Archiv

Märchen und Sagen

Deutsche Märchen und Sagen 169

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

224. Weißer Geist zu Nürnberg

Gegen das Jahr 1672 lebte in Nürnberg ein Gold­schmied mit seiner Frau und sechs Kindern. Diese Frau hatte einen Familiengeist, der immer um sie war und ihr vorhersagte, was ihr begegnen würde. Er zeigte sich ihr in Gestalt eines weißgekleideten Kindes, welches eine Sanduhr in der Hand trug.

Einmal sprach er zu ihr: »Frau, Ihr wäret tot gewesen, hätte nicht ein Sandkörnchen, welches ein Loch in diesem Gläschen gestopft hat, Euch geholfen.«
Weiterlesen →

Deutsche Märchen und Sagen 168

Johannes Wilhelm Wolf
Deutsche Märchen und Sagen
Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845

222. Der Kuhkopf zu Altenberg

In Altenberg starb einmal einem Bauer alles Vieh an einer bösen Seuche und der Mann wusste sich nicht mehr zu raten und zu helfen. Endlich hörte er von einem alten Hirten ein Mittel und das wandte er auch alsbald an. Er ergriff nämlich die letzte Kuh, welche ihm geblieben war, schnitt der den Kopf ab und legte ihn auf den Söller. Das Vieh, welches er von da an kaufte, starb ihm nicht mehr, selbst einmal nicht, als das ganze Dorf angesteckt war. Es geschah aber eines Tages, dass ein Knecht den Kuhkopf auf dem Boden fand und ihn durchs Fenster auf den Mist warf. Am selben Tag jedoch fiel ein Ochse und ein Kalb, und der ganze Stall wäre leer geworden, hätte der Weiterlesen →

Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 25

Das Koboldhaus an der Dahme

An den Müggelsbergen spukt es aller Orten. Auf der Südseite an der Dahme oder Wendischen Spree liegt ein einzelstehendes Fischerhaus, das nennt man noch das Ko­boldhaus, weil ein Kobold dort sein Wesen getrieben hatte. Ein Hauptschabernack von ihm war mit den Fischern, wenn sie des Nachts so nebeneinander auf der Streu lagen und schliefen. Erst machte er sich am Kopfende zu schaffen und zog und zerrte die Einzelnen so lange, bis die Köpfe in einer Linie lagen. Nun waren die Füße aber ungleich. Da sprang er da hinüber und zog wieder so lange an den Füßen, bis diese eine Reihe bildeten. So Weiterlesen →

Die wundersamen Märlein vom Berggeist Rübezahl – 10. Kapitel

Heinrich Döring
Die wundersamen Märlein vom Berggeist Rübezahl
Verlag C. F. Schmidt, Leipzig, ca. 1840

Zehntes Kapitel

Wie Rübezahl einen kleinen Bauernjungen mit Haut und Haar verschlingen wollte

Als nun Peters wundersame Geschichte noch lange erzählt und wieder erzählt in allen Spinnstuben und Schenken wurde, da begab es sich, dass manchem die Luft anwandelte, auch sein Glück mit dem Berggeist zu versuchen. Wer durch Spiel und schlechte Wirtschaft das Seinige vertan hatte oder wen der Geiz trieb, noch mehr Schätze aufzuhäufen, erschien am Fuß der Riesenkoppe und rief den Geist, in der Erwartung, von ihm beschenkt zu werden. Rübezahl ließ sich zwar nicht blicken, doch bestrafte er die Zudringlichen auf gar Weiterlesen →

Sagen der mittleren Werra 51

Sagen-der-mittleren-Werra

Von der Flitterbraut und der Brautjungfer in Brotterode

In dem Keller des früheren Gemeindewirthauses ließ sich sonst zu jeder Tageszeit eine gespenstige Jungfrau in dem alten volkstümlichen Schmuck der Flitterbraut sehen. Sie war gutmütiger Natur, und wenn sie auch zuweilen den Leuten im Haus das Licht ausblies, so waren diese doch so an sie gewöhnt, dass sie sich nicht weiter an sie kehrten; allein sie anzureden, hatte doch noch keiner gewagt. Da aber die Wirtsleute immer mehr zurückkamen, so Weiterlesen →