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Abenteuer des Captains Bonneville Anhang 2

Washington Irving
Abenteuer des Captains Bonneville
oder: Szenen jenseits der Felsengebirge des fernen Westens
Verlag von J. D. Sauerländer. Frankfurt am Main, 1837

Anhang 2

Captain Wyeth und der Handel mit dem fernen Westen

Wir haben den Captain Bonneville an das Ende seiner Ausflüge nach dem Westen gebracht. Wir können dieses Werk aber nicht schließen, ohne einiges über die Schicksale seines Zeitgenossen, des Captains Wyeth, beizufügen, von dessen Unternehmung wir im Laufe unserer bunten Erzählung hier und da Anekdoten eingeflochten haben.

Der Captain erreichte seine Absicht, einen Handelsposten am Portneuf unter dem Namen Fort Hall anzulegen. Hier wurde zum ersten Mal die amerikanische Flagge den Winden entfaltet, welche die großen, nackten Ebenen der Zentralwildnisse bestreichen. Nachdem er hier zwölf Mann mit einem Vorrat von Waren zurückgelassen hatte, um mit den benachbarten Stämmen Handel zu treiben, setzte er seine Reise an dem Columbia River fort und errichtete einen anderen Posten, Fort William genannt, auf der Insel Wappatoo, an der Mündung des Wallamut. Dies sollte die Hauptfaktorei seiner Company sein, von wo sie ihre Fischerei und ihren Biberfang betreiben, ihren Handel mit dem Inneren führen und ihr Schiff jährlich zu empfangen und wieder abzurichten haben sollte.

Der Plan des Captains Wyeth scheint verabredet gewesen zu sein. Er hatte bemerkt, dass die Rocky Mountain Fur Company, sowohl die Banden der freien Trapper als auch die Indianer im Westen der Gebirge, von den aus Saint-Louis ihnen zugeführten Gütervorräten abhingen, die infolge der Unkosten und Gefahren eines langen Landtransportes ihnen gegen einen ungeheuren Aufschlag auf die Einkaufspreise geliefert wurden. Er fiel auf die Idee, dass sie von der Seite des Stillen Oceans zu weit billigeren Preisen herbeigeschafft werden könnten. Die Pferde kosteten an den Ufern des Columbia River weit weniger als zu Saint Louis. Der Landtransport war um vieles kürzer und weit gesicherter vor den Feindseligkeiten wilder Völkerstämme, wo hingegen er auf dem Weg von und nach Saint Louis jährlich viele Menschenleben kostete.

Auf diese Idee gründete er seinen Plan. Er verband die Salmenfischerei mit dem Pelzhandel. Ein befestigter Handelsposten sollte am Columbia River angelegt werden, um den Salmen- und Pelzhandel mit den Eingeborenen des Landes zu betreiben und für ihre eigene Rechnung Fische und Biber zu fangen. Einmal im Jahr sollte ein Schiff von den amerikanischen Staaten kommen, Güter für den inneren Handel überbringen und die gesammelten Vorräte von Salmen und Pelzen zurücknehmen. Ein Teil der so überbrachten Güter sollte in die Gebirge gebracht werden, um die Trapper-Partien und die indianischen Stämme im Austausch gegen ihre Pelze zu versehen, die den Columbia River hinab geführt werden sollten, um mit dem nächsten jährlichen Schiff nach Hause gebracht zu werden, sodass die ausgeführten Güter und die eingeführten Pelze keine doppelte Fracht kosteten.

Seine Unternehmung wurde mit einem Mut, einer Einsicht und Beharrlichkeit ausgeführt, die einen glücklichen Erfolg verdient hätten. Alles, was wir von ihm sahen, beweist, dass er kein gewöhnlicher Mann ist. Er scheint den Verstand zu haben, weitaussehende und auffallende Pläne zu fassen und die Tätigkeit zu besitzen, solche in Ausführung zu bringen. Er hatte noch einmal die amerikanische Flagge in den verlorenen Regionen von Astoria aufgepflanzt. Wäre er imstande gewesen, sich auf dem Fuß zu erhalten, auf den er sich mit so vielem Mut gesetzt hatte, dann hätte er seinem Land den ergiebigen Handel am Columbia River wieder erringen können, aus dessen Besitz uns unsere Staatsmänner so nachlässig vertreiben ließen.

Es ist unnötig, bei den einzelnen Vorfällen und Widerwärtigkeiten zu verweilen, die das Fehlschlagen dieses Planes veranlassten. Sie sind von der Art, wie solch alle Unternehmungen dieser Gattung, die eine Kombination von Land- und Seeoperationen erfordern, unterworfen sind. Was ihm am meisten fehlte, war ein hinlängliches Kapital, um ihn in den Stand zu setzen, anfängliche Hindernisse zu besiegen, Verluste zu decken und auszuhalten, bis aus misslungenen Versuchen sich endlich ein glücklicher Erfolg ergeben hätte.

Mit außerordentlichem Bedauern vernehmen wir, dass er genötigt worden ist, seine Besitzungen auf der Insel Wappatoo der Hudsonʼs Bay Company zu überlassen, die, wie wir ihr zum Ruhm nachsagen müssen, ihn, laut seiner eigenen Angabe, während seines ganzen Unternehmens mit großer Rechtlichkeit, Freundschaft und Großmut behandele. Diese Company behauptet demnach noch eine unbeschränkte Gewalt über das ganze, vom Columbia River und seinen Nebenströmen bewässerte Land. Sie hat in der Tat, soweit ihre Privilegien es gestatteten, den von Herrn Astor entworfenen glänzenden Plan ausgeführt, worauf er seine Niederlassung an der Mündung des Columbia River gründete. Von ihrer Hauptniederlage zu Vancouver werden Partien in jeder Richtung abgeschickt, um die inneren Posten zu versehen, mit den Eingeborenen zu handeln und an den verschiedenen Strömen zu fangen. Diese verfolgen die Flüsse, überschreiten die Ebenen, dringen in das Herz der Gebirge, erstrecken ihre Unternehmungen nordwärts bis zu den russischen Besitzungen und südlich bis zu den Grenzen Kaliforniens. Sie erhält ihre jährlichen Vorräte zu Vancouver zur See, und von da verschifft sie ihre Felle und Pelze nach London. Sie unterhält ebenfalls einen beträchtlichen Handel mit Weizen und Hausgerät nach den Inseln des Stillen Ozeans.

Obwohl die Company, vermöge eines Traktates, nur ein Recht auf Teilnahme am Handel dieser Regionen hat und sie in der Tat nur auf Kündigung Inhaber sind, so haben sie sich doch die anfängliche Nachsicht und nachherige Sorglosigkeit der amerikanischen Regierung in aller Stille zunutze gemacht, um das Monopol des Handels an diesem Fluss und seinen Neben strömen an sich zu reißen, und greifen umsichtig weiter, sich in ihrem usurpierten Besitz zu behaupten, indem sie alle festen Punkte des Landes an sich bringen.

Fort George, ursprünglich Astoria, welches durch die Verlegung der Hauptfaktorei nach Vancouver verlassen wurde, wurde 1830 wieder hergestellt und wird nun als ein befestigter Posten und Handelshaus unterhalten. Alle Plätze, die an schiffbaren Strömen liegen, wurden in Besitz genommen und an ihnen durch die Company erst neuerlich Posten angelegt.

Das große Kapital dieser Gesellschaft, ihr lange befolgtes System, ihr ererbter Einfluss über die indianischen Stämme, ihre innere Organisation, wodurch alles mit der Regelmäßigkeit einer Maschine betrieben wird, und der niedrige Sold, den sie ihren Leuten geben, welche meistens Kanadier sind, gewähren ihnen große Vorteile vor den amerikanischen Pelzhändlern. Auch ist es nicht wahrscheinlich, dass Letztere je festen Fuß in dem Land fassen werden, bis die Frage über das Territorialeigentum zwischen den beiden Ländern entschieden ist. Je eher dieses zustande kommt, desto besser. Es ist eine Frage, die für den Nationalstolz, wo nicht für das Nationalinteresse, zu wichtig ist, um vernachlässigt werden zu dürfen. Jedes Jahr vermehrt sich die Schwierigkeit ihrer Lösung.

Der Pelzhandel, der nun der Hauptgegenstand der Unternehmungen nach dem Westen der Felsgebirge bildet, macht nur einen Teil der eigentlichen Hilfsquellen des Landes aus. Außer der Salmenfischerei am Columbia River, die zur Quelle eines ansehnlichen Nutzens gemacht werden kann, sind die Täler der niedrigeren Gegenden unterhalb der erhabenen vulkanischen Plateaus geeignet, zahllosen Herden ihren Unterhalt zu verschaffen und eine Bevölkerung von Viehmästern und Landbauern zu ernähren.

Von dieser Art ist zum Beispiel das schöne Tal des Wallamut, aus welchem die Niederlassung zu Vancouver ihre meisten Vorräte bezieht. Hier hat die Company ihre Mühlen und Pachthöfe und einige ihrer ausgedienten Beamten und Diener darin versorgt. Dieses oberhalb der Wasserfälle liegende Tal ist ungefähr fünfzig Meilen breit und erstreckt sich sehr weit nach Süden. Durch die an seinen Seiten hinlaufenden Gebirgsketten geschützt, ist sein Klima mild; während sein Boden an Fruchtbarkeit den besten Ländereien am Missouri gleichgesetzt wird.

Das Valley Des Chutes ist ebenfalls äußerst für ein Weideland geschaffen. Hier werden die besten Pferde aufgezogen, die die Company zu ihren Gebirgsreisen braucht. Das Tal hat eine so glückliche Temperatur, dass das ganze Jahr hindurch Gras wächst und man den Winter über das Vieh auf der Weide lassen kann.

Diese Täler müssen die großen Anfangspunkte der zukünftigen Niederlassungen in dem Land werden, allein es müssen ihrer viele sein, die von diesen niederen Gebirgsregionen eingeschlossen, ob sie gleich jetzt wüst und unbewohnt liegen und dem Auge des Pelzhändlers und des Trappers nur öde Wüsteneien darbieten, doch unter der Kultur geschickter Ökonomen und Landbauer bald ein anderes Ansehen gewinnen, voller Saaten strotzen und mit Viehherden bedeckt sein würden.

Auch die Hilfsmittel des Landes können, solange sie noch in dem Besitz einer in ihrem Handel beschränkten Company sind, nur teilweise in Tätigkeit gesetzt werden. Allein in den Händen der Amerikaner, die in direktem Handel mit Ostindien stehen, würden sie bald einen Schwung erhalten und den Traum des Herrn Astors verwirklichen, indem sie einem blühenden Handelsstaat seine Entstehung gäben.

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