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Vincent Voss – Im Eis

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Ich will dich nicht töten

John Cleaver ist wieder allein. Die kurze Fast-Beziehung, die er im zweiten Teil der Trilogie mit seiner Klassenkameradin Brooke begonnen hat, endete, als er sie vor einem Dämon rettete und dabei ihr Leben gefährdete. Nicht dass sie ihm nicht dankbar gewesen wäre, aber sie wollte einfach nicht mehr an das erlebte erinnert werden. Also bleib John nichts anderes, als das was er vorher schon hatte: seine Mutter, die sich für seinen Geschmack viel zu sehr für sein Leben interessiert, seine Schwester, die sich so gar nicht mehr für sein Leben interessiert, und schließlich die Leichenhalle.

So war es zumindest, bis Marci Jensen anruft. Marci ist das wohl beliebteste Mädchen der Schule und sehr zu Johns Verwunderung möchte sie tatsächlich Zeit mit ihm verbringen. Doch da ist noch Johns kleines Geheimnis aus dem zweiten Teil: Er hatte eine Dämonin aus dem Telefonbuch des Handys seines letzten Opfers angerufen und gereizt. Nun war es nur noch eine Frage der Zeit, bis das übernatürliche Wesen Johns kleine Heimatstadt heimsuchen würde. Und tatsächlich beginnt etwa zum selben Zeitpunkt, zu dem sich seine Freundschaft zu Marci entwickelt, eine Mordserie im Clayton County. Parallel dazu begehen ungewöhnlich viele junge Mädchen Selbstmord. John, der verwundert ist über die eher ungewöhnlichen Gefühle, die er für Marci entwickelt, versucht alles daran zu setzen, die Dämonin zu stellen und dem Morden ein Ende zu bereiten.

Im dritten Teil seiner Reihe ist Dan Wells wieder zu dieser eher ruhigen Erzählweise zurückgekehrt, die ihn bereits im ersten Teil ausgezeichnet hat. Dabei wird das Lesen nie langweilig, auch wenn der Stil bei Weitem nicht so mitreißend ist, wie im zweiten Teil. Dafür lässt Wells in diesem Buch den Leser sehr lange darüber im Unklaren, wer nun wirklich der oder die Gesuchte ist. Zwar kommt man nach einer Weile durchaus dahinter, wie und wo die Fäden der Geschichte zusammenlaufen, dennoch hat Wells immer irgendwo noch eine überraschende Wendung zu bieten, die man nicht erwartet hat. Wiederum ist es sein unverwechselbarer Erzählstil, der den Leser vom ersten Wort an mitnimmt und erst wieder loslässt, wenn auch die letzte Seite des Buches gelesen ist.

Das Buch hat 448 Seiten und ist, ähnlich wie die ersten beiden Bände der Reihe, in einer Art Retrolook aufgemacht. Auch hier ist das Cover schlicht gehalten und sagt nichts über die Story an sich aus. Der Effekt mit der verlaufenden Schrift kann in diesem Fall nicht so sehr für Atmosphäre sorgen, wie auf dem Cover der ersten beiden Bände, weil die Schrift in Weiß gehalten ist. Dafür deutet die rote Covergestaltung und das Wirrwarr an Roteffekten durchaus gelungen die Zerrissenheit in John Cleaver wieder. Alles in allem ein stimmungsvolles und gutes Cover.

Fazit:
Ein Buch, das eine perfekte Fortsetzung zu den beiden anderen Teilen von Dan Wells liefert. Dabei ist sich der Autor sowohl was seinen Erzählstil als auch seine Charaktere angeht, absolut treu geblieben. Das Ende schreit regelrecht nach einer Fortsetzung. Und vielleicht, ja nur vielleicht, werden das Ende dieses Romans und all diejenigen, die Wells’ drei Bände gelesen und für gut befunden haben, ja tatsächlich erhört.

Copyright © 2011 by John Poulsen

 

Dan Wells
Ich will dich nicht töten
Originaltitel: Full of Holes
Thriller, Paperback
Piper Verlag, München
Oktober 2010
448 Seiten, 12,95 €
ISBN: 9783492267816
Aus dem Amerikanischen
von Jürgen Langowski