Das Gespensterbuch – Elfte Geschichte
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Karl Hans Strobl
Die arge Nonn’
Eines Nachts erwachte ich plötzlich aus tiefem Schlaf. Ich war verwundert, überhaupt erwacht zu sein, denn ich hatte tagsüber auf dem Trümmerfeld der Jesuitenkaserne gearbeitet und war sehr müde. Ich legte mich auf die andere Seite und versuchte, wieder einzuschlafen. Doch da hörte ich einen Schrei, der mir den Schlaf raubte. Es war ein Schrei der Angst und im nächsten Moment saß ich aufgerichtet im Bett. Zunächst versuchte ich, mich zurechtzufinden. Wie es oft nachts der Fall ist, wusste ich nicht, wo sich Tür und Fenster befanden. Dann besann ich mich, dass ich merkwürdigerweise nur in einer von Nord nach Süd ausgerichteten Lage schlafen Weiterlesen
Das unheimliche Buch – Das unbewohnte Haus
Das unheimliche Buch
Herausgegeben von Felix Schloemp
A. M. Frey
Das unbewohnte Haus
Mitten im Gewühl der Großstadt, in einer alten, engen Straße, steht ein altes, unbewohntes Haus. Doch die enge Straße führt von den Eingeweiden der Stadt zu ihren riesigen Speiseschüsseln hinunter, zum Marktplatz. Die Eingeweide sind immer hungrig. Deshalb greifen tagaus, tagein, vieltausend leere, unersättliche Hände durch die alte Straße nach den Speisen auf dem Marktplatz und kehren gefüllt wieder zurück.
Daher ist die alte, enge Straße durchlärmt von einem wogenden Strom – sie, die Hochbetagte, die doch ein Anrecht auf Ruhe hätte. Daher kommt es, dass sie sich Schminke und modische Kleidung gefallen lassen muss. Wo ist ihr liebes, holpriges, grasdurchwachsenes Pflaster geblieben? Ein grauer, harter Teppich, langweilig in seiner faltenlosen Vornehmheit, bedeckt ihren Weiterlesen
Das Gespensterbuch – Zehnte Geschichte
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Gustav Meyrink
Das Präparat
Die beiden Freunde saßen in einem Eckfenster des Café Radetzky und steckten die Köpfe zusammen.
»Er ist fort. Heute Nachmittag ist er mit seinem Diener nach Berlin gefahren. Das Haus ist vollkommen leer. Ich komme gerade von dort und habe mich genau überzeugt. Die beiden Perser waren die einzigen Bewohner.«
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Der tolle Koffer – 2. Teil
Eine fortlaufende Musterkollektion der besten Witze, Schnurren und Anekdoten von Reisenden und Kaufleuten
Offeriert von Felix Schloemp
München und Leipzig bei Georg Müller, 1910
SIGNALE DER ABFAHRT
Ängstliche Frage
Zehn Uhr Vormittag. Der Zug nach Nürnberg geht um zehn Uhr eins.
Frau Schneider, die sich verspätet hat, stürzt an die Kasse.
»Herr Kassier, haben Sie noch ein Billett zweiter Klasse nach Ingolstadt?«
Das Gespensterbuch – Neunte Geschichte
Das Gespensterbuch
Herausgegeben von Felix Schloemp
Mit einem Vorwort von Gustav Meyrink
München 1913
Edgar Allan Poe
Die Maske des Roten Todes
Lange schon wütete der Rote Tod im Land. Nie zuvor hatte eine Pest solche Verwüstungen angerichtet, nie zuvor hatte eine Krankheit einen derartigen Schrecken verbreitet. Blut war der Anfang, Blut das Ende – überall das Rot und der Schrecken des Blutes. Mit stechenden Schmerzen und Schwindelanfällen setzte es ein, dann quoll Blut aus allen Poren und die Auflösung begann. Die scharlachroten Tupfen am ganzen Körper der glücklichen Opfer – und besonders im Gesicht – waren das Bannsiegel des Roten Todes. Es schloss die Gezeichneten von der Hilfe und der Teilnahme ihrer Mitmenschen aus. Und alles, vom ersten Anfall bis zum tödlichen Weiterlesen

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