten hatte.

Im Casper College Western History Center soll es eine Erklärung über den Fundort geben, und dass sich sonst nichts darin befunden hatte, datiert mit 13. November 1936, unterzeichnet von Cecil Main, einem der Entdecker. Angeblich ist das Dokument 1943 beeidet worden.

Pedro, wie die Mumie nach dem Fundort benannt wurde, war jahrelang Ausstellungsobjekt auf zahlreichen Kuriositätenausstellungen. Manche Quellen behaupten, dass die Mumie einige Zeit im Field Museum in Chicago, Illinois ausgestellt worden war. Möglicherweise war sie für kurze Zeit eine Leihgabe oder zu wissenschaftlichen Zwecken dort, denn als Exponat wurde sie in keiner Liste verzeichnet.

Ivan T. Goodman aus Casper erwarb die Mumie und brachte sie zu wissenschaftlichen Untersuchungen nach New York. Dort fertigte Dr. Harry Shapiro vom American Museum of Natural History Röntgenaufnahmen an, weitere Untersuchungen wurden an der anthropologischen Fakultät der Harvard Universität gemacht. Alle Ergebnisse bestätigten, dass es sich bei der Mumie um die sterblichen Überreste eines zwergenhaften menschlichen Wesens handelte. Ob mit einem oder mehreren Zähnen ist je nach Quelle unterschiedlich. Herkunft und Abstammung jedoch ungewiss. Die erkennbaren Abnutzungserscheinungen entsprachen den eines etwa 65-jährigen Menschen normaler Größe.

In vielen Gegenden Nordamerikas gibt es indianische Mythen über kleine Leute, die in ferner Vergangenheit lebten. Bei einigen Indianerstämmen gehören die »little people« zu ihren Beschützern aus der geistigen Welt.

Goodman brachte 1950 seinen Besitz für weitere Untersuchungen nach New York zu einem Mann, der in drei Zeitungsartikeln Leonard Wadler genannt wird. Kurze Zeit darauf erkrankte Goodman und starb. Die Mumie kam weder in den Besitz der Familie zurück noch wurde sie jemals wieder gesehen.

Das öffentliche Interesse an dem mysteriösen Fund erlosch niemals ganz. Dr. Georg Gill, Professor für Anthropologie an der Universität Wyoming, der sich Dr. Shapiros Röntgenaufnahmen ansah, hatte eine höchst spekulative Erklärung. Er mutmaßte, es seien die Überreste eines Kindes, das an Anenzephalie gelitten habe. Einer Abnormität, bei der die Schädeldecke nicht geschlossen ist. Nach der Geburt beträgt die Lebenszeit einige Stunden bis wenige Tage. Er vertrat weiters die Ansicht, dass Indianer mehrere solcher Mumien gefunden hatten und deshalb die Mythen über die »kleinen Leute« entstanden sind, die vor langer Zeit in Nordamerika gelebt haben sollen.

Gills These widersprechen Zahn/Zähne der Mumie. Ferner gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass diese Erkrankung bei nordamerikanischen Völkern verbreitet gewesen sein soll. Darüber hinaus ist diese Bestattung keine übliche Form der dort ansässigen Indianervölker.

Bedauerlicherweise wurden damals weder geologische noch archäologische Untersuchungen der Fundstelle in den Pedro Mountains gemacht. Mumifizierte Überreste sind in Wyoming nichts Außergewöhnliches, da sehr trockenes Klima herrscht, doch Pedros Mini-Mumie ist die einzig dokumentierte in dieser Form. Pedro ist mit seinen 35 cm weitaus kleiner, als Pygmäen, die uns bekannt sind. Bisher fehlen Vergleichsfunde, um ein Existieren einer so kleinen Pygmäengattung zu bestätigen.

Als in den 1990er Jahren ein amerikanischer TV-Sender eine Serie über mysteriöse Funde ausstrahlte, wurde angeblich eine weitere Mumie von einem Rancher aus Wyoming abgegeben. Mehr ist darüber leider nicht bekannt. Eine andere angebliche Mumie erwies sich als ein Baby der Neuzeit mit angeborener Anenzephalie.

Solange die Mumie nicht auftaucht um weitere Untersuchungen nach heutigen Kenntnissen und mit neuesten Methoden vorzunehmen, werden wir nichts Genaues über den kleinen Mann aus den Bergen erfahren. Seine Herkunft, sein Leben und sein Tod werden weiterhin ein Rätsel bleiben.

Quellen:

(ah)

2 Antworten auf Der kleine Mann aus den Bergen