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Zehn Geschichten aus Meister Hämmerlings Leben und Denkwürdigkeiten – Teil 1

Zehn Geschichten aus Meister Hämmerlings Leben und Denkwürdigkeiten

Memoiren eines Scharfrichters aus den Zeiten des Mittelalters
Herausgegeben von Wilhelm von Chézy

Vorbemerkung

Das große Malefizbuch soll, wie sein altfränkischer Name schon erraten lässt, Verbrechergeschichten aus früherer Zeit enthalten. Was wir unter dem Namen von Kriminalakten zu begreifen pflegen, nannten unsere Vorfahren in vielen Gegenden Malefizbücher; Aufzeichnungen, welche teilweise auch der Scharf­richter besorgte, der in seiner Eigenschaft als Folterer in peinlichen Untersuchungen vielfach beteiligt war.

Der Grundgedanke des Buches wird sich im Voraus ziemlich klar bestimmen lassen, wenn der Leser bemerken will, dass der Verfasser ein Dichter ist, kein Gelehrter. Ich versuche meinen Stoff vom rein menschlichen Standpunkt aufzufassen und dichterisch zu ver­arbeiten; die Wahrheit, welche nach meinem Streben sich darin widerspiegeln soll, ist nicht wissenschaftlich begründet. Die Darstellung bemüht Menschen und Zustände vorzuführen, wie sie einst gewesen sein mögen, hält sich nicht in den Schranken der urkundlichen Be­lege; das Malefizbuch ist also, wenn ihr wollt, ein dichterischer Pitaval, hervorgegangen aus jener Schule, welche Gott für den ersten Dichter das Leben für die größte und schönste Dichtung hält.

Der Scharfrichter von heutzutage ist ein Bürger wie jeder andere, Wähler und wählbar; wenn er Ver­mögen genug besitzt, kann er Abgeordneter zur Zweiten Kammer werden, und etwa die Todesstrafe abschaffen helfen. Die Gestalt des Freimannes von ehedem ist bereits zur Sage verdämmert; der Dichter tut also nicht übel, wenn er das Bild mit seinen geheimnisvollen Schauern noch einmal, gleichsam zum Abschied, in allen wesentlichen Beziehungen zusammenfasst, um es als Andenken aufzubewahren. Dies ist im Hämmerling versucht worden.

Mit den drei Bändchen des Malefizbuches, welche hier der Lesewelt übergeben werden, ist mein Vorrat an solchem Stoff bei Weitem nicht erschöpft; von der Aufnahme, die sie finden, wird es abhängen, ob sich ihnen in späterer Zeit noch eine weitere Reihenfolge anschließen soll.

Wilhelm von Chézy

 

Bertholds Kindheit

Die Glocken riefen zum Haus des Herrn. Da ich eben mein sonntägliches Gewand anlegte, gemahnte es mich, als müsse ich dem Ruf folgen, wie ich einst in schöneren Tagen getan – zwar wider Gesetz und Herkommen, aber dennoch mir zur tröstlichen Erinnerung, denn es waren meine frohesten Stunden, in welchen ich, ein Mitglied der christlichen Gemeinschaft, wie unser Herr und Heiland sie eingesetzt, inmitten der festlich gekleideten Menge niederkniete. Wenn dieses Beginnen Frevel war, wie sie sagen, so möge der gute Gott mir vergeben, dass ich keine Reue dafür finde und Ergebung und Entsagung nicht meine freie Wahl sind.

Durch mein von Reben umranktes Fenster blicke ich sehnsüchtig hinaus über die stillen Felder und Wiesen auf die Stadt mit ihrem schlanken Kirchturm, von dem die Glocken herniedertönen. Und obschon ich nicht bereuen mag, dass auch ich einst ein Gleicher unter Gleichen schien, so zerreiße ich doch nicht gewaltsam die Kette, die mich hält und drückt, sondern schleppe sie ruhig Schritt für Schritt weiter. Ich tue, was meines Amtes ist, mit demütigem Eifer, und komme nur dann aus meiner traulichen Zelle unter die Leute, wenn mein Beruf es verlangt. Dann drängt sich das Volk, um mich zu sehen, wie ich in meinem stattlichen Scharlachmantel, gefolgt von meinen Knechten, hervortrete und auf Befehl der hohen Obrigkeit dasjenige vollführe, wovon wohl jedermann auch ohne die Mahnung des Sprichwortes gern seinen Fürwitz lässt, so es nicht seines Amtes ist.

Doch so treu und fleißig ich auch immer meine Pflichten erfüllte, so habe ich dennoch bis zum heutigen Tag eine wichtige Pflicht versäumt, obwohl ich genügend Muße gehabt hätte, sie zu erfüllen. die Fortsetzung dieses Buches, in welches mein Urgroßvater, als der Erste unseres Hauses, der die Kunst des Schreibens erlernt hatte, die Ereignisse seines Lebens und seiner Amtsführung sowie das, was ihm von dem Thun und Treiben seiner Vorfahren durch Überlieferung kund geworden war, eingezeichnet hatte, und in welches ihm seine Nachkommen, Mann für Mann, treulich gefolgt waren. Nur ich allein zögerte und zauderte und konnte mich nicht entschließen, die Feder zu ergreifen, obschon mir manchmal schwer aufs Herz fiel, was der Vater selig mir oft gesagt hat, als ich noch ein Knabe war: Die Fortführung des Malefiz-Buches sei eine wichtige Obliegenheit des Amtes und die Erzählung der eigenen Erlebnisse eine Verpflichtung gegenüber den Nachkommen, weil wir von so gutem Herkommen sind wie der beste Edelmann im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und unser Stammvater, wie schon in vielen Büchern klar erwiesen, wurde schon von Kaiser Heinrich dem Finkler eingesetzt, seit welcher Zeit wir Haus, Hof, Güter und Gefälle mit allen Freiheiten und Vorrechten unmittelbar vom Reich selbst erblich zu Lehen tragen und meinen Herrn vom Rate nur insofern untertan sind, , als wir ihnen mit Schwert, Beil, Diele, Rad, Strang und Winde, mit Leitern, Schrauben, Zangen, Pech und Schwefel, mit Ruthen und Staubbesen hold und gewärtig sein müssen – teils in eigener Person, teils durch unsere Helfer und Helfershelfer –, wie es in unseren offenen Vorrechtsbriefen ausführlich besagt ist. Auch haben wir Brief und Siegel, dass wir, obschon von Zünften und Innungen ausgeschlossen, nicht ehrlos sind wie unsere Knechte, die gefallenes Vieh abdecken und sonst verächtliche Arbeit verrichten. Wir stehen mit Leben, Leib und Gut im Frieden des Reiches. Wer uns böswillig mit Schmähungen angreift, wird gemäß des kaiserlichen Rechts bestraft, als hätte er einen Ratsherrn persönlich geschmäht. Dabei bleibt es uns unbenommen, uns wieder in die bürgerliche Welt zu integrieren und ein ehrliches Leben zu führen, sobald wir über fünfhundert arme Sünder eigenhändig vom Leben zum Tode gebracht haben.

Heute nun mahnt mich der stille, helle Sonntagsmorgen dringend an die versäumte Pflicht, und es will mich schier bedünken, dass die Ergebung in mein herbes Geschick und in des Himmels Fügung erst ganz vollständig geworden ist, seit ich mich entschlossen habe, die getreue Erzählung von Lust und Leid meines Lebens an die Berichte meiner Vorfahren hier anzureihen. Somit schließe ich dieses Buch, denn ich bin meines Stammes Letzter und mein breites kurzes Schwert mit dem zweihändigen Griff wird mir in die Gruft folgen. Es hat sich über Jahrhunderte hinweg von Vater auf Sohn vererbt und manchem ungeratenen Kind das Haupt vor die Füße gelegt.

Wie man in den Aufzeichnungen meines Vaters nachlesen kann, legte die Hebamme mich in seine Arme, als er vom Marktplatz zurückkehrte, wo er die alte Anne-Liefe, seine übel berüchtigte Hexe, auf dem Scheiterhaufen verbrannt hatte. Ferner könnt ihr lesen, wie ich am selben Tag, an dem die schwarze Hanne, die Kindsmörderin, ertränkt werden sollte, in der heiligen Taufe den Namen Berthold empfing. Sie wurde aber auf vieles Fürbitten von meinem Herrn vom Rat aus besonderer Milde zum Schwert begnadigt. Ihr Liebster, der lange Heinz, der ihr geraten und geholfen hatte, musste zusehen und wurde anschließend aus der Stadt und dem Weichbild gestrichen, weil mein Vater den zum Strang verdammten fahrenden Schüler erbeten hatte – laut unseren verbrieften Vorrechten. Wenn ihm statt des Buben eine Tochter geboren worden wäre, hätte er die arme Hanne befreien können, was er sehr gern getan hätte, wenn es nur möglich gewesen wäre. Sie war von jeher ein frommes Mädchen gewesen, das von Alt und Jung geliebt wurde. Heinz aber war ein wüster Gesell, der die arglose Magd mit einem Liebestrank betört und zu Unehren gebracht hat. Dem hätte der Freymann sicherlich nicht geholfen, wenn er nicht gefürchtet hätte, den Brief für sich und seine Nachkommen zu verwirken. Meine Herren nämlich sind sehr eifersüchtig auf unsere Rechte und Freiheiten und nutzen jede Gelegenheit, um sie für verjährt oder verfallen zu erklären oder sie auf sonstige Weise zu schmälern und zu beschneiden.

An meine Mutter, Gott tröste sie, erinnere ich mich noch ganz genau. Selbst wenn ich noch hundert und aber hundert Jahre leben sollte, werde ich sie immer vor mir sehen: mit ihren freundlichen blauen Augen und ihren Ringellocken, die die Farbe des Flachses hatten. Diese zog sie mit ihren feinen weißen Fingern vom Rocken und drehte sie wirbelnd auf die Spindel. In ihren Armen und auf ihrem Schoß erwachte ich zum Bewusstsein des Lebens. Ich lernte die ersten Laute menschlicher Sprache lallen und süße Liebesworte stammeln. Dabei ging jedes Mal ein Himmel der Freude in ihren Augen auf, und ich wiederholte das oft und gern. Wir waren stets allein. Der Vater ging seinen Geschäften nach und vom Hausgesinde kam niemand in unsere Stube oder in den kleinen Küchengarten, der durch Zaun und Hecke vom übrigen Gehöft abgesondert war, außer die dicke Grete. Sie war eine stämmige, breitfüßige Schwäbin und Geschwisterkind der Mutter. Sie war von ihr aufgenommen worden. Der Vater der Grete, meiner Mutter Oheim, war Freiherr zu Bobsingen gewesen. Er war eines jähen, unseligen Todes verfahren, bevor er allen Wein hatte austrinken und sein einziges Kind mit einem von ihm erwählten Nachfolger hatte verheiraten können. Nun hatte ein edler Rat einen fremden Gesellen das Amt gegeben und ihn auf die erledigte Waffenmeisterei gesetzt. Der neue Lehensträger hatte die schutzlose Waise Knall und Fall vom Hof gejagt.

Wie groß und gewaltig kamen mir damals alle Umgebungen vor! Unser von hohen Umfassungsmauern umschlossenes Haus schien mir eine Burg, und die gewölbte Wohnstube mit ihren drei Fenstern erschien mir stattlicher als der Rittersaal des Schlosses, das trübe jenseits des Stroms auf dem Felsenvorsprung thront und von dessen Zinnen der Zehtgraf die Stadt und den ganzen Gau überblickt. heute noch wie damals, mit lüsternem Blick überschaut, sinnend und trachtend, wie er sich die üppigen Saatfelder und die reichen Rebgelände zinsbar macht, gleich seinem großen Tal, in dem ein leibeigenes Volk von Köhlern und Pechkratzern mit rauer Arbeit kaum das nackte Leben fristet, wo die Axt ertönt und das Hammerwerk pocht. neben den Weilern die Hochöfen glühen und rauchen und im Schatten der Buchen und Weißtannen die ungeschlachten, langgestreckten und bärenstarken Strolche aufwachsen, von denen manch einer schon die Feldglocke als Schwengel zierte, weil er auf eigene Faust betrieb, was er durch Krieg und Jagd im Dienste des Gebieters erlernte. Meine Herren vom Rat oder der Graf selbst haben ihm den Hals abgesprochen, denn für das Nutz- und Brennholz, das die Stadt aus seinem Wald holt, muss sie die Urteile seines Blutbannes vollstrecken. Für den eigenen besonderen Bedarf muss der Freiherr noch zwölf schwere Rüden auf dem Wasen halten und Atzstätten und Wolfsgruben mit Köder versorgen.

Wie die niedere Stube eine geräumige Halle war, so war mir der kleine Salon eine weite Welt, über deren Umkreis hinaus ich mich nicht sehnte, wahrscheinlich, weil ich wähnen mochte, dass alle Menschen draußen den rauen, bärtigen Männern glichen, die ich bei uns ab und zu gehen sah und deren unliebsame Stimmung ich öfter vernahm, als ich sie selbst zu Gesicht bekam.

Wie gerne weilt meine Erinnerung bei diesem kurzen Traum der Kindheit, der so schnell verflog und dessen Glück sich für mich wiederholte, wie für jene, die als Männer ihre Kinder auf dem Schoß schaukeln und deren weißen Bart mutwillige Enkel zausen. Auch war mir die Freude der Kinderzeit karger zugemessen als anderen und die bitteren Schmerzen brachen frühzeitig über meine junge Seele herein. Meine liebe Mutter weinte plötzlich mehr, als sie lächelte. Sie wurde blass und immer blasser, schwach und immer schwächer. Schließlich vermochte sie nicht einmal mehr, mich in den Garten hinauszuführen. Auch meinen Vater sah ich nicht mehr, weder bei den Mahlzeiten noch, wie ehedem, morgens in der Kammer. Ich mochte auch noch so früh erwachen, auf meine Frage hieß es stets, er sei schon von dannen gegangen. Und eines Tages – der Himmel mag wissen, wie es geschah; ich aber kann mich des Vorgangs nicht mehr entsinnen – war lieb Mütterlein fort. Als ich nach ihr schrie, schlug mich die Schwabengretl und sagte, sie sei jetzt meine Mutter.

Nun wurde im Haus alles anders als früher. Mittags und abends saßen Knechte und Mägde an dem langen Tisch in der Stube, wo sie auch tagsüber ein und aus gingen und mit der Grete verkehrten. Sie lachte und scherzte mit ihnen, schalt und tobte, wobei sie böse Reden und Flüche hören ließ, wie ich sie nie zuvor vernommen hatte. Davor fuhr ich jedes Mal zusammen und erbebte. Je mehr ich mich auf diese Weise von der Stiefmutter abwandte, desto weniger wurde meine Furcht und der alte Abscheu vor den wild aussehenden Knechten meines Vaters. Ihre hellen Augen blickten mich freundlich an und ihr trotziger Mund lächelte mir liebreich zu. So lernte ich schon in zarten Jahren an ihnen und des Grafen zottigen Rüden, dass eine raue Hülle oft eine freundliche Sinnesart birgt. Das konnte ich nicht begreifen, da mich mein liebes Mütterlein, die Schöne und Gute, noch hegte und pflegte. Grete dagegen kümmerte sich von Anfang an nicht sonderlich um mein Tun und Treiben. Hätte die fromme Kuhmagd mich nicht um Gottes willen gewaschen und gestrählt, ich hätte verkümmern und verkommen können. Als eines Morgens in der Wiege ein Knäblein lag, wollte sie vollends nichts mehr von mir wissen. Ich durfte mich nur noch heimlich zur Kammer wagen, um den Kleinen kurz zu betrachten, zu streicheln und zu büßen. Dabei lächelte mich das Brüderlein stets an, sodass niemand hätte ahnen können, welchen Hass er künftig gegen mich empfinden und dass er dereinst durch meine Hand das Strafgericht des Himmels erfahren würde.

Von jener Zeit an schlief ich auch nicht mehr in der Kammer, sondern lag nachts im Stall, im Zwinger auf der Streu oder auf dem Speicher im Heu. Tagsüber lief ich mit den Knechten, sofern der Vater mich nicht mitnehmen wollte. Er begann eben damals, mich allmählich in der Kunst des Lesens zu unterweisen, wenn sonntags nach dem Vesperessen Grete mit dem Gesinde kegelte oder den Mohrenkopf bengelte. In beiden Spielen sowie im Eisstockwerfen war sie eine Meisterin.

Aber mein Vater war weder ein gesprächiger Begleiter noch ein sanftmütiger Lehrer. Lieber ging ich mit Arnulf, dem Großknecht. Er lehrte mich, Krautköpfe abzuschlagen, und führte mich in die Stadt und in den Wald. Über alle Gegenstände, die meine kindische Neugier reizten, gab er mir geduldig und treulich Auskunft. So pflanzte er den Keim des trotzigen Stolzes in mein Gemüt. Dieser Stolz war dem liebesbedürftigen Herzen des Knaben so fremd, denn mir rannen die Tränen über die Wangen, wenn in den belebten Gassen der Stadt die Bürger uns scheu auswichen, Schüler und Buben uns verspotteten und ich selbst den Kindern keinen flüchtigen Blick des Wohlwollens abzugewinnen vermochte. Arnulf hieß mich meiden, die mich mieden, und zu dräuen, die mich schmähten, sowie zu verachten, die mich fürchteten. Ich bemühte mich, seine Lehren zu befolgen, dennoch begleitete ich ihn und den Vater lieber in Wald und Feld als unter die Menschen. Inmitten dieser Menschen übermannte mich stets das Gefühl des Verlassenseins mit unheimlichem Grauen, eine Empfindung, die die vielen Jahre meines mühevollen Lebens bis zum heutigen Tag nicht gänzlich getilgt haben.

Vor allen einsamen Orten lernte ich jedoch eine Stelle lieben, in deren Nähe mich anfangs kalte Schauer überliefen, bevor ich ihren inneren Vorzug so recht erkannte, dass kein Unberufener ihr zu nahe wagt. Mit Zittern und Zagen erblickte ich zum ersten Mal den Rabenstein. Hätte Arnulf mich nicht mit eiserner Faust festgehalten, wäre ich vor diesem Bollwerk aus verwitternden Sandsteinquadern, überragt von dem aus Eichenholz gezimmerten, unheimlichen Gerüst, davongelaufen. An dessen Querbalken schwankten und klapperten die in Ketten und Eisen niederhängenden Gerippe, vom Wind bewegt. Doch wie die Kinder des Schmieds die Funken nicht scheuen, so lernte auch der Knabe des Angstmanns das Grauen vor der Werkstätte seines Vaters alsobald überwinden. Nach und nach gefiel es mir, wenn Arnulf das eiserne Türlein erschloss und mit mir die steinerne Treppe zur Zinne oder gar die Leiter zur Höhe des Gebälks emporstieg. Von dem luftigen Sitz, den krächzende Sperber und Raben umflatterten, überschauten wir die Gegend. Da dünkte ich mich mächtiger als der Graf selbst auf seinem festen Schloss und sah mit stolzem Vergnügen von meinem luftigen Sitz aus, den Krähen und Raben umflatterten, auf den Heerweg des Kaisers hinab. Ich sah die Wanderer, die den Blick abgewendet hatten, furchtsam vorüber eilen. Ich sah die Reiter, die ihre scheuen und schnaubenden Pferde mit straffem Zügel der anderen Seite zukehrten und auf den von den Geistern der Gerichteten schwer geängstigten Tieren in schrägem Galopp vorbeisprengten. Mit der freien Hand bekreuzigten und segneten sie sich. Wenn sich aber ein kecker Gesell erkühnte, zu verweilen und emporzuspähen, rief ihm Arnulfs raue Stimme einen Gruß und einen Wunsch zu, auf welche beide er gewöhnlich die Antwort schuldig blieb. Und hier, wo wir die Herren und Meister waren, zeigte sich mein Gefährte am gesprächigsten. Er erklärte mir die Bräuche und Eigenheiten unseres Handwerks und erzählte wunderbare Märlein, an die ich mich kaum wie an verworrene Träume entsinnen kann. Nur eines ist mir im Gedächtnis geblieben und das will ich euch wiedererzählen.

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