Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 47

Der Markgrafenberg bei Rathenow
Bei der Stadt der Rathenow liegt ein Hügel, welcher der Markgrafenberg heißt. Hier kamen nämlich, wird erzählt, einstmals im Anfang des 14. Jahrhunderts, als der Markgrafen aus dem Haus Anhalt hierselbst sehr viel geworden waren, ihrer neunzehn zu einer Landschau zusammen und klagten einer dem anderen ihr Unvermögen wegen der großen Landeszersplitterung.
»Was solle daraus werden, wenn ihrer noch mehr würden!«
Sagen der mittleren Werra 88
Von den Schätzen und der weißen Jungfer in Schweina
In der Mittelgasse zu Schweina steht die von der Familie Heller einst an der Stelle des alten von Hund’schen Hauses erbaute Hofreite, an der es nicht geheuer ist, denn es ruhen dort noch zwei Schätze tief unter der Erde. Der Mächtigste der beiden ist aber zu stark versetzt und nicht mehr zu heben. In früheren Zeiten saß er unter einem der nun aufgerissenen Torpfeiler des alten Hauses.
Eine arme, aber brave Frau aus Schweina, die eines Tages gerade zur Mittagszeit mit einem Hockel Leseholz aus dem Wald dort vorbeimusste, sah ihn unter dem Pfeiler in der Sonne glitzern. Es war ein großer Kessel voll blanker Goldstücke. Da die Frau Courage hatte, warf sie schnell ihren Hockel ab und hatte schon ein paar Hände voll des Goldes in ihrer Schürze, als sie sich vergaß und in ihrer Freude ausrief: »Ach du lieber Gott, was hast du mich armes Tier doch so glücklich gemacht!« Und so versank der Schatz wieder unter ihren Händen. Von dem aber, was sie schon in die Schürze gerafft hatte, baute sie sich ein Häuschen im Dorf.
Der andere Schatz sitzt neben dem Brunnen in dem Heller’schen Hausgarten. Dann und wann zeigt ihn eine weiße Jungfer mit einem Spinnwebengesicht an, die dort im Mondschein ihr Linnen bleicht.
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 46

Der Rabe mit dem Ring am Rathenower Tor zu Brandenburg
Auf der Spitze des Rathenower Tors zu Brandenburg sieht man einen Raben, in dessen Schnabel ein Ring mit daran befindlicher Kette sichtbar ist. Das Wahrzeichen hat folgende Bedeutung.
Einem der Brandenburger Bischöfe war nämlich einst ein Ring weggekommen, und da, so viel er auch hin und her sann, wer ihn genommen haben könnte, doch sein Verdacht sich immer wieder auf einen Diener wendete, der allein in seinem Zimmer gewesen war. So befahl er, dass dieser wegen des Diebstahls mit dem Tode bestraft werde. Der Befehl wurde auch sogleich vollzogen. Darauf vergingen einige Jahre, da wurde an dem Dach eines der Weiterlesen
Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 45

Die Bittschriften-Linde in Potsdam
Friedrich II. bewohnte die Eckzimmer im Potsdamer Schloss nach der Teltower Brücke zu, von wo er die Aussicht auf die Havel und den Brauhausberg hatte und von seinem Schreibtisch aus vermittelst dreier Spiegel den Lustgarten, die Brücke und die ganze Umgebung des Schlosses übersah. Unter dem Fenster zunächst der Brücke steht eine alte Linde, welche noch jetzt die Bittschriften-Linde genannt wird, weil an ihr diejenigen ihren Standpunkt zu wählen pflegten, welche ein Gesuch in die Hände des Königs zu bringen wünschten. Sah sie der König hier stehen, so schickte er gewöhnlich sogleich Weiterlesen
Sagen der mittleren Werra 87
Der Geist in der Pfarre zu Schweina
Vom letzten römisch-katholischen Pfarrer von Schweina, der sich dann zu Luthers Lehre bekannte, erzählt die Sage, er sei ein so eifriger Bibelleser gewesen, dass er sich selbst im Tode nicht habe von diesem heiligen Buch trennen können. Als er nämlich zum Leid seiner Gemeinde gestorben war, habe sich von seinem Begräbnistag an alle Abende ein helles Licht in seiner Studierstube gezeigt. Als es endlich einige beherzte Männer gewagt hatten, mittelst einer Leiter hinaufzusteigen und durch die Fenster zu blicken, hätten sie ihren alten Pfarrer leibhaftig an seinem Tisch sitzen und in der Bibel lesen sehen.
Darüber aber wären die Schweinaer in so große Bekümmernis und Angst geraten, dass sie sich für schweres Geld einen Jesuiten aus Dermbach geholt haben, der den Geist des verstorbenen Herrn aus der Pfarrei hätte bannen und zur ewigen Ruhe bringen sollen. Dieser habe sich jedoch durch die Faxen des Jesewitters nicht im Geringsten stören lassen und ruhig in seiner geliebten Bibel fortgelesen, bis endlich am dritten Tag der Jesuit seine Ohnmacht gestanden und zu einem letzten Versuch einige gute Freunde des Pfarrers mit sich auf dessen Studierstube genommen hatte. Diesen nun gegenüber habe der Pfarrer in strengen Worten die Erklärung gegeben, dass er sich nimmer von seinem geliebten Kleinod trennen könne und würde.
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