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Vergessene Helden 7

Puppen in geheimer Mission

Man schrieb das Jahr 1964, als Lee Grade, der Chef des Senders ITC Entertainment, Gerry und Sylvia Andersons Animationsfirma AP-Films damit beauftragte, eine neue Serie zu konzipieren. Action sollte dabei sein, Science-Fiction und sympathische Helden, mit denen sich das Publikum identifizieren konnte.

Die Andersons zogen sich in ihr Feriendomizil nach Portugal zurück und erschufen eine Marionetten-Science-Fiction-Abenteuerserie, die wie eine Bombe einschlug.

Thunderbirds war geboren.

Als Grade die 25-minütige Pilotfolge Trapped in the Sky angesehen hatte, war er mehr als nur begeistert. Er erkannte sofort das Potenzial dieser Serie und wünschte, dass jede Folge zu einem 60 Minuten langen Film umgearbeitet werden sollte. Diese mehr als doppelte Lauflänge der einzelnen Episoden schockte die Andersons natürlich, aber dann zeigte sich, dass die Scripts so ausgefeilt waren, das Gerry und Sylvia gar keine Probleme damit hatten, die Lauflänge der Folgen auszuweiten, ohne dass sie künstlich in die Länge gezogen erschienen.

Das Grundgerüst von Thunderbird bestand zum einen aus Gerrys Exposé, in das er seine Gedankengänge einfließen ließ, nachdem er die Berichte über das deutsche Minenunglück von Lengede gelesen hatte, bei dem schwere Ausrüstung herantransportiert werden musste, um die verunglückten Bergleute zu retten. Er übernahm das Hauptproblem der Rettungsunternehmen von damals, das Rennen gegen die Zeit, und verarbeitete es zu einem Schwerpunktthema, das die einzelnen Folgen wie ein roter Faden durchzog. Dazu kamen noch Sylvias Ausarbeitung der Charaktere der einzelnen Protagonisten, die so ausführlich und detailverliebt war, dass man daraus noch weitere Produktionen ableiten konnte, was ja auch später mit der Serie Captain Scarlet geschah. Sylvia hatte sich nämlich von amerikanischen und britischen Filmen und Serien inspirieren lassen, insbesondere von Bonanza und James Bond.

Das klingt für eine Serie, in der Marionetten die Hauptrolle spielen, zunächst etwas seltsam. Puppen und Action geht doch nicht.

Falsch, es ging sehr wohl, und zwar so gut, dass die halbe Welt von 1964 bis 1966 von einem regelrechten Thunderbird-Fieber erfasst wurde und die Serie auch heute noch, und das nicht nur in Großbritannien, ihrem Entstehungsland, Kult ist.

 

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Die Serie, von der man zwei Staffeln mit insgesamt 32 Folgen produzierte, wurde ein riesiger Erfolg und in fast einhundert Länder verkauft, obwohl sie vor lauter Klischees geradezu strotzte. Aber vielleicht war es gerade das, was ihren Erfolg ausmachte. Marionetten, die menschlicher agierten als die meisten richtigen Menschen.

Die Serie spielte im Jahr 2026, wobei es verschiedene Anhaltspunkte gibt, dass es eher das Jahr 2063 war, Die Organisation, die hier die unterschiedlichsten Abenteuer bestehen muss, heißt International Rescue und wird von Jeff Tracy und seinen fünf Söhnen Scott, Virgil, Alan, Gordon und John geführt. (Man beachte, Vater mit mehreren Söhnen – Bonanza lässt grüßen).

Unterstützt werden sie dabei von einem Professoren- und Erfindergenie namens Brains. Zusätzlich steht ihnen des Öfteren Lady Penelope Creighton-Ward, eine wunderschöne Lady und Geheimagentin aus England, mit ihrem grandiosen Chauffeur Aloysius »Nosey« Parker zur Seite. Die Lady benutzt bei ihren Einsätzen einen mit unzähligen technischen Spielereien ausgestatteten Rolls-Royce mit der Bezeichnung FAB 1 (und diesmal lassen James Bond und Q grüßen).

Auf der geheimen Basis der International Rescue, einer noch geheimeren Insel mitten im Atlantik, leben außer Jeff Tracy und seinen fünf Söhnen Kyrano, Jeffs treuer Diener und Vater von Tin-Tin, eine Elektronikexpertin und Mitarbeiterin von Brains und zu guter Letzt Grandma, Jeffs Mutter, die stets für das leibliche Wohl der gesamten Mannschaft sorgt.

Neben den vielen dramatischen Unglücken, die sich immer ereignen, gibt es da noch einen Bösewicht, der immer wieder versucht, an die geheimen Konstruktionspläne der Thunderbirds, der raumschiffartigen Einsatzflugzeuge der International Rescue, heranzukommen. Sein Name ist Hood und er ist ein Halbbruder von Kyrano.

Der Serienstart erfolgte in England am 30. September 1965, in Deutschland jedoch erst am 23. September 1968. Allerdings zeigte die ARD unter dem Titel Dornenvögel lediglich die Pilotfolge mit dem eingedeutschten Titel Gefährliche Landung.

Der eigentliche Serienstart erfolgte am 11. April 1971 auf NDR3. Aber auch da gab es nur 6 Episoden zu sehen. Erst 1989 wurden alle Folgen synchronisiert und teilweise vom WDR ausgestrahlt. In den Genuss sämtlicher Folgen kam der Thunderbird-Fan aber erst ab 1995, als der Sender Kabel 1 alle Folgen zeigte.

Trotzdem ist die Faszination von Thunderbird bis heute ungebrochen. Allerdings hauptsächlich in englischsprachigen Ländern, in Deutschland eher nicht. Hier wurden nur 3 der insgesamt 6 Kinofilme gezeigt und auch die britisch-neuseeländische Produktion Thunderbirds Are Go von April 2015 fand nicht den Weg zu uns. Hierzulande sind die Thunderbirds außer bei den Hardcore-Fans wieder vergessen, während in England von 2015 bis 2020 bereits 78 Episoden von Thunderbirds Are Go produziert wurden und auch in den USA eine computeranimierte Version sehr erfolgreich im Fernsehen läuft.

In Deutschland kommt man leider nur noch in den Genuss der Serie, wenn man das Internet abklappert und bereit ist, für die gesamte Serie so eben mal 250 Euro zu berappen.

 

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Zum Abschluss noch ein paar interessante Hintergrundinformationen über die legendäre Serie.

Die Idee zur Tracy Familie entstand durch die Serie Bonanza und die Stimme für Jeff Tracy war die von Friedrich Schütter, der tatsächlich auch Lorne Greene, also Ben Cartwright in Bonanza synchronisierte.

Die Marionette, die Jeff Tracy darstellte, wurde auch nach Ben Cartwright modelliert. Jede Marionette in der Serie wog übrigens 4,6 Kilo und war 56 Zentimeter hoch.

1964 betrugen die Produktionskosten einer Thunderbird-Folge 22.000 englische Pfund, was heute umgerechnet 750.000 Euro bei gleicher Produktionsweise entspricht.

Für Szenen, in denen im Hintergrund Fahrzeuge oder Lkw zu sehen waren, wurden Matchbox-Modelle benutzt und für die Hauptcharaktere der Serie standen vier verschiedene Köpfe mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken zur Verfügung, die in den Nahaufnahmen zum Einsatz kamen. Es gab den Normalen, den Lächler, den Besorgten und den Blinkerkopf, der die Augenlider öffnen und schließen konnte.

Quellenhinweis:

Es gibt zwar mehrere Informationsquellen wie wikipedia oder die Seite www.fernsehserien.de oder www.moviepilot.de, aber ohne www.gerry-anderson-serien.de wäre dieser Artikel niemals entstanden. Deshalb an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank an die Seite von Thunderbirds and Friends.

(gsch)