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Der Fluch von Capistrano – Kapitel 32

Johnston McCulley
Der Fluch von Capistrano
New York. Frank A. Munsey Company. 1919
Ursprünglich in fünf Teilen in der All-Story Weekly ab der Ausgabe vom 9. August 1919 als Serie veröffentlicht.

Kapitel 32

Ein nahes Quartier

Über den Hügeln leuchtete der Mond.

Zorro hätte den Himmel in dieser Nacht gerne wolkenverhangen und den Mond verdunkelt, wenn es nach ihm gegangen wäre, denn nun ritt er den Bergpfad entlang. Seine Verfolger waren ihm dicht auf den Fersen und konnten ihn gegen den heller werdenden Himmel ausmachen.

Die Pferde, die von den Kavalleristen geritten wurden, waren ebenfalls frisch, und die meisten der Pferde, die zu den Männern der Eskorte seiner Exzellenz gehörten, waren prächtige Tiere, die so schnell waren wie alle anderen im Land und viele Meilen in rasendem Tempo zurücklegen konnten.

Aber jetzt dachte der Wegelagerer nur daran, sein eigenes Reittier so schnell wie möglich voranzubringen und den Abstand zwischen sich und seinen Verfolgern so groß wie möglich zu machen. denn am Ende seiner Reise würde er ziemlich wenig Zeit haben, wenn er das erreichen wollte, was er sich vorgenommen hatte.

Er beugte sich über die Señorita und berührte sein Pferd mit den Zügeln, sodass er fast ein Teil des Tieres wurde, auf dem er ritt, wie es jeder gute Reiter kann. Er erreichte den Kamm eines weiteren Hügels und warf einen Blick zurück, bevor er den Abstieg ins Tal begann. Er konnte die Vordersten seiner Verfolger sehen.

Wäre Zorro allein gewesen, hätte ihn die Situation zweifellos nicht beunruhigt, denn er war schon oft in einer schwierigeren Lage gewesen und war entkommen. Aber jetzt saß die Señorita vor ihm im Sattel, und er wollte sie an einen sicheren Ort bringen, nicht nur, weil sie die Señorita und die Frau war, die er liebte, sondern auch, weil er nicht zulassen wollte, dass eine Gefangene, die er gerettet hatte, wieder in Gefangenschaft geriet. Ein solcher Vorfall, so dachte er, würde sein Geschick und seine Kühnheit infrage stellen.

Meile um Meile ritt er, die Señorita hielt sich an ihm fest, und keiner von beiden sprach ein Wort. Zorro wusste, dass er einen gewissen Vorsprung vor seinen Verfolgern hatte, aber nicht genug, um seine Ziele zu erreichen.

Er trieb sein Pferd zu größerer Anstrengung an, und sie flogen die staubige Landstraße entlang, vorbei an Haziendas, wo die Hunde plötzlich zu bellen begannen, vorbei an den Hütten der Einheimischen, wo das Geräusch schlagender Hufe auf der harten Straße Männer und Frauen aus ihren Kojen trieb und sie zu ihren Türen eilten. Einmal stürmte er durch eine Schafherde, die nach Reina de Los Angeles und zum dortigen Markt getrieben wurde, und verstreute sie zu beiden Seiten der Straße, wobei er fluchende Hirten zurückließ. Die Hirten sammelten die Herde wieder ein, gerade rechtzeitig, um sie von den verfolgenden Soldaten noch einmal auseinander treiben zu lassen.

Er ritt weiter und weiter, bis er in der Ferne die Missionsgebäude von San Gabriel im Mondlicht schimmern sehen konnte. Er kam an eine Weggabelung und nahm den Weg, der nach rechts zur Hazienda von Bruder Felipe führte.

Zorro war ein Menschenkenner, und er vertraute heute Abend auf sein Urteilsvermögen. Er hatte die Gewissheit, dass Señorita Lolita entweder dort bleiben musste, wo es Frauen gab, oder aber dort, wo ein gewandeter Franziskaner über sie wachte, denn Zorro war entschlossen, den guten Namen seiner Dame zu schützen. Und so setzte er sein Vertrauen in den alten Pater Felipe.

Das Pferd galoppierte nun über weicheres Gelände und kam nicht mehr so schnell voran. Zorro hatte wenig Hoffnung, dass die Kavalleristen an der Gabelung in den Weg nach San Gabriel abbiegen würden, was sie vielleicht getan hätten, wenn nicht gerade Mondschein gewesen wäre und sie den Mann, den sie verfolgten, nicht hin und wieder hätten sehen können. Er war nun bis auf eine Meile an die Hazienda von Bruder Felipe herangekommen. Noch einmal gab er seinem Pferd die Sporen, um es noch schneller zu machen.

»Ich werde nur wenig Zeit haben, Señorita«, sagte er, beugte sich über sie und flüsterte ihr ins Ohr: »Alles hängt davon ab, ob ich einen Mann richtig einschätzen kann. Ich bitte nur darum, dass Sie mir vertrauen.«

»Sie wissen, dass ich das tue, Señor.«

»Und Sie müssen dem Mann vertrauen, zu dem ich Sie bringe, Señorita, und auf seinen Rat hören, wenn es um dieses Unterfangen geht. Der Mann ist ein Mönch.«

»Dann wird alles gut werden, Señor«, erwiderte sie und klammerte sich an ihn.

»Wenn die Heiligen uns wohlgesonnen sind, werden wir uns bald wiedersehen, Señorita. Ich werde die Stunden zählen und jede von ihnen als eine Ewigkeit betrachten. Ich glaube, es liegen glücklichere Tage vor uns.«

»Der Himmel möge es uns schenken«, hauchte das Mädchen.

»Wo Liebe ist, kann es auch Hoffnung geben, Señorita.«

»Dann ist meine Hoffnung groß, Señor.«

»Und meine«, sagte er.

Er lenkte sein Pferd in die Auffahrt zum Haus von Bruder Felipe und ritt auf das Gebäude zu. Er hatte die Absicht, sich nur so lange aufzuhalten, bis er das Mädchen verlassen hatte, in der Hoffnung, dass Pater Felipe ihr Schutz gewähren würde, und dann weiterzureiten, wobei er viel Lärm erzeugen und die Soldaten auf sich aufmerksam machen würde. Er wollte sie glauben lassen, dass er nur eine Abkürzung über das Anwesen von Bruder Felipe zur anderen Straße nahm und nicht am Haus anhielt.

Er zügelte sein Pferd vor den Stufen der Veranda, sprang zu Boden, hob die Señorita aus dem Sattel und eilte mit ihr zur Tür. Er schlug mit der Faust dagegen und betete, dass der Mönch einen leichten Schlaf hatte und schnell zu wecken war. Aus der Ferne ertönte ein leises Trommeln, von dem er wusste, dass es von den Hufen der Pferde seiner Verfolger stammte.

Es schien Zorro eine Ewigkeit zu dauern, bis der alte Mönch die Tür aufstieß und mit einer Kerze in der Hand davor stand. Der Wegelagerer trat rasch ein und schloss die Tür hinter sich, sodass kein Licht nach draußen fiel. Pater Felipe war vor Erstaunen einen Schritt zurückgewichen, als er den maskierten Mann und die Señorita, die er begleitete, erblickte.

«Ich bin Zorro, Pater«, sagte der Wegelagerer schnell und in leisem Ton. »Vielleicht habt Ihr das Bedürfnis, mir für bestimmte Dinge etwas zu schulden?«

»Für die Bestrafung derer, die mich unterdrückt und misshandelt haben, schulde ich Ihnen viel, Caballero, obwohl es gegen meine Prinzipien ist, Gewalt jeglicher Art zu dulden«, antwortete der Mönch.

»Ich war mir sicher, dass ich Ihren Charakter nicht falsch eingeschätzt hatte«, fuhr Zorro fort. »Diese Señorita ist Lolita, die einzige Tochter von Don Carlos Pulido.«

»Aha!«

»Don Carlos ist ein Freund der Ordensbrüder, wie du weißt, und hat genauso wie sie Unterdrückung und Verfolgung erlebt. Heute kam der Gouverneur nach Reina de Los Angeles und ließ Don Carlos verhaften und in den Kerker werfen, unter einer Anklage, die, wie ich zufällig weiß, keinen wahren Wert hat. Er ließ auch die Dona Catalina und diese junge Dame ins Gefängnis werfen, in denselben Gefängnisraum mit Trunkenbolden und lasterhaften Frauen. Mit der Hilfe einiger guter Freunde rettete ich sie.«

»Mögen die Heiligen Sie segnen, Señor, für diese gute Tat!«, rief Bruder Felipe.

»Die Kavalleristen verfolgen uns, Pater. Es ist nicht schicklich, dass die Señorita allein mit mir weiter reitet. Nehmt Ihr sie und versteckt sie, Bruder Felipe – es sei denn, Ihr fürchtet, dass Euch ein solches Vorgehen große Schwierigkeiten bereiten könnte.«

»Señor!«, donnerte Felipe.

»Wenn die Soldaten sie mitnehmen, werden sie sie wieder ins Gefängnis stecken, und wahrscheinlich wird sie misshandelt werden. Kümmern Sie sich also um sie, beschützen Sie sie, und Sie werden mehr als jede Verpflichtung erfüllen, die Sie meinen, mir zu schulden.«

»Und Sie, Señor?«

»Ich reite weiter, damit die Soldaten mich weiter verfolgen und nicht hier bei Ihnen Halt machen. Ich werde mich später bei Euch melden, Bruder. Ist es zwischen uns abgemacht?«

»Es ist abgemacht«, antwortete Pater Felipe feierlich. »Und ich möchte Ihnen die Hand reichen, Señor.«

Dieser Händedruck war kurz, aber dafür ausdrucksstark. Dann eilte Señor Zorro zur Tür.

»Blasen Sie die Kerze aus«, befahl er. »Sie dürfen kein Licht sehen, wenn ich die Tür öffne.«

In einem Augenblick hatte Fray Felipe die Anweisung befolgt, und sie befanden sich im Dunkeln. Señorita Lolita spürte, wie sich Zorros Lippen für einen Augenblick auf die ihren pressten, und sie wusste, dass er den unteren Teil seiner Maske angehoben hatte, um ihr diese Liebkosung zu geben. Dann spürte sie einen der starken Arme von Felipe um sich.

»Sei guten Mutes, meine Tochter«, sagte der Mönch. »Señor Zorro, so scheint es, hat so viele Leben wie eine Katze, und etwas sagt mir, dass er nicht geboren wurde, um von den Soldaten seiner Exzellenz getötet zu werden.«

Der Wegelagerer lachte leicht darüber, öffnete die Tür, schlich hindurch, schloss sie leise hinter sich und war verschwunden.

Große Eukalyptusbäume hüllten die Vorderseite des Hauses in Schatten, und inmitten dieser Schatten stand das Pferd von Zorro. Als er auf das Tier zulief, bemerkte er, dass die Soldaten die Auffahrt entlang galoppierten, dass sie viel näher waren als angenommen, nachdem er aus dem Haus gekommen war.

Er rannte schnell auf sein Pferd zu, stolperte über einen Stein, stürzte und erschreckte das Tier so, dass es sich aufbäumte und ein halbes Dutzend Schritte weit ins Vollmondlicht sprang.

Der Vorderste seiner Verfolger schrie, als er das Pferd sah, und stürzte auf das Tier zu. Zorro rappelte sich auf, nahm die Zügel in die Hand und schwang sich in den Sattel.

Aber nun waren sie hinter ihm her, umzingelten ihn, und ihre Klingen blitzten im Mondlicht. Er hörte die laute Stimme von Sargento Gonzales, der den Männern Befehle erteilte.

»Lebendig, wenn ihr könnt, Soldaten! Seine Exzellenz will den Schurken für seine Verbrechen büßen sehen. Auf ihn, Soldaten! Bei allen Heiligen!«

Zorro konnte einen Hieb nur mit Mühe abwehren und war nicht mehr auf dem Pferd. Zu Fuß kämpfte er sich in den Schatten zurück, und die Soldaten stürmten hinter ihm her. Mit dem Rücken an einen Baumstamm gelehnt, wehrte Zorro sie ab.

Drei sprangen aus ihren Sätteln und stürzten sich auf ihn. Er sprang von einem Baum zum anderen, konnte so sein Pferd erreichen. Er schwang sich in den Sattel und preschte den Abhang hinunter zu den Scheunen und dem Korral.

»Hinter dem Schurken her!«, hörte er Sargento Gonzales schreien. »Seine Exzellenz wird uns bei lebendigem Leib häuten lassen, wenn uns dieser hübsche Straßenräuber jetzt entkommt!«

Sie stürmten hinter ihm her, begierig auf die Beförderung und die Belohnung. Aber Zorro hatte einen kleinen Vorsprung vor ihnen, der es ihm ermöglichte, einen Trick anzuwenden. Als er in den Schatten einer großen Scheune kam, schwang er sich aus dem Sattel und versetzte dem Pferd, das er ritt, einen Hieb mit den Riemen. Das Tier stürzte voran, schnaubte vor Schmerz und Schrecken und rannte schnell durch die Dunkelheit auf den Korral unter ihm zu. Die Soldaten nahmen die Verfolgung auf.

Zorro wartete, bis sie vorbei waren, und rannte dann schnell wieder den Hügel hinauf. Aber er sah, dass einige der Soldaten zurückgeblieben waren, um das Haus zu bewachen, offensichtlich in der Absicht, es später zu durchsuchen. Infolgedessen musste er feststellen, dass er sein Pferd nicht erreichen konnte.

Erneut ertönte jener eigentümliche Schrei, halb Schrei und halb Stöhnen, mit dem Zorro die Leute auf der Hazienda von Don Carlos Pulido aufgeschreckt hatte. Sein Pferd hob den Kopf, wieherte einmal als Antwort auf seinen Ruf und galoppierte auf ihn zu.

Zorro war im Nu im Sattel und preschte über das Feld, das direkt vor ihm lag. Sein Pferd sprang über einen steinernen Zaun, als ob er nicht im Weg gewesen wäre. Ein Teil der Kavalleristen folgte ihm rasch.

Sie hatten den Trick, den er angewendet hatte, entdeckt. Sie stürmten von beiden Seiten auf ihn zu, trafen sich hinter ihm, folgten ihm und bemühten sich, seinen Vorsprung zu verringern. Er hörte, wie Sargento Pedro Gonzales sie lautstark aufforderte, im Namen des Gouverneurs eine Festnahme vorzunehmen.

Er hoffte, dass er sie alle vom Haus von Bruder Felipe weggelockt hatte, aber er war sich nicht sicher, und das, was seine Aufmerksamkeit im Moment am meisten beanspruchte, war seine eigene Flucht.

Er trieb sein Pferd unbarmherzig an, denn er wusste, dass dieser Ritt über gepflügten Boden die Kräfte des Tieres erschöpfte. Er sehnte sich nach einem festen Weg, nach der breiten Landstraße.

Und schließlich erreichte er Letztere. Nun wandte er den Kopf seines Pferdes in Richtung Reina de Los Angeles, denn dort hatte er etwas zu erledigen. Es saß keine Señorita mehr vor ihm im Sattel, und das Pferd spürte den Unterschied.

Zorro warf einen Blick nach hinten und stellte erfreut fest, dass er den Soldaten davonritt. Über den nächsten Hügel und er würde ihnen entkommen können!

Aber er musste natürlich auf der Hut sein, denn auch vor ihm konnten Kavalleristen sein. Seine Exzellenz könnte Verstärkung zu Sargento Gonzales geschickt haben, oder er könnte Männer haben, die ihn von den Hügeln aus beobachten.

Er warf einen Blick zum Himmel und sah, dass der Mond hinter einer Wolkenbank zu verschwinden schien. Er würde die kurze Zeit der Dunkelheit nutzen müssen, das wusste er.

Er ritt hinunter in das kleine Tal und blickte zurück, um festzustellen, dass seine Verfolger noch auf dem Kamm des Hügels waren. Zorro hatte nun eine halbe Meile Vorsprung vor den verfolgenden Soldaten, aber er hatte nicht die Absicht, sich von ihnen bis ins Pueblo verfolgen zu lassen.

Er hatte Freunde in diesem Ort. Neben der Landstraße stand eine Lehmhütte, in der ein Eingeborener lebte, den Zorro vor Schlägen bewahrt hatte. Nun stieg er vor der Hütte ab und trat gegen die Tür. Der verängstigte Indio öffnete sie.

»Ich werde verfolgt«, sagte Señor Zorro.

Das schien zu genügen, denn der Eingeborene warf die Tür der Hütte sofort weiter auf. Zorro führte sein Pferd hinein und füllte das karge Gebäude fast aus, und die Tür wurde eilig wieder geschlossen.

Dahinter standen der Wegelagerer und der Dorfbewohner und lauschten, der eine mit der Pistole in der einen Hand, der andere mit einem Messer.

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