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Im Original Robert Kraft

Aus dem Reiche der Phantasie – Heft 3 – Der rote Messias – 2. Teil

Robert Kraft
Aus dem Reiche der Phantasie
Heft 3
Der rote Messias
Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden, 1901

Kapitel 2
Im Lager der Sioux

An dem Ufer eines Nebenflusses des Red River waren gegen hundert Wigwams aufgeschlagen. Die Frauen und Mädchen gerbten im Schein der Abendsonne am Wasser Büffelhäute, das Ergebnis der letzten Jagd. Die meisten Männer lagen rauchend vor dem Eingang ihres Zeltes, einige beschäftigten sich mit den Pferden – schönen, kräftigen Mustangs –, andere leiteten Übungen der heranwachsenden Jugend mit Tomahawk und Pfeil und Bogen. Die kleineren Kinder balgten sich jauchzend herum und betrachteten dabei auch die zahlreichen Hunde als ihre Spielgefährten.

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Detektiv Nobodys Erlebnisse und Reiseabenteuer Band 1 – Teil 10

Detektiv Nobodys Erlebnisse und Reiseabenteuer
Nach seinen Tagebüchern bearbeitet von Robert Kraft
Band 1
Kapitel 2, Teil 5

Wir wollen nicht dabei sein, wenn Nobody noch angesichts der Leiche seine Erklärung gibt. Wir fassen alles kürzer zusammen.

Slackjaw – seinen richtigen Namen kannte man gar nicht – war schon seit mehreren Jahren in Costenobles Lagerschuppen als Arbeiter beschäftigt. In England gibt es keine Arbeitsbücher und dergleichen, so wenig wie eine polizeiliche Anmeldung. Obwohl er regelmäßig montags und manchmal auch dienstags blau machte und einmal wegen einer Prügelei oder eines in der Trunkenheit verübten Unfugs für eine ganze Woche hinter Schloss und Riegel saß, hatte er seinen Posten immer behalten. Denn sonst war er ein recht anstelliger Bursche. Wenn im Lagerraum eine große Kiste verstaut werden musste oder der Aufseher sein Notizbüchlein verlegt hatte, wurde Slackjaw gerufen. Er fand immer alles, brauchte gar nicht erst zu suchen und wusste alles. Trotz seiner von Leidenschaften entstellten Physiognomie und seines tückischen Blickes war er immer ehrlich und verträglich mit seinen Kameraden gewesen.
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Aus dem Reiche der Phantasie – Heft 3 – Der rote Messias – 1. Teil

Robert Kraft
Aus dem Reiche der Phantasie
Heft 3
Der rote Messias
Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden, 1901

Kapitel 1
Das Indianerterritorium

In der Einleitung des ersten Heftes wurde gesagt, dass Richard seine Erlebnisse im Traum als Geschichte für seine jungen Freunde niederschreibt. Eine solche Erzählung liegt hier vor. Bevor wir jedoch mit dieser beginnen, wollen wir zunächst sehen, wie es mit den heutigen Indianern aussieht, unter denen die Geschichte spielt.

Im Jahr 1825 wurde im Kongress in Washington beschlossen, dem indianischen Raubwesen ein Ende zu machen. Denjenigen Weiterlesen

Aus dem Reiche der Phantasie – Heft 2 – Die Totenstadt – 7. Teil

Robert Kraft
Aus dem Reiche der Phantasie
Heft 2
Die Totenstadt
Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden, 1901

Verwildert

Als Richard eines Tages vom Söller aus die Umgebung beobachtete, sah er am Rande des Waldes eine dunkle Gestalt sich bewegen. Die Entfernung war zu groß, als dass er etwas Näheres erkennen konnte, doch das Geschöpf musste groß sein, denn es schien auf zwei Beinen zu gehen. Wahrscheinlich war es ein Mensch.

Zitternd vor Aufregung holte Richard ein Fernrohr und richtete es auf die Gestalt. Es war in der Tat ein Mensch! Ohne erst durch das Fernrohr nähere Beobachtungen anzustellen, griff er gewohnheitsmäßig nach den Waffen und eilte in die Richtung, in der er Weiterlesen

Aus dem Reiche der Phantasie – Heft 2 – Die Totenstadt – 6. Teil

Robert Kraft
Aus dem Reiche der Phantasie
Heft 2
Die Totenstadt
Verlag H. G. Münchmeyer, Dresden, 1901

Die zukünftigen Raubtiere

Plötzlich erfüllte ein durchdringendes Pfeifen die Luft, und Richard sah, nicht weit von sich entfernt, eine Schar Mäuse aus einer Haustür kommen. Doch nein, das, was er sah, war nur der Anfang eines unerschöpflichen Stromes, der sich quer über den Marktplatz ergoss und in einem anderen Haus verschwand, während aus dem ersten immer neue hervordrangen.

Erschrocken war Richard auf einen hohen Prellstein gesprungen. Es war ein scheußliches Gewimmel; es mussten Millionen sein. Wie war das möglich? Nun, es brauchten nur ein Dutzend Mäusepaare am Leben geblieben sein, nur die auf dem Turm Weiterlesen