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Antonio Hernandez Palacios

Antonio Hernandez Palacios
Der Mann, der die Farben explodieren ließ

Kennen Sie Western?

Was für eine Frage! Natürlich! Wer kennt keinen? Schließlich gibt es davon so viel wie Sand am Meer, und zwar in jedweder Art.

Erstaunlich ist dabei nur, dass dieses Genre den Zugang zu Film und Buch bereits Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden hat (Das Buch The Great Train Robbery zum Beispiel wurde 1879 von A. H. Wood verfasst, der gleichnamige Film, der erste Westernfilm überhaupt, 1903 uraufgeführt), während der Western als Comic hingegen erst über 30 Jahre später bekannt und populär wurde.

Es dauerte tatsächlich bis 1938, als es Stephen Slesinger und Fred Harman mit Red Ryder gelang, einen Western-Comic zu kreieren, der von der Leserschaft angenommen wurde und bis heute als Geburtsstunde des Western-Comics gilt.

Die Geschichten über einen fiktiven Cowboy waren so erfolgreich, dass sie als halbseitiger Comicstrip in fast allen amerikanischen Tageszeitungen erschienen.

Mit der Zeit gab es zwar immer wieder Zeichner, die Protagonisten in diesem Genre zum Leben erweckten, eigentlich sogar jede Menge, aber leider nur einige wenige, die A wirklich meisterhaft mit Stift und Pinsel umgehen können, bzw. konnten und B auch eine gewisse Ahnung von der Materie hatten.

Der Argentinier Arturo de Castillo zum Beispiel, dessen Serie um den Sheriff John Kendall genauso legendär ist wie das Lebenswerk des Belgiers Jean-Michel Charlier, dem Mann, der Leutnant Blueberry erfand. Sie wissen schon, dieser Armeeoffizier, der Jean Paul Belmondo wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Auch Michel Louis Albert Regnier, besser bekannt als Greg (leider bereits am 29. 10. 1999 verstorben) und sein Freund Hermann Huppen, ein Belgier Jahrgang 1938, der lediglich unter seinem Vornamen Hermann firmierte, zählen mit ihrem Epos Comanche genauso dazu.

Sie alle haben mit ihren Zeichentechniken Geschichte geschrieben, Castillo mit seiner spröden Schwarzweiß-Malerei, die ebenso gewöhnungsbedürftig wie faszinierend ist, genauso wie Charlier, Regnier und Huppen, deren realistische Wiedergabe ihrer Protagonisten und der Landschaften auch heute noch die Fans mit der Zunge schnalzen lässt.

Doch keiner von ihnen kam je an die Malkunst von Antonio Palacios heran.

Auch wenn dessen Protagonisten und die Umgebung, in der sie agierten, oft unscharf daherkamen, ist es bis heute noch niemandem so nachhaltig gelungen, dem Leser allein durch Farben zu vermitteln, wie heiß und trocken die Wüste, wie kalt die Berge oder wie staubig ein Land sein kann.

Palacios Gabe mit Rot, Gelb und Orange derart umzugehen, dass die Leser seiner Comics allein beim Betrachten einer von ihm dargebotenen Wüstenlandschaft eine trockene Kehle bekommen, ist unerreicht.

Sein Umgang und sein Spiel mit den Farben lassen die Bilder seiner Geschichten vor den Augen des Betrachters förmlich explodieren. Nie waren rote, gelbe und orangefarbene Zeichnungen intensiver und eindringlicher wie jene von Antonio Palacios.

 

*

 

Antonio Hernandez Palacios wurde am 16. Juni 1921 in Madrid geboren und begann nach der Schule eine Siebdrucklehre. Danach studierte er an der Schule der Schönen Künste in San Fernando und schlug sich nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges als Werbezeichner und Filmplakatmaler durch.

Sein Durchbruch als Comiczeichner gelang ihm ab 1970, als er bei dem neuen Comicmagazin Trinca seine Historienserie um den spanischen Nationalhelden El Cid und die Westernserie um Manos Kelly einreichte.

Beide erregten im Ausland große Aufmerksamkeit und wurden in mehrere europäische Länder verkauft.

Nicht von ungefähr wurde Palacios 1974 mit dem Yellow Kid Award ausgezeichnet, die wohl bekannteste italienische Comicauszeichnung, die zu dieser Zeit als eine Art Comic-Oscar galt.

Nach Meinung der Jury war Palacios ein großer Künstler realistischer Comics im Barockstil, der durch den Einsatz heftig kontrastierter Farben artikuliert wurde.

Nach dem riesigen Erfolg seiner beiden ersten Serien wurden auch sein Kriegsdrama Eloy, das den spanischen Bürgerkrieg zum Thema hatte, und Roncesvalles, ein mittelalterliches Historienepos, von den Lesern geradezu verschlungen. Beide Serien blieben aber unvollständig, da Palacios am 19. Januar 2000 in Madrid verstarb, bevor er diese zum Abschluss bringen konnte.

Ein Schicksal, das leider auch sein bekanntestes Werk, die Westenserie MacCoy ereilte. Gemeinsam mit dem Texter Jean Pierre Gourmelen konzipierte er ab 1979 für den französischen Dargaud-Verlag mehr als zwanzig Alben mit den Abenteuern dieses draufgängerischen Südstaatenoffiziers.

In Deutschland wurde er hauptsächlich mit El Cid und Manos Kelly bekannt, die in der Comiczeitschrift Primo aus dem Kauka-Verlag erschienen, und später dann mit MacCoy, der im Ehapa Verlag in der Reihe die Großen Edelwestern publik gemacht wurde.

Wer Westerncomics liebt, kommt auch heutzutage nur unschwer an Antonio Hernandez Palacios vorbei.

Quellenhinweis:

www.lambiek.net

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Eine Antwort auf Antonio Hernandez Palacios

  • Alexander Gail sagt:

    Ein schöner Bericht über einen hervorragenden Zeichner. Palacios’ Spiel mit Zeichnungen und Farben ist beinah einzigartig und wirkt lebendig. Wenn man in MacCoys Abenteuern in der Wüste von Mexiko vertieft ist, spürt man regelrecht den Staub auf der Haut und den Schweiß auf der Stirn.

    Zu erwähnen wäre noch, dass MacCoy aktuell in einer qualitativ hochwertigen Gesamtausgabe erscheint.

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