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Krampus

Brom
Krampus
Originaltitel: Krampus – the Yul Lord (2012)

Fantasy, Hardcover mit Schutzumschlag, Knaur Verlag, München, September 2013, 488 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 9783426653340, Übersetzung: Jakob Schmidt, Titelbild und Zeichnungen: Brom
www.droemer-knaur.de

Brom wurde 1965 in Albany, Georgia geboren. Sein Vater war Pilot bei der U.S. Army. Aus diesem Grund zog Brom oft um und verbrachte einen Teil seiner Jugend in Japan und Deutschland, wo er auch zur Schule ging. Im Alter von 21 Jahren arbeitete er als Zeichner für Coca-Cola und IBM. Mit der Zeit begann er sich für die Phantastik zu interessieren und begann Rollen- und Computerspielen ein Gesicht zu geben. So entstanden für Dungeons & Dragons und Magic: The Gatherin sowie andere Fantasywelten phantastische Bilder. Von Brom wurde in Deutschland Kinderdieb veröffentlicht. Er lebt mit seiner Frau Laurielee und seinen Kindern in Seattle. Dem Leser fällt natürlich sofort das Titelbild auf, das Krampus, den Herrn des Jul-Festes darstellt. Ziemlich düster gehalten geht das Titelbild als Schutzumschlag weiter und zeigt auf der Rückseite einen etwas ganz anderen Nikolaus. Dieser blickt, wie bereits Krampus, nicht gerade freundlich. Hinzu kommen weitere Farbbilder im Mittelteil des Buches sowie eingestreut in den Text einige Zeichnungen, die die Handlung etwas bildlicher macht.

Der 26-jährige Jesse Burwell Walker ist ein mittelloser Musiker, ein typischer Verlierer, der dem Alkohol zugeneigt ist. Er haust allein in einem Bungalow, weil seine Frau Linda mit der gemeinsamen Tochter Abigail ausgezogen ist. Damit ist für ihn endgültig klar geworden, seine Ehe steht vor dem Aus. Eigentlich schon seit zweiJahren. Seine Frau und Abigail leben inzwischen bei Lindas neuem Freund, einem korrupten Polizisten. Dort feiert man gemeinsam Weihnachten und er ist er nicht in der Lage für Abigail das Spielzeug zu kaufen, dass sie sich wünscht. Jesse wird sie also wiedermal enttäuschen. Wie so oft, und wie er auch sich selbst ständig enttäuscht, da er sich nicht traut, seine eigenen Lieder zu singen. Daher verdingt er sich damit, bekannte Lieder in dunklen Kneipen zu singen. Geld hat er nur dann, wenn er für die Gangster arbeitet und seltsame Aufträge erledigt. Aber das Geld reicht gerade mal zum Leben und nicht unbedingt für Geschenke.
Jesse beobachtet am Heiligabend, wie ein fliegender Schlitten und ein Mann, der große Ähnlichkeit mit dem Nikolaus besitzt, von finsteren Gestalten angegriffen werden. Der Musiker ist natürlich etwas verwirrt und man könnte es seinem Alkoholkonsum zuschreiben, derartige Phantasien zu haben. Die Phantasie wird aber schnell Wirklichkeit, weil aus dem Schlitten etwas herunterfällt, das Dach durchschlägt und mit einem dicken Rumms auf seinem Bett landet. Jesse wundert sich schon, wie der unscheinbare Sack so plötzlich auf seinem Bett zum Liegen kommt. Wenn er den Gedanken an den Nikolaus folgt, den er angeblich gesehen hat. Er begutachtet den Sack und stellt schnell fest, dass dieser Sack sämtliches
Spielzeug, das man sich wünscht hervor zaubern kann. Jesses Herz schlägt höher, denn nun ist Abigails Weihnachten gerettet und er kann ihr das gewünschte Weihnachtsgeschenk übergeben.
Wie das aber so mit verlorenen Dingen ist, irgendwer will sie immer zurück und andere zwielichtige Gestalten wollen dies ebenfalls in ihre Gewalt bringen. Ohne den Sack ist der Nikolaus aufgeschmissen. Dabei geht er nicht gerade zimperlich mit den Leuten um, die ihm im Weg stehen.
Seit einer Ewigkeit sitzt Krampus, der gefeierte Herr des heidnischen Julfestes in seinem Exil in einer Höhle fest. Einem fiesen Trick des Nikolaus zum Opfer gefallen ist er seine Freiheit und das Julfest los. Er schwört dem Weißhaarigen Rache, sollte er aus seinem Gefängnis entkommen und würde das Weihnachtsfest wieder zu dem machen, was es mal war. Und kann nur durch den Sack befreit werden. Jesse gerät an Krampus und seine finsteren Diener und wird Teil eines gefährlichen Kampfes. Denn Krampus ist voller Hass gegen den Nikolaus, der ihn vor Jahrhunderten eingesperrt und seiner Julzeit beraubt hatte. Sein Fest will er zurück, um wieder als der Herr des Julfestes angebetet zu werden. So einfach und egoistisch ist die Geschichte. Jetzt scheint er die Möglichkeit zu erhalten, aus seinem Gefängnis auszubrechen. Dazu benötigt er nur den Sack, der sich in den Händen von Jesse befindet.
Ab sofort bricht eine Hetzjagd auf das Teil der Begierde aus. Krampus Diener, Belznickel genannt, waren alle normale Menschen, stammen aus verschiedenen Zeiten und sind durch Krampus Blut an ihn gebunden. Sie sind es, die in seinem Namen hinter dem Sack her sind und Jesse viele Unannehmlichkeiten bereiten.

Das Buch ist einzigartig und vermittelt ein seltsames Gefühl, Monate vor Weihnachten über das Fest zu lesen. Bedenkt man aber, dass bereits seit Ende August Marzipankartoffeln, Spekulatius, Lebkuchen und anderes Weihnachtsgebäck in den Läden liegen, ist das auch wieder nicht so verkehrt. Im Buch geht es um Jesse, der seine Frau und Tochter für sich zurückgewinnen will. Es geht aber auch um Krampus, der sein Julfest wieder zurückhaben will. Die beiden »Helden« der Geschichte, Krampus wie auch Jesse, waren mir durchaus sympathisch. Beide sind in ihren Eigenschaften gut durchdacht, wollen keine Gewalt, wenden sie aber an, wenn es sein muss.
Der Schreibstil ist detailliert und Brom scheut sich nicht, Gräuel in allen Einzelheiten zu beschreiben. Ein gruseliges Märchen für Erwachsene und Kinder ab etwa 13 Jahre. Krampus ist brutal und blutig, aber weniger blutig als der Kinderdieb. Die Erzählung hat aber auch ihre Nachteile. Am Ende des Romans hat man das Gefühl, ein Buch gelesen zu haben, in dem zwar etwas passiert, eine gute Idee umgesetzt wurde, aber nur eine flache Erzählung vor sich zu haben, der der große Spannungsbogen fehlt. Kleinere Spannungsbögen sind vorhanden und lassen die Leser bei dieser phantastischen Geschichte dabei bleiben.

(es)