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Jim Buffalo – 24. Abenteuer – Kapitel 2

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922
Das 24. Abenteuer Jim Buffalos
Die Banditen der Sierra-Callo
2. Kapitel

Im Lager der Irokesen

Das Teufelsauto hatte inzwischen die Sierra-Callo fast durchquert und fuhr zwischen sanft aufsteigenden, dicht bewaldeten Hügeln dahin, bis es in ein weites, tiefes Tal einbog, in welchem die Irokesen ihre Lagerplätze aufgeschlagen hatten. Hunderte von Lagerfeuern erhellten das nächtliche Dunkel und boten mit den lagernden Indianergruppen davor ein anziehendes, interessantes Bild.

Lange konnte Jim Buffalo den Anblick aber nicht genießen, denn schon war das Auto von den ausgestellten Spähern der Irokesen umringt, und wenige Minuten später hielt es vor dem großen Zelt des Häuptlings.

Der Regierungsbeamte, der schon mehrmals dienstlich im Lager der Irokesen gewesen war, wurde sofort von dem Häuptling in ein Gespräch verwickelt. Die Erzählung von dem Überfall und dem Raube des Kästchens erregte natürlich großes Aufsehen und allgemeine Entrüstung.

Mit umso größerer Bewunderung wurde daher auch das Teufelsauto und sein Herr angestaunt. Man sah dem wechselnden Mienenspiel der roten Männer nur allzu deutlich an, wie gern sie gefragt hätten, wenn ihre angeborene Zurückhaltung sie nicht davor zurückgehalten hätte.

Endlich, nachdem der Beamte seinen kurzen Bericht beendet hatte, trat der Häuptling auch auf Jim Buffalo zu und hieß ihn im Namen seines Stammes herzlich willkommen, ihm zugleich seinen Dank aussprechend für die Hilfe, die er dem Regierungsbeamten hatte zuteilwerden lassen.

Nach einem kurzen Imbiss wurden die Ältesten des Stammes zu einer Beratung zusammengerufen.

Der Häuptling machte diese mit den Vorkommnissen bekannt und allgemein war man der Ansicht, dass ein Abbrechen des Lagers nun nicht mehr nötig sei, zumal der Regierungsbeamte versicherte, dass die verlorenen gegangenen Verträge in kürzester Zeit wieder zur Stelle geschafft werden würden.

Jim Buffalo machte als stiller Beobachter die Bemerkung, dass überhaupt keine sonderliche Meinung für das Verlassen der gegenwärtigen Jagdgründe vorherrschte.

Umso mehr setzte ihn der Widerstand des Medizinmannes in Erstaunen, der von einem Aufschub nichts wissen wollte und mit geradezu beredten Worten für das sofortige Verlassen des Lagers stimmte.

»Wir glauben nicht an den guten Willen des großen Vaters in Washington!«, sagte er in einer längeren Rede, die von wilder Leidenschaft durchglüht war und sich besonders an den verletzten Stolz der Indianer richtete.

»Vier Monde sind vergangen, als Adlerfeder, unser Häuptling, in Washington war, und wenn die Regierung nur den ernsten Willen gehabt hätte, die Verträge zu erfüllen, so hätte sie uns dieselben längst übersenden können. Wer will uns beweisen, dass das Kästchen wirklich geraubt wurde? Wo sind die Täter und welches Interesse hatten sie daran, die Verträge in ihre Hände zu bekommen? Wer gab dem weißen Vater in Washington das Recht, zu bestimmen, wo die freien Krieger der Irokesen jagen sollen? Sieh in unsere Hütten hinein, sie sind leer und die Kinder der Irokesen hungern und darben. Manitu hat das Land für die roten Männer geschaffen, nicht für die weißen Eindringlinge! Was suchen die Krieger der Irokesen in einem Land, das nur Steine statt Brot bietet? Warum sollen die Krieger der Irokesen hier Wache halten und sich mit ihren roten Brüdern herumschlagen, während die Soldaten der Union sich hinter ihren festen Forts verbergen? Der rote Mann muss wieder frei werden, er darf nicht länger den Handlanger des weißen Mannes spielen und sich von ihm betrügen lassen.«

Diese Rede machte einen tiefen Eindruck und wenn der Einfluss Adlerfeders nicht so groß gewesen wäre, wer weiß, ob man sich nicht doch für einen Abbruch des Lagers entschieden hätte.

Heiße Reden flogen herüber und hinüber, wild flammten die Augen auf und manche Hand griff verstohlen nach dem an der Seite im Gürtel steckenden Tomahawk, aber schließlich wurde die Partei des Medizinmannes doch überstimmt und der Beschluss gefasst, bis zum Eintreffen der neuen Verträge zu warten. Waren die Einwände des Medizinmannes nur uneigennützigen Motiven entsprossen oder verfolgte er andere Absichten?

Oder war es hier nicht ein Kampf um die Oberhoheit, der ausgefochten wurde?

Jim Buffalo hatte den heißblütigen Wilden scharf beobachtet und vielleicht allein den hasserfüllten Blick verstanden, der oft zu dem Häuptling hinüberschoss, wenn dieser mit seiner ruhigen, festen Stimme die Einwendungen seines geheimen Gegners zu entkräften suchte.

Seit zwanzig Jahren hatte der Stamm hier gehaust, und nun sollte das Land auf einmal nicht mehr gut genug sein?

Wohin sollten sie sich wenden, da sie doch genau wussten, dass ihnen ein freies, ungebundenes Leben gar nicht mehr möglich war?

Von all diesen Einwänden war keine Rede gewesen, der Medizinmann hatte diese Klippen, an denen seine Überredungskünste unbedingt scheitern mussten, geschickt zu umgehen verstanden.

Und in dem wilden, hasserfüllten Blick, den der Medizinmann dem Regierungsbeamten zusandte, lag eine Kampfansage auf Leben und Tod.

Jim Buffalo fühlte instinktiv, dass der Wilde diesen Mann hasste, dass dieser zur unrechten Zeit wieder aufgetaucht war und dass er seine gegebene Zusage nicht würde halten können, wenn er nicht über ihn wachte.

Die Beratung ließ eine deutlich erkennbare gedrückte Stimmung zurück.

Der Häuptling blieb noch eine Weile mit seinen Gästen zusammen, aber es war wohl mehr eine Form der Höflichkeit dem Regierungsvertreter gegenüber, die dieser selbst herausfühlen musste, denn nach einer längeren, drückenden Pause bat er den Häuptling selbst darum, sein Lager aufsuchen zu dürfen, da er am anderen Morgen beizeiten wieder aufbrechen wolle.

Auch Jim Buffalo hatte ein Zelt neben dem des Regierungsbeamten angewiesen bekommen.

Nun saß er auf einem Bündel weicher Felle, den Kopf in die Hand gestützt, eine Pfeife rauchend und über das Erlebte nachdenkend.

Nein, ein triftiger Grund, das Lager zu verlassen, lag nicht vor, und wenn der Medizinmann den Häuptling bekämpfte, so verband er damit andere Absichten und Pläne.

Jedenfalls musste er den Regierungsbeamten vor diesem Feind warnen. Er beschloss sogar, ihm sein Auto anzubieten, bis er aus der gefährlichen Nähe heraus war.

Jim Buffalo ließ dem Gedanken sofort die Tat folgen.

Er öffnete das als Tür dienende Fell ein wenig und spähte hinaus.

Die Indianer waren zur Ruhe gegangen, die Lagerfeuer zum großen Teil niedergebrannt. Nur einige Wachtfeuer erhellten noch den großen Platz, ein unsicheres, rötliches Licht ausstrahlend.

Wie Marmorstatuetten hockten die Gestalten der Wächter um die Feuer, den Blick sehnend, träumerisch ins Weite gerichtet oder in die rote Glut starrend.

Um von den Wachen nicht bemerkt zu werden, ließ er sich auf den Boden niedergleiten und kroch leise und unhörbar zum Zelt hinüber, worin der Regierungsbeamte untergebracht worden war.

Auch in dessen Nähe brannte ein Wachtfeuer.

Der Häuptling mochte wohl ahnen, dass dem Mann vonseiten seines Widersachers Gefahr drohe.

Sich immer im Schatten haltend, kroch Jim Buffalo zu der Rückseite des Zeltes hinüber, bis er dasselbe erreicht hatte.