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Storys & Lyrik

Der bayerische Hiesel – Teil 47

Der-bayerische-HieselFriedrich Wilhelm Bruckbräu
Der bayerische Hiesel
Wildschützen- und Räuberhauptmann, landesverrufener Erzbösewicht

Urgicht und Urteil des in der hochfürstlichen Residenzstadt Dillingen durch das Rad hingerichteten Mathias Klostermayer oder landesverrufener Erzbösewichts des bayerischen Hiesel
Zum Nutzen des Waisenhauses
Verlegt von Johann Leonhard Brönner, hochfürstlich-bischöflicher akademischer Buchdrucker 1771

Der vor dem peinlichen Halsgericht hier öffentlich vorgestellte Missetäter Mathias Klostermayer oder sogenannte bayerische Hiesel von Kissing aus dem Landgericht Friedberg in Bayern gebürtig, etlich und dreißigjährigen Alters, Weiterlesen

Die Tauscher 9

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 9

Die Telefonanrufe konnte er erst am nächsten Tag machen, inzwischen war es schon Nacht. Die Lampen tauchten den Bahnhofsvorplatz in ein grelles weißes Licht, als wäre es ein Gebiet auf einem fremden Planeten. Alle Passanten, die über den Platz eilten, wurden von einem Stern von zuckenden Schatten begleitet. Die Straßenbahnen und Busse waren hell erleuchtet, hinter den Fenstern saßen die Fahrgäste wie Schaufensterpuppen oder wie Fische im Aquarium. Florian öffnete das Fenster. Die Straße und die Gebäude dünsteten die Tageshitze aus, aber immerhin roch die Luft jetzt nicht mehr so stark nach Abgasen. Ein Flugzeug zog niedrig über die Stadt hinweg, deutlich waren die drei oder vier Reihen der Fenster erkennbar, helle Lichter, die übereinander liegend den schwarzen Schatten des Rumpfes durchbrachen. Dem Dröhnen der Motoren nach zu Weiterlesen

Der Freibeuter – Kanonen- und Schiffstaufe

Der-Freibeuter-Dritter-TeilDer Freibeuter
Dritter Teil
Kapitel 8

Görzens Rat war nicht vergeblich gewesen. Norcroß spielte von diesem Tage an mit dem Kammerherrn von Wollstrupp seine Komödie. Zuerst hielt er in ihrem Streit ihm weniger als sonst die Widerpart, stellte sich dann mehr und mehr überzeugt und äußerte endlich, wenn sich ihm nur eine Gelegenheit böte, vorteilhafter platziert zu werden, so sei er gar nicht abgeneigt, die Dienste des Königs von Schweden zu verlassen, der ihn trotz aller Freundschaft schlecht bedacht habe. »Was hilft mir die freundliche Herablassung«, sagte er, »ich kann sie beim Wechsler nicht zu Kleingeld machen und mir keinen Krug Wein davon kaufen. Obwohl man mir immer und immer vorsagt, der König sei mein Freund, so bin ich doch Kaperkapitän wie vor drei Jahren.«
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Die Tauscher 8

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 8

Morgens im Badezimmer erschrak er vor dem Gesicht im Spiegel. Es war ihm fremd, er kannte es nicht, aber alle Welt wusste es besser als er selbst und behauptete, es wäre das passende Gesicht für ihn, für Silwester Hammerstain, den fröhlichen Saufkumpan, den niemand respektierte, aber den man heimlich fürchtete wie einen bissigen Köter.

»Sie sollten wieder mit dem Rauchen anfangen«, sagte Fräulein Levinsohn beim Frühstück, »Ich glaube, ich werde es auch bald mal wieder versuchen, soll ja sogar gesund sein.«

»Warum soll ich wieder rauchen? Und gesund ist es sicherlich nicht.«
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Der Freibeuter – Eine Schlinge

Der-Freibeuter-Dritter-TeilDer Freibeuter
Dritter Teil
Kapitel 7

Norcroß hatte nun wieder einen Gegenstand für seine Tätigkeit, und der rasche Eifer, womit er sich von Neuem zu regen begann, war geeignet, ihn weder den versuchenden Geistern zu überliefern, noch jener trostlosen Schlaffheit, die ihn im Umgang seiner Frau allmählich bedrohte. Schnell traf er Anstalten zum Bau eines neuen Schiffes und setzte Zimmerleute, Weber, Schmiede und Stückgießer in Bewegung, indem er von einem zum anderen lief, alles selbst anordnete, verbesserte, nachhalf. Oft sah man den König oder den Grafen Mörner, den General Armfeld oder den Baron Görz, wenn dieser von Aland zugegen war, oder andere der vornehmsten Herren vom Hofe und vom Militär mit ihm auf den Werften und in den Stückgießereien gehen und verkehren.
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