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Sagen der mittleren Werra 38

Sagen-der-mittleren-Werra

Vom Hexenbiss bei Herrenbreitungen

In Herrenbreitungen auf dem Gottesacker steht noch ein altes, eisernes Kachelkreuz, d. h. ein Kreuz, dessen Inschrift mit einem Lid zugeklappt werden kann. Die Zeit hat hier zwar die Schrift verwischt, doch in der Erinnerung des Volkes ist sie noch stehen geblieben.

Dieses erzählt: Hier ruht ein ehemaliger Besitzer des hiesigen Klostergutes, dem eines Sommers auf seinen Feldern arg und so gestohlen wurde, dass er trotz aufgestellter Wachen des Diebes nicht habhaft werden konnte. Endlich erblickte er ihn auf einem seiner besten Kleeäcker, als er zufällig dort vorüber auf die Jagd ging. Doch auch der Dieb, ein als Hexe im Dorf berüchtigtes Weibsbild, hatte ihn erkannt und verschwand vor seinen Augen. Ärgerlich darüber stieß der Gutsherr die zurückgelassene Kötze um, aus der nun die Hexe in der Gestalt eines kleinen gescheckten Hundes so bissig auf ihn eindrang, dass er im Zorn das Gewehr von der Schulter riss und es auf sie losbrannte. Der Schuss fehlte, die Hexe aber fuhr zu und biss den Gutsherrn so giftig in die Beine, dass er Mühe hatte, nach Hause zu kommen und am dritten Tag bereits seine Seele aushauchte.