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Meister Eckhart – Das Brennholz Gottes

Meister Eckhart, einer der berühmtesten Theologen seiner Zeit und einer der bedeutendsten Mystiker der deutschen Kirchengeschichte, ist verstorben. Noch zu Lebzeiten wurde er der Häresie denunziert und angeklagt. Das Urteil selbst erlebte er nicht mehr. Der Papst verurteilte einige seiner Aussagen als Irrlehren, ein Widerruf seinerseits noch zu Lebzeiten rettete Eckhart selbst vor einer Verurteilung als Person.

Vor diesem Hintergrund spielt der hier vorliegende Roman. Der Dominikanerorden, dem Eckhart selbst angehörte, ist wegen der Person und den Lehren Eckharts gespalten. Die mächtigere und einflussreichere Fraktion möchte Eckharts Lehren nach seinem Tod verschwinden lassen und setzt alles daran, die Schriften des Predigers zu finden und zu vernichten. Doch ein treuer Schüler Eckharts, Conrad von Halberstadt, macht sich auf, um eben dieses Schriftgut zu erhalten. Er bereist die Städte, in denen Eckhart längere Zeit gelebt hat, lernt Menschen kennen, mit denen Eckhart zu tun hatte, die ihn inspiriert und beeindruckt haben. Dabei findet Conrad nicht nur mehr Nähe zu seinem Meister, er findet letztlich auch endlich zu sich selbst.

Das Buch wird von Verlagsseite als Romanbiografie deklariert. Tatsächlich handelt es hierbei mehr um eine Erzählung im herkömmlichen Sinne. Der Leser erfährt viel über die Umstände im Dominikanerorden der damaligen Zeit. Er bekommt einen Eindruck der Verhältnisse in den Orten und Städten, die Conrad besucht, und wird von Rolf Siller auf interessante und informative Art und Weise in die von ihm beschriebene Zeit mitgenommen. Dennoch ist zu erkennen, dass es sich um ein Buch handelt, dass in erster Linie ein Ziel verfolgt: Meister Eckhart als Person, als Prediger und nicht zuletzt seine Lehren und Gedankengänge vorzustellen. Und so sind es letztlich die Charaktere, die Conrad begegnen, die von Siller zwar nicht tief gehend aber immerhin doch anschaulich dargestellt werden, und die verschiedenen Schwierigkeiten, denen der junge Mann unterwegs gegenübersteht, die das Buch letztlich zu einer lesenswerten Lektüre machen. Zu erwähnen ist, dass ein nicht geringer Teil dieser Charaktere vom Autor selbst frei erfunden wurden.

Das Buch ist als kartoniertes Taschenbuch im Knecht Verlag erschienen. Das Cover kann die Stimmung des Buches recht gut einfangen und zeigt dem Leser bereits, in welche Richtung das Werk gehen soll. Ein informatives Nachwort, Literaturhinweise, ein Quellenverzeichnis sowie zwei Zeittafeln (eine allgemeine und eine auf Meister Eckhart bezogene) runden das Werk angenehm ab.

Fazit:
Eine Romanbiografie, die nicht durch Spannung oder Farbenfreude brilliert, wohl aber in ihrem Stil und ihrer Handlung an sich überzeugen kann. Wer sich für Kirchengeschichte interessiert, sollte dieses Buch auf jeden Fall gelesen haben. Für all diejenigen, die historische Mittelalter-Romane mögen, bietet dieses Buch durchaus eine gelungene Abwechslung zu den vielen mittlerweile doch recht ähnlichen auf dem Markt vorhandenen Romanen.

Copyright © 2012 by John Poulsen

 

Rolf Siller
Meister Eckhart
Das Brennholz Gottes
History, Taschenbuch
Knecht Verlag, Freiburg im Breisgau
März 2010
300 Seiten, 9,95 €
ISBN: 9783782009171