Vom rebellischen Nischen-Treff zum Epizentrum der Phantastik
Vom rebellischen Nischen-Treff zum Epizentrum der Phantastik
Der Buchmesse Convent feiert sein 40. Jubiläum
Der Buchmesse Convent, in der Szene liebevoll BuCon genannt, hat sich in vier Jahrzehnten zur zentralen Parallelveranstaltung der großen Frankfurter Buchmesse für die deutschsprachige Phantastik entwickelt. Was einst als kleine, beinahe trotzige Gegenbewegung zu den etablierten Strukturen des Literaturbetriebs begann, feiert am 10. Oktober 2026 sein 40-jähriges Bestehen. Längst ist aus dem damaligen Geheimtipp eine unverzichtbare Institution für alle Liebhaber von Science-Fiction, Fantasy und Horror geworden.
Die Wurzeln dieser bemerkenswerten Erfolgsgeschichte reichen in das Jahr 1986 zurück, als der erste BuCon ins Leben gerufen wurde. Zu dieser Zeit präsentierte sich die Frankfurter Buchmesse noch äußerst traditionell, weshalb die phantastische Literatur dort kaum Beachtung oder angemessene Präsentationsflächen fand. Getrieben von dem Wunsch nach mehr Sichtbarkeit schufen die Gründer einen eigenen Raum für Vernetzung und kreativen Austausch. In diesen Anfangsjahren war der Convent vor allem eine Nischenveranstaltung, ein sicherer Hafen für Autorinnen, Autoren, Verlage und Fans. Abseits des klassischen Literaturbetriebs Weiterlesen
Lanterns – Wenn Kleinstadt-Krimi auf kosmische Superhelden trifft
Lanterns – Wenn Kleinstadt-Krimi auf kosmische Superhelden trifft
Mit der ersten Episode von Lanterns, ausgestrahlt am 17.08.2026 auf HBO Max, schlägt das runderneuerte DC-Universe unter James Gunn einen Ton an, den man von Helden in Spandex-Anzügen bisher kaum kannte. Die Showrunner Chris Mundy (Ozark), Damon Lindelof (Watchmen) und Tom King verfrachten das galaktische Erbe der Green Lanterns geradewegs in die eisige Provinz von Nebraska. Das Ergebnis ist kein buntes CGI-Spektakel, sondern ein geerdeter Mystery-Thriller, der atmosphärisch stark an Formate wie True Detective erinnert.
Ein Puzzle aus drei Jahrzehnten
Erzählerisch macht es sich die Pilotepisode nicht leicht. Statt linear abzulaufen, springt die Handlung elegant zwischen drei Zeitebenen hin und her, um das zentrale Mysterium und die komplexe Beziehung der Hauptfiguren aufzubauen.
Den emotionalen Anker bildet das Jahr 1996. Ein junger John Stewart sitzt gebannt vor dem Fernseher und Weiterlesen
Das Hitster-Phänomen
Hitster-Phänomen
Weshalb Deutschland derzeit Musikgeschichte neu schreibt
Erinnerst du dich an den Augenblick, in dem du ein bestimmtes Lied hörtest und sofort wusstest, wo du damals warst? Musik dient uns Menschen als unsere emotionalste Form der Zeitreise. Genau dieses einfache, aber brillante Prinzip liegt einem Trend zugrunde, der gegenwärtig in deutschen Wohnzimmern, bei Familienfeiern und geselligen Grillfesten für große Begeisterung sorgt. Ein bekannter Spieleverlag aus Amsterdam hat hier den Nerv der Zeit getroffen, indem er komplizierte Anleitungen und lange Aufbauphasen weglässt und stattdessen gemeinsame Erinnerungen sowie gute Musik in den Mittelpunkt stellt.
Das Grundkonzept wirkt überraschend minimalistisch und ist zugleich klug durchdacht. Es verbindet ein klassisches Kartenspiel mit modernen technischen Geräten, ohne dass dabei eine künstliche Verkomplizierung entsteht. Wer eine Karte zieht, zückt das eigene Handy, scannt den kleinen QCR-Code mit einer kostenfreien Programmdatei ein, und schon ertönt das Original des Liedes über die Lautsprecher im Raum. Die zentrale Aufgabe klingt unkompliziert, hat es aber in sich: Es gilt herauszufinden, in welchem Jahr das Lied veröffentlicht wurde. Danach ordnest du den Titel in deine ganz persönliche musikalische Reihenfolge ein. Wer als Weiterlesen
Vom Staub des Wilden Westens zur universellen Hymne
Vom Staub des Wilden Westens zur universellen Hymne
Das Vermächtnis von Knockin’ on Heaven’s Door
In memoriam Torsten Low
Es gibt Lieder, die uns ein Leben lang begleiten, aber erst in den dunkelsten Momenten ihre volle emotionale Wucht entfalten. In den vergangenen Tagen lief mehrmals ein ganz bestimmter Song auf meiner Playlist. Der Anlass dafür ist ein unendlich trauriger: Der Tod meines Freundes und langjährigen Wegbegleiters Torsten Low hat eine Lücke hinterlassen, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Auf der Suche nach Trost, nach einem musikalischen Anker in einer aus den Fugen geratenen Welt, bin ich unweigerlich bei Bob Dylans Knockin’ on Heaven’s Door gelandet. Diese Kolumne widme ich Torsten – einem wunderbaren Menschen, der uns fehlen wird, dessen Erinnerung aber für immer bleibt.
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Dylans Meisterwerk, das längst seinen Schöpfer überwachsen und zu einem kollektiven Kulturgut der Menschheit geworden ist, Weiterlesen
Frankreichs eisiger Wilder Westen
Frankreichs eisiger Wilder Westen
Von der Pracht des Sonnenkönigs in die grüne Hölle Nordamerikas
Kerstin Groepers Historienroman Lilien über weißen Wegen – Die Eroberung Kanadas führt uns in ein historisches Pulverfass, das im kollektiven Gedächtnis viel zu oft vergessen wird. Die Autorin lässt uns mehr als nur einen Blick auf ein geopolitisches Drama werfen, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Stellt euch vor: Man kehrt Europa den Rücken, lässt das Frankreich des Jahres 1665 hinter sich – eine Welt, die sich zunehmend um den absolutistischen Prunk von König Ludwig XIV. dreht – und betritt nach einer wochenlangen, entbehrungsreichen Überfahrt amerikanischen Boden. Doch statt des erhofften Paradieses in der Neuen Welt erwartet einen Nouvelle France, Neufrankreich. Es ist eine Kolonie, die kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch steht.
Bevor wir in Kerstin Groepers neuesten, umfangreichen Roman eintauchen, müssen wir unser Augenmerk auf das historische Spielfeld richten. Die geopolitische Lage im Nordamerika des 17. Jahrhunderts präsentierte sich als hochkomplexes, brandgefährliches Schachspiel. Zwei massive existenzielle Krisen hielten die französische Krone damals im Würgegriff:
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