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Comic-Legenden – Teil 2

Silberpfeil darf nicht sterben!

Es war einmal ein junger Kiowahäuptling namens Silberpfeil, dessen Blutsbruder Falk, eine Squaw die auf den Namen Mondkind hörte und ein kleiner, zahmer, tapsiger Puma der Tinka hieß.

Was zuerst als Fortsetzungsserie mit wenigen Seiten in dem Comicmagazin Felix begann, wurde für den Basteiverlag schon bald zum großen Wurf.

Bereits nach kurzer Zeit wurde der anfangs belächelte Lückenfüller, dieser in Belgien erschienenen Serie war nämlich in ihrem Ursprungsland kein Erfolg beschieden und wurde noch vor Band 30 eingestellt, zu einem absoluten Knüller. Wochenauflagen von 100 000 Heften waren keine Seltenheit.

Der Erfolg ging sogar soweit, dass es von Silberpfeil sogar Hörspiele von »EUROPA« gab.

Übrigens ist hier die Rede vom Bastei-Silberpfeil. Ich erwähne das deshalb, weil zwischen 1957 und 1960 im Walter Lehning Verlag mit W. Kellermann eine gleichnamige Serie erschienen ist, die es auf 165 Bände gebracht hat. Allerdings im Piccolo – Heftformat, was die jüngeren Leser dieses Artikels wohl in der Form nicht mehr kennen werden. Es sei denn, manch einer von ihnen beginnt sich angeregt durch unsere kleine Serie wieder für dieses Genre zu interessieren.

Das nur mal so als kleiner Einwurf, aber jetzt zurück zu unserem Silberpfeil.

1970 erschien mit der Folge Der Goldschatz der Pueblos der erste Band der eigenständigen Serie Silberpfeil.

Danach ging es Schlag auf Schlag. Bis 1988 erschienen bei Bastei 768 Hefte sowie diverse Taschenbücher und unzählige Sonderbände und das alles von einem Zeichner entworfen und ausgedacht. Aber mit Frank Sels und dem von ihm gegründeten Zeichenstudio war die Flut an Geschichten auch kein Problem. Schließlich gehörte Sels mit bis zu acht druckreif gezeichneten Seiten pro Tag zu den produktivsten und schnellsten Zeichnern seiner Zeit.

Leider verstarb der in Antwerpen geborene Künstler auf tragische Weise sehr früh.

1986 nahm er sich kurz vor seinem 44. Geburtstag das Leben, was vielleicht mit ein Grund für die Einstellung der Serie war, die außer bei uns vor allem in Skandinavien megaerfolgreich war.

Genau wie ihr Zeichner hat die Serie an sich ebenfalls einige Macken und Besonderheiten aufzuweisen.

Die allererste Folge erschien 1966 in dem flämischen Magazin ohee, allerdings nicht unter dem Namen Silberpfeil, sondern als Die Abenteuer von der kleinen Antilope und auch Silberpfeils Blutsbruder hieß dort nicht Falk, sondern Jimmy Kent.

Die Erklärung des Erfinders dazu, dass ein indianischer Krieger mit dem Mann-Ritual auch den Namen wechselt, war ja noch nachvollziehbar, aber dass Bastei ab den 600er Nummern ständig Nachdrucke der Nummern 100 bis 200 herausbrachte und sie dem Sammler als neues Abenteuer anpries, war für den Comicfreund mehr als ärgerlich. Ebenso die Tatsache, dass auf Band 639 Band 641 folgte. Die Nummer 640 ist nie erschienen, warum bleibt wohl ewig ein Geheimnis des Verlages mit den drei Zinnen.

Wer aber jetzt denkt, dass 1988 mit Silberpfeil eine weitere Legende der deutschsprachigen Westerncomics zu Grabe getragen wurde, der irrt.

Seit 2006 erscheinen bei Wick-Comics die ersten Geschichten der kleinen Antilope wieder. Bisher gibt es 12 Bände zum Preis von je 10 Euro.

Allerdings handelt es sich hierbei um die Originalgeschichten und Zeichnungen von Frank Sels und nicht um die naiv wirkenden, knallbunten Bildchen, wie sie der Verlag einst herausgebracht hat.

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal, wenn von einer weiteren Legende des Westerncomics zu berichten sein wird. Leider ist deren Anzahl doch sehr beschränkt, jedenfalls hierzulande.

Quellen und Bildnachweise:

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