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Marshal Crown – Band 52

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Sagen und alte Geschichten der Mark Brandenburg 7

Selbergedan und der Wassernix

Eine Sorge ist es oft auf dem Land, zu verhüten, dass kleine Kinder nicht ins Kornfeld gehen oder dem Wasser zu nahe kommen. So schreckt man sie denn nach alter Weise damit, dass man sagt, im Kornfeld säße eine böse Hexe, die Roggenmuhme, und im Wasser der Wassermann, der die Kinder, welche in seinen Bereich kämen, mit einem Haken hinabzöge. Überhaupt lässt man im Wasser, wo es tief ist, namentlich in Seen, von denen man sagt, sie seien unergründbar, Nixen wohnen. Wenn der Nix, welchen man sich als ein kleines graues Männchen denkt, sich sehen lässt, ist ein alter Aberglaube, muss bald ein Mensch ertrinken. Ja, von vielen Seen, zum Beispiel vom Rummelsburger See bei Berlin, geht die Sage, er fordere alljährlich sein Opfer.

Namentlich fürchtet man den Johannistag, aber auch sonst verkehren die Nixen in den Sagen mit den Menschenkindern, haben aber meist immer etwas Tückisches an sich. In dieser Hinsicht soll aber einmal ein Nix an einem Schiffer, wie man an der Havel erzählt, seinen Meister gefunden haben.

War nämlich mal ein Schiffer, der hatte sich vor den Wind gelegt und wollte sich ein Gericht Fische fangen. Als er nun genug geangelt hatte, machte er sich ein Feuer an, um sie zu braten.

Wie er nun die Fische in der Pfanne über dem Feuer hatte, – es war so um die Schummerzeit, – kam ein Wassernix aus der Havel zu ihm, das war ein ganz kleines Kerlchen, so groß wie ein Hahn, der hatte eine rote Kappe auf und stellte sich so neben ihn hin und fragte ihn, wie er heiße.

»Wie ich heiße«, entgegnete der Fischer, »ich heiße Selbergedan.«

»Na«, sagte der Wassernix und konnte kaum reden, weil er den ganzen Mund voll Padden (Frösche) hatte, »Selberjedan ik bedrippe di (ich bespeie dich).«

»Ja«, konterte der Schiffer, »das sollst du einmal tun, dann nehm ich einen Stock und schlag dich krumm und lahm«.

Aber der Wassernix kehrte sich nicht daran und sagte noch einmal: »Ik bedrippe di.« Und ehe sich mein Schiffer es versah, spie er ihm alle Padden in die Pfanne.

Da nahm der Schiffer seinen Stock und schlug gewaltig auf den Wassernix los, dass dieser ganz jämmerlich anfing zu schreien und alle Wassernixen ihre Köpfe aus dem Wasser steckten und ihn fragten, wer ihm denn etwas getan habe, dass er so schreie.

Wie nun aber der Wassernix antwortete Selbergedan und sie das hörten, da sagten sie: »Hast du dir selber etwas getan, dann ist dir nicht zu helfen.«

Damit tauchten sie wieder unter.

Da sprang auch der geschlagene Wassernix wieder in die Havel; er hatte aber nie mehr einen Schiffer bedrippt.

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