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Perry Rhodan Band 2956 – Das Hooris-Phänomen

Uwe Anton, Michael Marcus Thurner
Perry Rhodan Band 2956
Das Hooris-Phänomen

Science-Fiction, Heftroman, Hörbuch und E-Book, Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt, 13. April 2018, 68 Seiten, €2,20, Titelbild und Innenillustration Swen Papenbrock

Das Fernraumschiff RAS TSCHUBAI kehrt in die Milchstraße zurück, mit Perry Rhodan, Gucky und Sichu Dorksteiger an Bord. Aus dem Zweiten Solaren Imperium im 131 Millionen Lichtjahre entfernten Sevcooris haben sie zwei Gäonen mitgebracht: den Mentor der Regierungschefin, Syllester Ford, und die Reporterin Shari Myre. Nach einer ersten Orientierung geht es zum gerade zurückeroberten Quinto Center, wo neben Monkey eine zweite, neu entwickelte Semitronik wartet. Und die HaLem-Krieger zeigen, was sie können.

Der Roman ist ein Unikum und in dieser Form eigentlich nur durch die heftigen Erkältungswellen der vergangenen Monate erklärbar. Er ist verfasst von zwei großartigen Autoren, die ihr Handwerk beherrschen, den Roman aber in zwei deutlich unterscheidbare Hälften zerfallen lassen. Michael Marcus Thurner berichtet in seinem Blog von den ungünstigen Umständen der Übergabe.

Die erste Hälfte zeigt die Handschrift des Remscheider Autors Uwe Anton, dessen erster Rhodan der 1998 erschienene Band 1922 war: klare Raumgestaltung, übersichtliche Informationsvergabe, eine Unmenge verarbeitetes Material, literarische Anspielungen, feine Figurenzeichnung und subtile Ironie.

Mit Band 2950 begann eine neue Handlungsebene, der Arkonide Atlan kehrte zurück. Die Verfasserin dieser Besprechung überspringt auf dem Geisterspiegel 15 Bände, um wieder aktuell zu sein (die Erkältungswellen hauten überall rein) und verweist für die Bände 2942 bis 2955 auf ihre Kolumne im Corona-Magazine, in der es im März um Atlans Rückkehr ging und im April um die neue Welt der Menes und der Gauchen geht. In der April-Ausgabe plaudert der Wiener Kabarettist und Science-Fiction-Autor Leo Lukas über seinen aktuellen Doppelband 2954 und 2955.

Uwe Anton liefert dem Leser das nötige Überblickswissen. Rhodans erster Anruf nach der Ankunft in der Milchstaße beim Residenten der Liga Freier Galaktiker, Hekéner Sharoun, gibt einen Überblick über die Vorgänge auf Milchstraßenebene in der erste Zyklushälfte. Die Scheibenwelt Wanderer hält sich im Solsystem auf, verweigert aber jede Kommunikation. Den fast fünf Kilometer langen Spross erkennt Rhodan sofort als organisches Raumschiff der Gemeni, die er bislang nur aus Sevcooris kannte. Dass Reginald Bull wieder da ist und samt Frau und kleiner Tochter in Terrania lebt, lässt ihn wünschen, den alten Freund persönlich zu treffen. Doch die Reparatur der RAS TSCHUBAI und der Semitronik ANANSI gehen vor. Rhodan erfährt von der Rückkehr Ernst Ellerts, den Hinterlassenschaften von ES und dem Angriff auf Quinto-Center. Nicht nur Gemeni, sondern auch Gäonen in der Milchstraße? Das also war das Geheimunternehmen Q-Zündung!

Eine reine Anton-Figur ist die sympathische Kadettin Mia Davoos, an der das Pech nur so klebt. Die neuen Fehlfunktionen ANANSIS treffen sie voll. Sie ist die Erste, die eine der durchsichtigen Uniformen bekommt, verbrennt sich den Mund an einem der kochendheißen, stinkenden Getränke, die ausgegeben werden, und ein toller Mann sagt ihr, dass sie übergewichtig, dämlich und vom Pech verfolgt ist, ehe er sich durch ihren Getränkewurf als Holo entpuppt. Glück oder Pech im Unglück? Ihrer Ausstrahlung wegen wählt die schwer gestörte Semitronik ANANSI sie als Kontaktperson. Ein wunderbar ironischer Satz aus einem ihrer Gespräche mit der Obrigkeit sei hier zitiert: »Von wegen Inkongruenz-Viskositäts-Paradoxon des leitdimensionalen positronisch-biologischen Zerebellums. […] So etwas saugt man sich nicht aus den Fingern.« An dieser Stelle kann sich ein an die Serienterminologie gewöhnter RHODAN-Leser vor Lachen kringeln.

In Quinto-Center  wurde unter Mitarbeit einiger Mitglieder des Teams von Toja Zanabazar und Vetulon Culsander, den ›Eltern‹ von ANANSI, eine zweite Semitronik erbaut, eine verkleinerte Studienversion namens ODUN MANGKOMA. Der dreieinhalb Meter große Haluter Golten Patich ist ein Mitglied des Elterngevierts der Experimentalsemitronik.

Wie das kleine blaue Mädchen ANANSI, so erscheint auch ODUN MANGKOMA in einer sechs Meter durchmessenden Kugel aus durchsichtigem Material, die ein permanenter Tropfenregen durchzieht. Er wirkt wie ein Golem: lehmartig, unfertig. Seine Standardfloskel lautet: »Dein ergebener Knecht!«, und das hat seinen Zweck:  Semitroniken gelten als unberechenbar. Diese Formen künstlicher Intelligenz sind schlicht zu fähig, um sich kontrollieren zu lassen.

Nun, der gäonische Doppelkopfraumer IWAN IWANOWITSCH GORATSCHIN parkt seit dem Angriff bei Quinto-Center. Rhodan trifft Lordadmiral Monkey, dessen nonchalante, autarke Emotionslosigkeit im Gespräch der beiden Unsterblichen gut zur Geltung kommt, hatte Anton doch bei den letzten Romanen um den Lordadmiral genug Gelegenheit, diese Figur zu ergründen. Monkey ist kritisch, er stellt die Notwendigkeit von Rhodans Expedition nach Sevcooris in Frage und problematisiert die HaLem-Armee auf dem Merkur, die aus zwölftausend individuell gestalteten Statuen von lemurischen Kämpfern aus allen Epochen besteht, vom Schwertkämpfer bis zur Raumsoldatin.

Perry Rhodan berichtet Monkey vom Zweiten Solaren Imperium und dem Gondunat in Sevcooris. Monkey wiederum informiert über den Angriff auf Quinto-Center, dass die Settember-Geschwister Faolain und Agostina die Seiten gewechselt haben, und von den gäonischen Positroniken der IWAN IWANOWITSCH GORATSCHIN, die unzugänglich sind, trotz des übergelaufenen gondischen Neurotroniker Moothusach, der als einziger der Thoogondu ein Quartier in Quinto-Center hat. Die Masse an Information wird durch die starke Charaktergestaltung der Protagonisten kurzweilig gestaltet.

Mit diesen atmosphärisch dichten, pointiert gestalteten Gesprächen wird der Leser an die Ergebnisse der ersten Zyklushälfte erinnert, die doch recht umfangreich sind, und Neueinsteigern erleichtert die Präsentation den Einstieg.

Die zweite Hälfte des Romans, die des Wieners Michael Marcus Thurner, führt die aufgesponnenen Fäden fort, ist jedoch deutlich actionbetonter. Die enorme  Kampfkraft eines Haluter spielt eine ebenso große Rolle wie die der HaLem-Soldaten – wo die plötzlich herkommen, muss man selber lesen. Es geht um das Übertragen von Bewusstsein, um eigenbestimmte Semitroniken, um halutisches Erbgut und um die titelgebenden Hooris-Kristalle, die sich an unerwarteter Stelle finden, was ganz verheerende Folgen hat.

Stilistisch ist der zweite Teil des Romans eine Sache für sich. Der Versuch, die feine  Ironie der ersten Hälfte weiterzuführen, zeigt überdeutlich, dass der Sinn für Humor der beiden Autoren ähnlich verschieden ist wie die von ihnen favorisierten Fußballvereine.

Ebenso verschieden ist ihr Verständnis von Lordadmiral Monkey, von Perry Rhodan und vor allem von Frauen, sei es Sichu Dorksteiger, sei es Mia Davoos. Das Gleiche gilt für die Raumgestaltung, die Informationsvergabe, die gesamte Art von Abläufen. Nun, in dieser Besprechung muss man praktischerweise nicht viel darauf eingehen, da ein Besprechen des Handlungsablaufs zu viele Spoiler enthielte, und zum Glück sind die Geschmäcker verschieden. Sicherlich wird der von Thurner allein geschriebene Folgeband kohärenter sein. 

Es gibt eine Leseprobe.

(at)

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