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Paraforce Band 38

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Nick Carter – Das Entführungssyndikat – Kapitel 8

Nick Carter
Das Entführungssyndikat
oder: Nick Carter gegen das Syndikat
Kapitel 8

Was Nick entdeckt hat

Nick Carter schenkte dem Drohbrief von Manuel Vascas keine Beachtung. Seine verschiedenen Aussagen, die mit spöttischem Jubel gemacht wurden, waren wie verschwendete Munition. Nick wusste bereits, dass Morton entführt worden war. Dass Chick ein Malheur erlitten hatte und möglicherweise in die Hände von Vascas gefallen war, wurde ebenfalls vermutet. Er hatte in der Tat genau die Informationen vorweggenommen, die der Missetäter mit spöttischem Trotz angeblich preisgeben konnte.

Nick las den Brief an Patsy und warf ihn dann in seinen Papierkorb.

»Mensch, der hat aber eine Macke«, war Patsys Kommentar.

»Und Chick hat offensichtlich auch eine.«

»Glaubst du das?«

»Ja.«

»Aber nicht, dass er dich erwischt?«

»Das ist genau das, was ich glaube, wenn er den Versuch macht.«

»Wirklich?«, fragte Patsy überrascht.

»Ja. Nichts täte ich lieber, als mich inmitten der Vipern zu befinden. Nimm mich beim Wort, es würde jemand verletzt werden.«

»Oh, ich verstehe! Sie meinen, Sie würden lange brauchen, um sie zu finden.«

»Sehr lange, wenn überhaupt«, antwortete Nick. »Aber das ist weder hier noch dort. Wir müssen den Fall so angehen, wie wir ihn vorfinden.«

»Das ist richtig«, gab Patsy zu. »Vielleicht, Chef, könnte ich jemanden finden, dem die Nummer des Taxis aufgefallen ist.«

»Da wäre nichts drin.«

»Nein?«

»Vasca würde sich nicht auf diese Weise öffnen«, sagte Nick. »Die Nummer wäre falsch.«

»Höchstwahrscheinlich doch. Aber wir müssen einen Weg finden, Chick aufzuspüren. Haben Sie irgendwelche Pläne?«

»Ja. Du gehst morgen an die Börse und hängst in den Galerien herum. Beobachte die Börsenmakler genau und besorge dir die Namen derer, die die heftigsten Spekulationen ausführen. Ich werde versuchen, von ihnen herauszufinden, wer die großen Betreiber auf der Shortseite sind. Die Gauner, die wir wollen, sind unter ihnen, darauf kannst du wetten.«

»Das denke ich auch«, stimmte Patsy zu.

»In der Zwischenzeit werde ich versuchen, Chicks Spur dort wieder aufzunehmen, wo du sie verloren hast«, fügte Nick hinzu. »Ich werde sehen, was ich von Dudley, Deacon und Scott oder in ihrem Büro erfahren kann.«

»Das ist das Richtige, Chef! Aber suchen Sie nur nach Vasca.«

»Ich passe schon auf ihn auf – aber nicht so, wie du meinst«, sagte Nick trocken.

Am nächsten Morgen um halb neun hielt Nick, nachdem er sie telefonisch beraten hatte, eine geheime Konferenz mit den drei verbleibenden Mitgliedern des Bull pool von Morton ab, informierte sie über Mortons Entführung und warnte sie davor, sich ständig vor jeglichem Anschein von Tricks zu hüten, durch die sie dasselbe Schicksal erleiden könnten, und die Anweisungen, die Morton ihnen bereits gegeben hatte, energisch auszuführen, um den Markt um jeden Preis zu stärken.

Um zehn Uhr betrat er, sorgfältig verkleidet, das Büro der verdächtigen Makler und mischte sich unter die Schar der Spekulanten, die aufgeregt die Marktschwankungen beobachteten. Oberflächlich betrachtet gab es nichts, was Verdacht erregen könnte, und Nick schlenderte von einem Raum zum anderen, tat so, als interessiere er sich nur für die Entwicklung der Preise, und kam schließlich in den Raum, in dem Dudley Chick in die Enge getrieben hatte.

Die Wandtafel war entfernt worden. Die Tür war offen, die in den Raum führte, den Vasca soeben benutzt hatte. Der Raum selbst enthielt dann nur noch den Schreibtisch, ein paar Stühle und mehrere Stapel alter Bücher und verstaubter Briefordner. Man hätte annehmen können, dass sie schon seit Wochen dort gelegen hatten.

Nichtsdestotrotz hatte Nick ständig alle bekannten Tatsachen im Hinterkopf und war auf Möglichkeiten vorbereitet, die mit ihnen in Einklang standen. Kaum hatte er die zweite Tür des Lagerraums geöffnet, bekam er einen Eindruck davon. Daraufhin verließ er das Büro und begab sich zur Hintertür des Gebäudes, wo er eine schmale Treppe entdeckte, die zu den verschiedenen Stockwerken hinaufführte, ebenso wie die Tür, die in den an das Maklerbüro angrenzenden Lagerraum führte.

In der Hocke untersuchte er den Knauf, auch den Boden nahe der Schwelle, mit einer starken Lupe ab.

»Kein Staub auf dem Knauf«, murmelte er. »Er wurde kürzlich angefasst. Und der Schmutz und die leichte Feuchtigkeit auf der Schwelle zeigen deutlich, dass Männer mit schlammigen Stiefeln in letzter Zeit eingetreten sind – ebenfalls erst vor Kurzem, sonst würde die Feuchtigkeit nicht bleiben. Hm, ich glaube, ich habe die Ratten in der Maiskrippe entdeckt, oder zumindest einige von ihnen. Es wäre leicht gewesen, Chadwick und Deland in dieses Büro zu locken, nachdem sie am Nachmittag das von Morton verlassen hatten. Es wäre ebenso leicht gewesen, sie aufzuhalten und später mit ihnen zu entkommen. Dies ist auch der letzte Ort, an dem Chick bekanntlich gesehen worden ist. Entschieden bedeutsam, alles in allem genommen.«

Nick erhob sich und kehrte in das Büro des Maklers zurück. Als er in einem der Räume einen Stuhl fand, von dem aus er den Eingang der Angestellten und die Tür, die in das Privatbüro der Firma führte, sehen konnte, setzte sich Nick selbst hin und hielt verstohlen Ausschau nach etwas, das Verdacht erregte.

Die verrinnenden Minuten fühlten sich wie Stunden an, doch Nick blieb immer noch dort. Erst gegen drei Uhr, als sich eine der spekulärsten Börsen, die seit Jahren bekannt sind, dem Ende zuneigte, entdeckte er etwas von besonderem Interesse. Was er dann sah, wäre zudem unbedeutend für jemanden gewesen, der weniger scharfsichtig ist und menschliche Gesichter weniger gut lesen kann.

Er sah Dudley mit einem offenen Brief in der Hand aus dem Privatbüro kommen, den er dem Juniormitglied der Firma, Jason Scott, zeigte, der gerade am Schreibtisch des abwesenden Angestellten arbeitete. Die beiden Männer diskutierten den Brief mehrere Minuten lang in gedämpften Tönen, woraufhin Dudley ihn in Stücke riss und in den Papierkorb warf.

Nick wartete, bis die Börse geschlossen war, und zog dann in Begleitung der Schar von Spekulanten ab, die sich sofort auf den Weg machten. Sein nächster Schritt war es, den Hausmeister des Gebäudes zu finden, einen kleinen, grauäugigen Iren namens Dolan.

Nick fand ihn allein im Keller, wie er mit einem großen Müllwagen auf einen hinteren Aufzug zusteuerte, mit einem Mopp und ein paar Besen in der Hand.

»Sie sind der Hausmeister, nehme ich an«, sagte Nick und hielt ihn an.

»Das bin ich, in der Tat«, war die Antwort.

»Wie ist Ihr Name?«

»Tim Dolan.«

»Ich bin Nick Carter. Sie haben sicher schon mal von mir gehört?«

»Und ob ich das habe!« Dolans graue Augen leuchteten. » Glauben Sie, wer hat das nicht?«

Nick zeigte seine Marke und nickte leise lachend.

»Ich bitte um Ihre Unterstützung, Dolan«, sagte er, »und ich möchte auch, dass Sie nichts weiter darüber erzählen. Kann ich Ihnen vertrauen?«

»Das können Sie«, versicherte Dolan unmissverständlich. »So gut, wie Sie ein Kartoffelbällchen mit einem Schlagstock treffen können.«

»Gut genug«, sagte Nick. »Ihre Augen bürgen für Ihre Ehrlichkeit. Ich verdächtige die Mieter hier, nicht ganz auf dem richtigen Weg zu sein.«

»Und Sie sind hinter ihnen her?«

»Ich überprüfe nur die Situation, Dolan«, antwortete Nick ausweichend. »Wie steht es mit der Hintertür dieses Gebäudes. Ist sie nachts verschlossen?«

»Sicher, das ist sie. Ich kümmere mich selbst darum und bin der Einzige, der einen Schlüssel hat.«

»Wann schließen Sie diese normalerweise ab?«

»So gegen acht.«

»Und dann gehen Sie nach Hause?«

»Ja, nachdem ich ein oder zwei große Bierchen getrunken habe.«

»Verstehe«, gab Nick schmunzelnd zurück. »Was werden Sie jetzt tun?«

»Einige Zimmer von Müll und Altpapier befreien. Ich räume jeden Tag um diese Zeit auf, meistens in den Räumen der Makler, wo sich viel davon ansammelt.«

»Sind Dudley, Deacon und Scotts Büros auch darunter?«

»Ja, immer.«

»Großartig!«, sagte Nick. »Ich will einen Papierkorb, Dolan, der in einem ihrer Büros steht. Können Sie ihn für mich holen, ohne dass sie es merken?«

»Sicher, Sie können reingehen und ihn selbst holen«, verbürgte sich Dolan mit einem Grinsen. »Dann kriegen Sie sicher den richtigen Behälter.«

»Wie das, Dolan?«

»Oft habe ich einen Mann dabei, der mir hilft. Ich leihe Ihnen eine Jacke und einen Overall, zusammen mit einem alten Hut. Sie können mich begleiten. Wenn etwas Unvorhersehbares passieren sollte, wird keinem etwas auffallen.« Dolan machte den Vorschlag unbewusst.

»Gut!«, erklärte Nick zustimmend. »Wir machen uns sofort an die Arbeit. Ich werde diese Verkleidung gegen eine andere tauschen und in Windeseile bei Ihnen sein.«

Die Vorbereitungen wurden im Kellerraum des Hausmeisters getroffen, und Nick half ihm dann, den Wagen auf den hinteren Aufzug zu rollen, mit dem sie in den zweiten Stock hinauffuhren. Zehn Minuten später hatte Nick den gewünschten Papierkorb und war eifrig damit beschäftigt, dessen Inhalt zu durchsuchen.

Entgegen seiner Erwartung konnte er unter den zerknitterten Papierschnipseln keinen zerrissenen Brief finden, dessen Inhalt er schnell bestimmen konnte. Er hatte eine Viertelstunde lang vergeblich gesucht und war sehr enttäuscht, als er plötzlich entdeckte, dass es zahlreiche Fragmente eines zerrissenen Blattes gab, die auf beiden Seiten leer waren.

Mit erneutem Misstrauen erhitzte Nick eines der Fragmente in der Nähe der Flamme eines Streichholzes – und schnell erschienen ein paar geschriebene Zeilen.

»Da haben wir es!«, murmelte er. »Unsichtbare Tinte wurde als Schutz vor Missbrauch oder zufälliger Enthüllung verwendet. Die Entdeckung ist mehr als nur ein Zufall.«

Nick sammelte sorgfältig alle leeren Fragmente ein, bezahlte Dolan großzügig für seine Hilfe und eilte dann nach Hause.

In seinem Geschäftsbüro sitzend, fügte er die zerrissenen Papierfetzen an den Rändern zusammen und klebte sie nebeneinander auf ein durchsichtiges Wachspapier.

Beim Erwärmen des so vorbereiteten Blattes wurde die folgende, leicht lesbare Mitteilung ans Licht gebracht:

Mein lieber Dudley: Sondersitzung des Syndikats am Freitagabend um zehn Uhr. Alle Mitglieder müssen anwesend sein. Benachrichtigen Sie sie. Ich werde dann Nick Carter sicher in unseren Fängen haben. einen Plan ausgearbeitet haben, nach dem er leicht und sicher gefasst werden kann. Nan wird mir helfen, Sie müssen sie also nicht benachrichtigen. Seien Sie wachsam. Vasca.

Nick Carters markantes, ausgeprägtes Gesicht nahm einen merkwürdigen Ausdruck an, während er diesen Brief las; eine Mischung aus Verwunderung, Entschlossenheit und Verachtung, die nicht leicht zu beschreiben ist. Noch während er das gedruckte Blatt las, trat Patsy eilig ein und rief sofort impulsiv: »Mensch! Es hat einen üblen Handel gegeben, Chef. Er hat stattgefunden, in der Tat, wie Sie vorhergesagt haben; aber, heiliger Bimbam, denken Sie an eine Höhle mit Wildkatzen – bei diesem Pack möchte ich nicht dabei sein. Ein Typ, der fünf Stunden in dieser Grube des Todes verbringt, macht seine Kohle. Ich habe die Namen der größten Börsenmakler, alles klar.«

»Ich auch, Patsy.«

»Dudley, Deacon und Scott?«

»Ja.«

»Wie sind Sie darauf gekommen?«

Nick unterrichtete ihn und zeigte ihm den Brief von Vasca an Dudley, den Patsy zweimal mit großen Augen durchlas.

»Das läuft ja wie geschmiert!«, rief er aus und starrte Nick an. »Wird er Sie festsetzen, oder?«

»Das sagt er voraus.«

»Er scheint sich dessen sehr sicher zu sein.«

»Ja, sehr.«

»Was glauben Sie, was er noch in petto hat?«

»Gib es auf«, sagte Nick kurz und bündig. » Du musst mich nach etwas Leichterem fragen.«

»Freitag – das ist morgen«, konstatierte Patsy und warf noch einmal einen Blick auf den Brief. »Sie müssen nicht lange warten, Chef.«

»Umso besser.«

»Meine Güte! Gibt es etwas Besseres? Dieser Schurke hat die anderen erwischt, wie er gedroht hat, und vielleicht erwischt er auch Sie. Wollen Sie nichts dagegen tun?«

»Nein«, sagte Nick, mit absoluter Gleichgültigkeit. »Das überlasse ich Vasca. Gib einem Gauner genug Seil, Patsy, und er wird sich fast immer selbst hängen. Lass Vasca sein Ärgstes tun. Dann wird vielleicht etwas geschehen, von dem er nicht einmal träumt.«

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