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Jim Buffalo – 12. Abenteuer – Kapitel 3

Jim Buffalo,
der Mann mit der Teufelsmaschine
Veröffentlichungen aus den Geheimakten des größten Abenteurers aller Zeiten
Moderner Volksbücher-Verlag, Leipzig, 1922

Das Gefängnis im Wasserturm
Das 12. Abenteuer Jim Buffalos

3. Kapitel

Eine schurkische Tat

An diesem Morgen kehrte Tom Hamilton gegen sieben Uhr ins Schloss zurück, kleidete sich sogleich um und trat seinen Dienst wieder an. Kurz nach sieben wurde er zu Mr. John Keandy gerufen.

Das Herz des ergrauten Hausmeisters schlug laut, als er das Gemach desjenigen betrat, den er für den Mörder des verschwundenen Erben hielt.

John Keandy saß in einem eleganten Anzug am Schreibtisch.

Sein Antlitz war von einer Fahlheit, die direkt erschreckend wirkte.

Als Hamilton nun hereintrat, zuckte der Mann am Schreibtisch zusammen.

Lauernd maß er die Gestalt des Dieners, der seit 23 Jahren auf dem Schloss Dienst tat.

»Nun?«, fragte er. »Zurück aus New York?«

Seine Stimme klang zitternd und wie in verhaltener Erregung.

Tom Hamilton nickte gefasst und verbeugte sich leicht.

»Ja, gnädiger Herr.«

»Haben Sei Ihre Verwandten besucht? Das war doch wohl der Zweck Ihrer Reise nach dort? Wenigstens baten Sie mich aus diesem Grund um zwei Tage Urlaub?«

Tom Hamilton konnte sich eines unbehaglichen Gefühls nicht erwehren.

Die Worte des augenblicklichen Schlossherrn klangen so eigenartig – so forschend.

»Gewiss …«, erwiderte er.

»Haben Sie Ihre Verwandten angetroffen?«

»Ja, gewiss, gnädiger Herr!«

In John Keandys Augen loderte es tückisch auf.

»Wo waren Sie sonst noch?«, fragte er lauernd.

»Sonst … noch …?«, hauchte Hamilton, und es war ihm plötzlich, als umschnüre eine eisige, krallige Hand seine Kehle. »Wo … wo … soll … ich sonst noch in New York gewesen sein?«

John Keandy stand langsam auf.

Mit ironischem Lächeln verschränkte er die Arme.

»Wo Sie sonst noch gewesen sein können? Hm … sagen wir einmal: in der Detektiv-Zentrale!«

Hamilton glaubte, von einem Eimer kalten Wassers übergossen zu werden.

Sollte John Keandy schon wissen, dass …

Aber nein …

Das war ja nicht möglich!

So machte er, so gut, wie es ging, ein erstauntes Gesicht und schüttelte nur den Kopf.

»In der Detektiv-Zentrale, Herr? Was sollte ich dort wohl zu suchen haben?«

»Sie waren also nicht dort?«

»Nein, Herr!«

John Keandy richtete sich hoch auf.

Sein Antlitz zuckte und seine Augen bohrten sich in die des Hausmeisters.

»Sie lügen!«, zischte er.

»Herr … ich … ich …«

Keandy schnitt ihm mit einer raschen Handbewegung das Wort vom Munde ab.

Blitzschnell griff er in eines der Schreibtischfächer.

Im Nu hob er die Waffe.

Sekunden später stierte Tom Hamilton in die kalte, drohende Revolvermündung.

»Hände hoch, du Verräter!« zischte es von John Keandys bleichen Lippen.

Entsetzt warf Hamilton die Arme hoch.

Das Grauen packte ihn.

Das eine wurde ihm in diesem Augenblick zu furchtbarer Gewissheit:

Er war von Keandy oder einem seiner Anhänger in New York auf Schritt und Tritt beobachtet worden!

Ehe er sich jedoch bewusst wurde, was nun geschehen und dass er verloren war, wenn niemand schützend für ihn eintritt, fühlte er sich von hinten gepackt.

Starke Fäuste ergriffen ihn bei den Schultern — ein Ruck — und schon wurde er zu Boden gerissen.

»Hilfe …«, schrie er auf.

Für Sekunden gewahrte er noch das fanatische verzerrte Gesicht Leeds, des Parkwächters.

Dann sah er eine Faust, die ihm im gleichen Augenblick mit furchtbarer Härte an die Schläfenwand fuhr.

Einmal … zweimal …

Dann sank er besinnungslos zurück.