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Evil Dead

Ich möchte diesen Artikel mit einem Geständnis beginnen – ich bin das, was man einen Hardcore-Junkie nennen könnte. Ehe nun jemand sagt, er habe es schon immer gewusst und mich für ein verdorbenes Schwein hält, muss ich klarstellen, dass ich damit nicht etwa Pornographie meine, sondern Hardcore-Horror.

Schmuddelkram auf irgendwelchen Streamingseiten im Internet schaut ohnehin niemand, da bin ich keine Ausnahme. Zumal die kurzen Clips und die schlechte Qualität … Lassen wir das!

Also, ich mag Hardcore-Horror, und das seit vielen Jahren. Seit sehr vielen Jahren! Oder genauer – seit meiner frühen Jugend.

Nun war es auch damals nicht leicht, an entsprechenden Stoff zu kommen; zumal meine Mutter zu dieser Zeit eine Abneigung gegen Videorecorder hatte. Doch das Schicksal meinte es gut mit mir, denn es beschenkte mich einerseits mit einem Onkel, der eben einen solchen VRC besaß und mir so ziemlich jeden Wunsch erfüllte, zum anderen mit einem Kumpel ohne Skrupel, dafür mit Verwandten in den USA, so dass er an die wirklich guten Filme kam.

Nachdem ich bei meinem Onkel den Film Ein Zombie hing am Glockenseil gesehen hatte, er (der Onkel, nicht der Zombie) mehrfach würgen musste und ich voll auf meine Kosten kam, glaubte ich, nichts könne mich mehr schocken.

Auch die Gesichter des Todes konnten mich nicht aus der Bahn werfen – während meine Freunde die Pizza liegen ließen, genoss ich sowohl das Essen als auch den Film.

Dann kam jener Tag, als ich einen Anruf erhielt. Evil Dead – in Deutschland als Tanz der Teufel bekannt –  sei aus den USA eingetroffen – ich müsse mir den Streifen unbedingt reinziehen.

Ich schwöre – es war der erste Hardcore-Horror-Orgasmus meines Lebens … Denn was Sam Raimi hier abgezogen hatte, sprengte tatsächlich das, was ich bislang kannte. Ich war begeistert, während meine Freunde nach und nach den Raum verließen, um sich anderen Dingen zu widmen.

Natürlich kackten sich die deutschen Behörden ob des Films ins Höschen; und zwar kollektiv. Angefangen von der FSK über die BPjM und dem Jugendgericht Frankfurt war Panik angesagt. So bizarr der Film, so bizarr auch seine Geschichte in den deutschen Amtsstuben.

Es fing bereits damit an, dass die FSK den Film nicht prüfen wolle – er würde gegen ihre Grundsätze verstoßen. Wie genau ein Film gegen die Grundsätze der FSK verstoßen kann, sei dahingestellt. Vorgelegt wurde er stattdessen der SPIO, die ihn schließlich ungekürzt freigab.

Der Film kam in die deutschen Kinos und erschien auch ungekürzt auf VHS – was die BPjM auf den Plan rief. Im April 1984 wurde der Film indiziert, das Jugendgericht Frankfurt ließ ihn im Juli 1984 beschlagnahmen.

Damit war erst einmal Schluss mit dem Tanz.

Diverse Einsprüche blieben unwirksam, schließlich aber einigte sich der Verleih mit der FSK auf eine gekürzte Fassung des Films. Die erste Variante – es fehlten 23 Sekunden – wurde von der FSK noch abgelehnt, eine zweite Fassung mit 46 Sekunden Schnitt erhielt schließlich den roten Aufkleber.

Das Gericht ließ auch diese Fassung beschlagnahmen …

Wieder wurden Einsprüche eingelegt, zweimal wurde das Urteil bestätigt. Erst 1992 wurde der Beschluss aufgehoben – und zwar vom Bundesverfassungsgericht.

1993 erschien eine um 44 Sekunden gekürzte Fassung für Kino und VHS, die nun zwar nicht mehr beschlagnahmt, dafür aber von der BPjS umgehend indiziert wurde.

Wieder verging etwas Zeit, bis man 2002 eine Fassung zur Prüfung gab, die tatsächlich eine FSK 16 erhielt – und um 16 (!) Minuten gekürzt worden war.

Seien wir ehrlich – das, was da unter dem Titel Tanz der Teufel angeboten wird, ist kaum mehr als ein Rumpf.

Die Jugend wurde – zumindest in Deutschland – also ausreichend vor dem Film geschützt. In Austria blieb der Film freilich von solchen teutonischen Panikattacken verschont, was eigentlich zu einer Generation völlig verwahrloster, verängstigter und verrohter Menschen hätte führen müssen, die unter dem Einfluss des Films Sitte, Moral, Anstand, gute Manieren und die Tischgebete hätte vergessen müssen.
Und ja, wer erinnert sich nicht noch voll Grauen an die Scharen wild schreiender Österreicher, die Katzen und Kinder quälend durch Wien zogen, kaum dass sie den Film gesehen hatten. Oder die satanischen Messen mit Menschenopfer, durch die Salzburg traurige Berühmtheit erlangte …

Oder so …

Warum ich das alles heute, so viele Jahre später, erneut aufwärme? Nun, ganz einfach – im Zuge des Remake-Wahns hat man sich nun auch dieser Perle angenommen. Und schon der jüngst erschienene Trailer verspricht, dass auch dieser Film jenseits des guten Geschmacks für Hardcore-Horror-Orgasmen sorgen dürfte. Zumal Sam Raimi am Script beteiligt war und der Hauptdarsteller der Evil-Dead-Reihe als Producer auftritt.

Was kann da noch schiefgehen?

Wer einen Vorgeschmack auf das Kommende möchte, findet den Trailer hier. Aber bitte, sagt am Ende nicht, ich habe euch nicht gewarnt 🙂

2 Antworten auf Evil Dead