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Geisterjäger John Sinclair: Highway zur Leser-Hölle

John Sinclair Band 1839: Besuch aus der Hölle (2. Teil)

Autor: Jason Dark
Bastei-Verlag
Erscheinungsdatum: 08.10.2013
Preis: 1,70 €

Ich hatte es bereits in der letzten Ausgabe der Sinclair-Kolumne angedeutet: Eigentlich hätte für die 08/15-Geschichte, die dem Leser in Der Begleiter vorgelegt wurde, ein Einzelroman vollends gereicht. Aber nein, aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen erhielt ausgerechnet dieser Roman einen zweiten Teil.
Und der hat es in sich – leider jedoch nicht aus qualitativer Sicht. Lief Band 1838 schon nicht allzu sehr in logisch geordneten Bahnen, so geht die Logik in diesem Roman im wahrsten Sinne des Wortes zum Teufel. Und das auch gleich mit einem von Jason Darks Lieblingsthemen: dämonische Biker.
Mal ehrlich: Gibt es wirklich irgendeinen Sinclair-Fan da draußen, der sich ernsthaft auf einen Roman mit dem Thema Biker aus der Hölle, auf prügelnde Rocker (auf die diesmal dankenswerterweise verzichtet wurde) oder fliegende, brennende Motorräder freut? Nun, ich gehöre definitiv nicht dazu, aber das ist eigentlich nur eine Randerscheinung in dieser ansonsten reichlich absurden Story …

Doris Dawson konnte auf der Beerdigung den Klauen Ihres zum Astralkörper gewordenen Bruders Sir Peter entkommen. Doch damit ist die Gefahr für sie noch nicht gebannt, denn der Begleiter in Gestalt eines brennenden Motorradfahrers hat sich bereits an ihre Fersen geheftet.
In der Folge bekommen sowohl Doris Dawsons Chauffeur als auch zwei Polizisten das von dem Begleiter ausgesandte Höllenfeuer zu spüren und sterben qualvoll. John und Suko können beide Morde nicht verhindern, und selbst Glenda Perkins, die Carina Dawson, Sir Peters Witwe, beschützen soll, scheint den Gegnern diesmal nicht gewachsen zu sein. Schließlich stellt sich auch noch Carina Dawson auf die Seite ihres Mannes, wodurch Johns Sekretärin in tödliche Gefahr gerät …

Wie beginnt man bei diesem Roman bloß am Besten, die wirre Logik geordnet zu beschreiben? Nun, fangen wir doch einfach am Anfang an. Der Begleiter, im letzten Roman noch eine leidlich charismatische, düstere Gestalt mit einem dunklen Mantel, taucht hier plötzlich als brennender, skelettierter Motorradfahrer auf, ohne dass diese Diskrepanz auch nur irgendjemanden aufzufallen scheint.
Die Rache-Morde, in Band 1838 schon wenig schlüssig erklärt, sind diesmal wie auch die Handlungen des Begleiters völlig willkürlich und ohne jegliche Logik. Da schafft es der Biker noch, Doris Dawsons Chauffeur zu töten, aber statt sich um Sir Peters Racheziel weiter zu kümmern, macht sich der Begleiter erst einmal einfach aus dem Staub. Auch die beiden Polizisten, die dem Höllen-Biker später zum Opfer fallen, gehören nicht einmal ansatzweise in das eigentliche Schema des ursprünglichen Mordmotivs. Mal ganz davon abgesehen, dass der Begleiter, nachdem John und Suko Doris Dawson leichtsinnigerweise wieder allein gelassen haben, nichts Besseres zu tun hat, als mit seinem brennenden Motorrad durch London zu fliegen und am Ende noch vor dem Geisterjäger davonzulaufen. Anscheinend hat dieser Kerl vor seinem Besuch aus der Hölle sein Hirn in eben jener liegengelassen. Was natürlich zu dem skelettierten Erscheinungsbild passen würde.
Aber auch die sonstigen Akteure sprühen nicht unbedingt vor Intelligenz: Zum einen erfahren John und Suko auf S. 17 von Sir James, dass Doris Dawsons Chauffeur durch Feuer umgekommen ist. Auf S. 19 fragt sich Suko dann aber, warum Sir James ihnen nichts davon erzählt hat, dass der Chauffeur verbrannt wurde. Zum anderen hat man in dem Gespräch mit Doris Dawson auf S. 21 das Gefühl, dass sich keiner der Beteiligten mehr daran erinnert, dass gerade sie es gewesen ist, die im ersten Teil auf der Beerdigung fast von ihrem Bruder ermordet wurde. Und zu guter Letzt wäre da noch Carina Dawson, die erst von ihrem verstorbenen Mann erfährt, dass er sie töten will, weil sie eine Affäre mit einem anderen Mann hatte, nur um sich wenige Minuten später mit eben jenem Toten zu verbünden, der darauf tatsächlich auch noch eingeht. Da fällt einem nicht mehr viel zu ein.
Allgemein kann man sich schon fragen, warum John, Suko und Glenda in diesem Roman jeden engagiert davon überzeugen wollen, dass es Astralleiber und Begleiter aus dem Jenseits gibt, während sie im letzten Roman noch alles versucht haben, um eben jene Informationen unter den Teppich zu kehren, insbesondere in einem Gespräch mit einer gewissen Doris Dawson.
Das Finale ist schließlich eher banaler Natur, da erneut kein richtiger Kampf stattfindet. Zwar darf Asmodis höchstpersönlich am Ende noch einen Alibi-Auftritt absolvieren, aber das lockt nun wirklich kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervor.
Dass der Roman dabei eigentlich gar nicht so schlecht zu lesen war und gewisse Passagen nicht eines gewissen, wenn auch leicht trashigen, Unterhaltungswert entbehren, wirkt im Bezug auf die Logikkapriolen der Handlung fast schon ironisch. Leider bleibt dadurch nur eine unterdurchschnittliche 08/15-Geschichte übrig, die wohl einen ganz netten Einzelroman abgegeben hätte. Leider hat sich Jason Dark aber anders entschieden.

Bliebe noch ein leidiges Thema zu erwähnen, dass ich bereits am Anfang der Kolumne angeschnitten habe: die von vielen recht ungeliebten Rocker- und Biker-Geschichten, die ebenso wie Romane über die ach so böse Hard-Rock-Musik, Punks oder die Gothic-Szene stets voller banaler, teils sogar absurder Klischees stecken. In Besuch aus der Hölle spielt diese Thematik zwar nur eine sehr untergeordnete Rolle, aber wert sie anzusprechen, ist sie allemal.
Dabei hat alles eigentlich so gut angefangen: Band 92 Einsatz der Todesrocker gehört bei vielen Fans zu den Klassikern der Serie, nicht nur, weil dort Father Ignatius seinen ersten Auftritt erhielt. Doch die stets sehr einseitige, brutal-böse und klischeebelastete Darstellung von Motorradfahrern (zu denen in früheren Jahren sogar auch Suko gehört hat), stößt einem im weiteren Verlauf der Serie immer wieder übel auf.
Gerade die fragwürdige Beschreibung von Hardrock als Teufelsmusik sowie von Punks, Schwarze (Gothic-Fans) und Skinheads als stets gewaltbereite, gerne auch mit dämonischen Kräften sympathisierende Gruppierungen lässt schon die Frage zu, ob diese Themen weniger wegen ihrer Wirkung in Gruselromanen als vielmehr wegen der eher konservativen Einstellung des Autors recht prominent immer wieder in die Serie eingebaut werden.
Dazu passt auch ein Kommentar Jason Darks auf einer vor einiger Zeit erschienenen Leserseite, als sich ein Schreiberling über die ach-so-bösen Internet-Foren beschwerte, in denen John Sinclair mutwillig und völlig grundlos zerrissen wird – und der Autor dieser Kritik vollauf zustimmt.
Nun, ich möchte niemanden wegen seiner persönlichen Wertvorstellungen kritisieren, aber solche Kommentare wie auch der wiederholte Einsatz derlei klischeebeladener Themen können aus meiner Sicht durchaus zahlreiche Leser verprellen. Vielleicht wäre eine ausgewogenere Auseinandersetzung mit diesen Thematiken sinnvoller, bevor der nächste Roman mit dämonischen Rockern oder teufelsanbetenden Skinheads und Hard-Rock-Fans erscheint.

Bildquellen:

(rh)