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Im Original Ludwig Storch

Der Freibeuter – Ein Rendezvous

Der-Freibeuter-Zweiter-TeilDer Freibeuter
Zweiter Teil
Kapitel 15

Es gibt Gemüter, an denen die Schwermut nicht haftet. Sie bleiben sich in allen Lebenslagen gleich, heitere Gemälde, lachend, selbst wenn das Unglück durch das Haus schreitet. Dieser Frohsinn ist das Kind flacher Naturen. Sie sind der Freude, die die Seele berauscht, so wenig zugänglich, wie dem Schmerz, der die Seele läutert und erhebt. Jene Gemüter gleichen dem seichten Dümpfel, den selbst der Sturm nur leise kräuselt, dessen Oberfläche aber auch nur von den Strahlen der Sonne erhellt und nie mit Regenbogenfarben geschmückt wird. Ein wahrhaft heiteres Gemüt ist für Freude und Schmerz gleich empfänglich, nur hat der Schmerz keine bleibende Stätte bei ihm wie die Freude. Die Freude ist ihm die Lebensnahrung, der Schmerz das Salz. Ein solches Gemüt ist Weiterlesen

Der Freibeuter – Erzählung

Der-Freibeuter-Zweiter-TeilDer Freibeuter
Zweiter Teil
Kapitel 14

Die beiden Kaperoffiziere speisten in der Kajüte allein und leerten auf das glückliche Gelingen ihres gewagten Unternehmens, von welchem sie sich so viel versprachen, ein paar Flaschen. Hernach, als der Dampf des Grogs aus den Gläsern vor ihnen stieg, nahm Kapitän Norcroß das Gespräch auf.

»Ihr wünscht zuerst einige nähere Nachrichten von dem tollkühnen Angriff des dänischen Vizeadmirals Tordenschild auf Göthaborg zu hören. Wahrlich, ich liebe diesen jungen Feuerkopf – er ist in unserem Alter – obgleich er unser Feind ist, und ich wünsche nichts sehnlicher, als mich einmal mit ihm messen zu können. Weiterlesen

Der Freibeuter – Die beiden Kameraden

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Zweiter Teil
Kapitel 13

Des Sommers grünes Haar färbte sich herbstlich bunt, als aus dem Göthaborger Hafen täglich eine Schaluppe auslief, westlich herüber um die äußerste Spitze von Jütland herum und dann mehrere Meilen weit in die Nordsee hinabging , aber abends wieder in den Hafen einlief, ohne dass man wissen konnte, weshalb sie diesen vergeblichen Weg so oft wiederholte. Der Befehlshaber dieses Bootes war Lord Palmerston, der die Kleidung eines schwedischen Seeoffiziers trug. Mit düsterem Verlangen streifte sein Auge über die Fläche des Meeres südwärts, und sobald es ein Segel erblickte, zuckte ein wenig Leben in seinem sonst toten Gesicht. Er griff nach einem Fernrohr und spähte, bis er sich getäuscht sah. Dann schwebte wohl auch sein trüb gewordener Blick nach der Weiterlesen

Der Freibeuter – Die Flucht

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Zweiter Teil
Kapitel 12

Zum Erstaunen der beiden Damen stieg er, frei von Schwäche, aus der Sänfte und ging in das Haus. Er schien die beiden Freundinnen nicht zu bemerken, aber seine dunklen Augen glänzte von unheimlicher Glut. Christine wollte ihm Trostworte sagen, aber er unterbrach sie mit Heftigkeit: »Kein Wort von dieser Sache, wenn ich Sie bitten darf, teure Christine! Es wird, es muss sich ausgleichen. Sei es, wie Gott will. Es wird sich finden.«

Christine erschrak vor diesen Worten.

Friederike aber rief: »Palmerston, Sie sind in dieser Stunde zum Manne gereift. Jetzt handeln Sie und vertrauen Weiterlesen

Der Freibeuter – Das unterbrochene Hoffest

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Zweiter Teil
Kapitel 11

Einige Tage darauf fand die Vorstellung des Brautpaars bei Hofe statt. Eine zahlreiche Versammlung schmückte die Hallen und Säle des königlichen Schlosses. Der König wollte in der Pflegetochter des Vizestatthalters von Norwegen ihn selber ehren, ebenso die Königin ihre Hofdame, und so kam es, dass beide Herrscherhäuser Dänemarks sich ereiferten, diesen Tag mit Glanz zu erfüllen. Die Zeremonie war vorüber, und Palmerston versuchte aufzuatmen. Er glaubte damit die Last, die ihm die Brust schwer bedrückte, abwälzen zu können. Aber er vermochte es nicht, vielmehr wurde das dumpfe Bangen seiner Seele zu quälender Angst.

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