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Paraforce Band 38

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Marshal Crown – Band 40

Zwei Kugeln für den Frieden

Es war kalt und es regnete, als sich an diesem späten Novembernachmittag fünf Reiter von Süden her der kleinen Postkutschenstation am Trinity River näherten.
Genauer gesagt regnete es schon den ganzen Tag, zwar nicht besonders stark, aber dafür stetig. Das ganze Land glich inzwischen einer einzigen großen Wasserpfütze.
Die Männer hatten sich deshalb weit im Sattel vorgebeugt, ihre Ölmäntel bis zum Hals zugeknöpft und die Hüte tief in die Gesichter gezogen. Aber ausweichen konnten sie dem Regen trotzdem nicht, sie ritten genau gegen den Wind.
Die Reiter lenkten ihre Pferde durch den knöcheltiefen Morast des Overland Trails bis zu einem überdachten Unterstand seitlich des Stationsgebäudes. Dort stiegen sie aus den Sätteln und schlangen die Zügel ihrer Pferde um einen Haltebalken.
»Hoffentlich hat der Stationer seine Bude eingeheizt, ich friere wie ein nasser Hund«, sagte einer der Männer, ein bulliger Endvierziger mit einem wild wuchernden Bart, der fast die gesamte untere Hälfte seines Gesichtes bedeckte.
»Das wundert mich nicht«, sagte einer der anderen.
Buck Taylor, ein mittelgroßer Mann mit einem weizengelben, sichelförmigen Schnauzbart, war nicht nur der Anführer der Männer, sondern auch der Einzige von ihnen, der nicht aus Texas stammte. »Es wird ja auch mit jedem Tag kälter. Ich kann den Schnee schon förmlich riechen.«
Bevor der Bärtige antworten konnte, mischte sich Tom Mayfield, der Älteste der Reiter in die Unterhaltung ein. »Ich weiß gar nicht, warum ihr euch ständig über das Wetter aufregt, Jungs. Im Winter ist es nun mal kalt, das hat der liebe Gott so entschieden und daran werdet auch ihr nichts ändern.«
Die anderen lachten, nur Edward Dale, der Bärtige, nicht. Sein Gesicht wirkte jetzt noch düsterer, als es ohnehin schon war.
Die Blicke, die er Mayfield zuwarf, während sie gemeinsam zum Stationsgebäude hinüber gingen, wurden mit jedem Schritt unfreundlicher.
Drinnen im Aufenthaltsraum war es nicht nur trocken, sondern auch warm.
Ohne den Stationsbesitzer zu beachten, der hinter einer kleinen Theke stand und die Eintretenden mit geschäftsmäßigen Blicken musterte, scharten sich die Reiter augenblicklich um den offenen Kamin an der Nordwand, knöpften die Ölmäntel auf und streckten ihre Hände in Richtung des prasselnden Feuers.
Nur Buck Taylor nicht, er schritt stattdessen durch den Raum zu einem der Fenster hin und schaute hinaus.
»Verdammtes Sauwetter«, sagte der Stationsbesitzer. »Eine Tasse heißer Kaffee könnte da nicht schaden, oder?«
Bevor einer der Reiter antworten konnte, meldete sich Taylor vom Fenster aus zu Wort.
»Wann kommt die Postkutsche?«
»In einer Stunde«, erwiderte der Stationer.
»Sehr gut«, sagte Taylor. »Dann kannst du uns ja noch einen Kaffee machen, bevor du deinen Laden abschließt.«
»Wie bitte?« Verwundert legte der Stationer die Stirn in Falten.
»Hast du Bohnen in den Ohren?«, sagte Edward Dale vom Kamin her.
In seiner Rechten lag plötzlich ein schwerer Frontier-Colt.
»Der Boss hat gesagt, dass du Kaffee machen sollst und dann deinen Stall abschließen, kapiert?«
»Das … das kann ich nicht«, empörte sich der Stationsbesitzer. »Ich muss mich doch um die Kutsche kümmern und …«
Das Brüllen der Schussdetonation klang in dem kleinen Aufenthaltsraum wie Kanonendonner.
Mit einem schrillen Schrei taumelte der Stationer nach hinten.
Einen Moment lang starrte er noch voller Entsetzen auf das Blut, das hoch in seiner Schulter aus der Schusswunde sickerte, dann kippte er nach vorne und verlor das Bewusstsein.
Dale wandte sich den anderen zu und sah dabei kopfschüttelnd auf den Rauch, der sich aus der kreisrunden Mündung seines Revolvers kräuselte.
»Diese Idioten lernen es wohl nie. Ich bin gespannt, wann die Leute endlich kapieren, dass nur das gemacht wird, was wir sagen!«
In der gleichen Sekunde war Taylor heran.
Bevor Dale reagieren konnte, explodierte Taylors Faust förmlich an seinem Kinn. Die Wucht des Schlages war so groß, dass der bärtige Mann fast aus den Stiefeln ge-hoben wurde. In seinen Augen lag ein Ausdruck grenzenloser Verwunderung, wäh-rend er gegen die hinter ihm liegende Wand krachte und langsam daran hinunter-rutschte.
»Du verdammter Idiot!«, zischte Taylor. »Habe ich nicht immer gesagt, dass nie-mand erschossen wird?«
»Ich weiß gar nicht, warum du dich so aufführst«, sagte Dale trotzig, während er sich sein Kinn hielt, das jetzt rasch anschwoll. »Ich habe den Kerl nicht erschossen, ich habe ihm lediglich einen Denkzettel verpasst.«
Buck Taylor schüttelte wütend den Kopf.
»Du hast es anscheinend immer noch nicht kapiert. Solange wir nur Banken ausrauben, kommen wir bei guter Führung vielleicht mit ein paar Monaten davon, wenn sie uns denn schnappen. Aber dank dir sind jetzt Jahre daraus geworden, und wenn wir Pech haben und der Mann stirbt, vielleicht sogar Jahrzehnte.«
»Wir sollten Dale zum Teufel jagen, bevor er uns alle noch an den Galgen bringt«, sagte Henry Bulford, während sein Bruder William zustimmend nickte.
Taylor bedachte die beiden Männer mit einem ernsten Blick.
»Dazu ist es jetzt zu spät. Mitgehangen ist mitgefangen, Sheriff Cooper und seine Deputys werden da keinen Unterschied mehr machen.«

 

*

 

Mit gemischten Gefühlen ging US-Marshal Jim Crown über den schmalen Flur, an dessen Ende das Büro des Gouverneurs lag. Das Gesicht seines Vorgesetzten, mit dem er ihn vor etwa einer knappen Stunde bat, nachher in sein Büro zu kommen, hatte ziemlich verkniffen gewirkt.
Irgendetwas war wieder im Busch.
Richard Coke hatte diesbezüglich zwar nichts verlauten lassen, aber das musste er auch nicht. Jim wusste auch so Bescheid, er arbeitete schließlich nicht erst seit ges-tern für den Gouverneur.
Doch so sehr er sich auch den Kopf zerbrach, er kam einfach nicht darauf, was genau Coke Bauchschmerzen verursachte. Allerdings hatte er auch keine Gelegenheit mehr, weiter darüber nachzudenken, denn im gleichen Moment, in dem er vor der Bürotür stand und die Hand um den Knauf legen wollte, schwang diese plötzlich nach innen und der Gouverneur stand, einen Stapel Papiere unter den linken Arm geklemmt, unvermittelt vor ihm.
Cokes Augen weiteten sich jäh, während er instinktiv einen Schritt zurücktrat.
»Sie?«, sagte er nur.
Dann schüttelte er den Kopf, drehte sich um und ging in sein Büro zurück.
»Sorry Marshal, Sie habe ich jetzt ganz vergessen.«
»Ich kann auch später noch mal vorbeikommen, wenn Ihnen das lieber ist.«
»Nein, nein«, sagte Coke schnell. »Das ist schon in Ordnung.«
Dabei deutete er auf den Besucherstuhl vor seinem Schreibtisch, während er sich anschickte, wieder dahinter Platz zu nehmen.
Jim wartete mit dem Hinsetzen, bis der Gouverneur den Papierstapel abgelegt hatte und sich schnaufend in seinem Ledersessel zurücklehnte.
»Alles okay, Mister Coke?«, erkundigte er sich vorsichtig.
»Natürlich, warum fragen Sie?«
»Na ja«, druckste Crown herum, während er unschlüssig mit dem Kopf hin und her wiegte. »Sie wirken seit einigen Tagen auf mich irgendwie, wie soll ich sagen, etwas zerstreut.«
Die Antwort des Gouverneurs war ein gequältes Grinsen.
»So, finden Sie?«
Crown nickte. Dabei entging ihm nicht, wie Coke, je länger er ihn ansah, sich immer öfter den schmalen Knoten seiner schwarzen Krawatte zurechtrückte.
Seine Bewegungen wirkten fahrig und nervös.
»Also gut«, sagte der Gouverneur schließlich. »Sie haben recht, aber das bleibt unter uns.«
Dann straffte er die Schultern und beugte sich nach vorne.
»Ich weiß im Moment tatsächlich nicht, wo mir der Kopf steht. Im Osten jagt gerade eine Krise die andere. Whiskey Ring Skandal, Unruhen an der Börse, die Steueraffä-re um Finanzminister Richardson und was weiß ich noch alles. Obwohl Washington von Austin fast so weit entfernt ist wie der Mond, sind die Auswirkungen inzwischen auch bei uns zu spüren. Regierungsgelder fließen plötzlich langsamer oder fallen ganz aus, Subventionen werden gestrichen, neue Gesetzesentwürfe lie-gen auf Eis. Wenn das so weiter geht, gerät unsere Wirtschaft und damit auch der Staatshaushalt von Texas allmählich ins Wanken.«
»Davon habe ich schon gehört«, entgegnete Crown. »Aber ich habe mich nicht weiter darum gekümmert, ich dachte nicht, dass es so schlimm ist.«
»Schlimm ist gar kein Ausdruck«, sagte Coke bedrückt. »Wenn das so weiter geht, weiß ich nicht, wo ich im Frühjahr das Geld hernehmen soll, um meinen Beamten den Lohn auszuzahlen.«
»Heavens!«, entfuhr es dem Marshal, der langsam eine Ahnung davon bekam, was für eine Last da auf den Schultern des Gouverneurs ruhte. »Jetzt ist mir auch klar, warum Sie in letzter Zeit so niedergeschlagen wirken.«
»Ja, im Moment ist es nicht einfach, die Geschicke unseres Staates zu lenken, und ausgerechnet jetzt bekomme ich mit der texanischen Viehzüchtervereinigung, einem der größten Steuerzahler des Landes, auch noch Schwierigkeiten.«
»Wieso das denn?«
»Sagt Ihnen der Begriff Grubline etwas?«
»Natürlich. Da, wo ich herkomme, versteht man darunter Männer, die die Fut-terstrecke reiten. Genauer gesagt Cowboys, die nach dem Herbst-Roundup von ih-ren Ranchern entlassen wurden und deshalb bis zum Frühjahr auf der Suche nach ei-nem Dach über dem Kopf und einer warmen Mahlzeit von einer Ranch zur anderen reiten. Für viele der Männer eine verdammt harte Zeit.«
»Ich weiß, aber das war schon immer so und wird sicherlich auch so bleiben. Ich kann es den Ranchern aber auch nicht verdenken, das Geld wächst schließlich nicht auf den Bäumen. Wenn sie keine Arbeit mehr haben, beschäftigen sie auch niemanden, so einfach ist das, auch wenn es hart klingt.«
»Das stimmt so nicht ganz, auf einer Ranch gibt es immer Arbeit, selbst im Winter. Ich weiß, wovon ich rede, ich bin lange genug hinter Kuhschwänzen hergeritten. Die Rancher müssen ja nicht jeden Mann behalten, aber wenigstens die Älteren von ih-nen oder die mit Familie.«
»Das wird keiner von ihnen tun, Viehzucht ist nun mal ein knallhartes Geschäft. Da kann es sich keiner erlauben, seine Männer fürs Däumchen drehen zu bezahlen.«
»Amos Carleton sieht das ein bisschen anders.«
»Wer zum Teufel ist Carleton?«
»Ein Rancher oben am Wolfs-Creek, er hatte seine Mannschaft vorletzten Winter über behalten, wenigstens zum größten Teil.«
»Und, was hat es ihm eingebracht?«
»Mehrere zehntausend Dollar«, erwiderte Crown und grinste.
Ungläubig hob der Gouverneur den Kopf. »Wie das?«
»Viehdiebe hatten ihm seine beste Herde samt Zuchtstieren gestohlen. Sie dachten wohl, dass Carleton seine Männer auch alle in den Winter geschickt hatte. Aber dem war nicht so, die Jungs haben die Viehdiebe verfolgt und niedergekämpft. Sie brachten die Herde zurück und bewahrten ihren Rancher so vor einem Verlust von beinahe vierzigtausend Dollar. Im Gegenzug dazu kosteten sie ihren Boss den ganzen Winter über hinweg keine achthundert an Lohn, Kost und Logis. Wahrhaft ein gutes Geschäft für Carleton. Seither hat er auch keinen einzigen seiner Männer mehr Grubline reiten lassen.«
»Mag sein, aber das ist wohl eher die Ausnahme. Ich habe da mit Grubline-Reitern ganz andere Probleme.«
»Und die wären?«
»Frank Mabry und William Masters, zwei der einflussreichsten Rinderzüchter am Trinity River, haben ihre Leute wie jedes Jahr nach dem Herbst-Roundup entlassen. Wie immer waren auch diesmal ein paar heißblütige Burschen darunter, die garantiert noch auf allerlei dumme Gedanken kommen werden, um den Winter zu überstehen. Aber das ist normalerweise eine Angelegenheit der örtlichen Behörden. In diesem Jahr ist die Situation jedoch eine völlig andere. Deshalb würde ich Sie gerne zum Trinity River schicken.«
»Und was soll ich dort?«
»Einen Grubline-Reiter verhaften und hierher bringen, notfalls mit dem Colt im Anschlag.«
Crown riss überrascht die Augen auf. »Seit wann schicken Sie einen US-Marshal los, um einen arbeitslosen Weidereiter zu verhaften? Fällt das überhaupt in unseren Zuständigkeitsbereich?«
Der Gouverneur setzte eine finstere Miene auf. »Sie haben ja keine Ahnung, was dieser Kerl schon seit Wochen im Denton County veranstaltet.«
»Oha«, sagte Crown. »Jetzt machen Sie mich aber neugierig. Wer ist denn dieser Mann, der Ihnen solche Kopfschmerzen bereitet?«


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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