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Jim Buffalo – Band 6

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Das Buch vom Rübezahl – Teil 9

Das Buch vom Rübezahl
Neu erzählt von H. Kletke
Breslau, 1852

10. Rübezahls Pferd

Fast auf gleiche Art erging es einem alten Mann  der mit geschliffenen und geschnitzten Gläsern handelte. Er ging mit einer ganzen Trage voll über das Gebirge. Bei der großen Hitze kam ihm das Bergsteigen recht schwer an. Als er fast oben war, wollte er sich auf den Stamm eines abgehauenen Baumes setzen, der da am Weg lag, um ein wenig auszuruhen. Aber der Mann versah es im Niedersitzen, dass er rücklings über den Stamm fiel, wobei denn ein Glas hier, das andere dorthin flog und in Stücke brach. Der Unglückliche, dessen ganzes Vermögen in diesen Gläsern bestand, war ganz trostlos über die Bescherung, zumal, wenn er bedachte, mit welchen Scheltworten ihn seine böse Frau zu Hause empfangen würde.

Während er so klagend und jammernd die besten Scherben zusammenraffte  um wenigstens ein Zeugnis seines Unfalls heimzubringen, kam ein Herr geritten, der einen Knecht mit zwei Koppelpfer­den hinter sich hatte. Der Fremde sprach ihn an und fragte, was er da mache und weshalb er solch Trübsal blase. Der alte Mann, welcher den Reiter nun erst bemerkte, zog erschrocken seinen Hut und erzählte sein ganzes Unglück, welches ihm insbesondere noch um seiner Frau willen große Angst mache.

»Seid nur ruhig«, versetzte der Herr, »und gebt Euch zufrieden, denn dieser Schaden kann durch wohlwollende Leute wieder ersetzt werden, dass Ihr auch ferner Euren Han­del treiben könnt und ein freundliche Frau zu Hause findet.«

Hierauf gebot er seinem Knecht, dem Alten eines von den Koppelpferden zu geben, und sagte: »Setzt Euch auf dieses Pferd, reitet damit in das erste Städtlein und verkauft es. Merkt Euch aber, dass Ihr unterwegs durch kein Wasser reitet, denn das Pferd kann nicht schwim­men, obwohl es sonst allerhand Künste versteht.«

Der alte Mann, welcher wohl merkte, mit wem er es zu tun habe, bedankte sich höflich bei dem freigebigen Herrn, setzte sich auf das Pferd und dieses galoppierte mit ihm über Stock und Stein das Gebirge hinab, sodass er kaum wusste, wie er hinunterkam.

Unterweges plagte das Pferd unseren Alten weidlich mit Trinken, denn wo es nur Wasser sah, wollte es hin; jener aber wollte es durchaus nicht trinken lassen und musste sich solange mit ihm herumzerren, bis sie das Städtlein erreichten. Sobald sie darin waren, ritt er langsam, tummelte auch das Pferd, dass es eine Freude war. Es währte gar nicht lange, so fand sich ein Liebhaber, welcher sich ein vortrefflicher Pferdekenner zu sein dünkte. Dieser ließ sich das Pferd etliche Male vorreiten, und weil es ihm über die Maßen gefiel, handelte er nicht sehr (denn die Mutterpfennige waren ihm nicht sauer zu verdienen angekommen), zahlte dem Alten eine hübsche Summe harter Taler dafür auf und ließ es in seinen Stall führen.

Der Glashändler, ganz vergnügt, reiste gleich wieder nach Schlesien ins Warmbad zurück, woselbst er andere geschliffene und geschnitzte Gläser für das Geld einkaufte. Wie es aber dem jungen Herrn nachgehend mit dem Pferd ergangen sei, hat man nie recht in Erfahrung gebracht, denn er berühmte sich seines Kaufes nicht, ist auch niemals auf diesem Pferd reitend erblickt worden.