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Susanne Mischke – Hättest du geschwiegen

Susanne Mischke – Hättest du geschwiegen

Hauptkommissar Völxen, einige andere Polizisten und Verantwortliche und der Leiter der Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, Doktor Bäche, nehmen an der Obduktion von Hannes Piekenbrock teil, der im Garten seines Einfamilienhauses im nördlichen Teil Hannovers von seiner Frau leblos unter einem Apfelbaum gefunden wurde.

Da Piekenbrock ein weit über Hannover hinaus bekannter Rockerboss und eine Rotlichtgröße war, sorgt sein Tod für einen gewissen Rummel unter Rockern und anderen Bekannten des Toten. Spekulationen über Russenmafia und Nowichok machen im Internet die Runde, und der Tote ist in aller Munde. Ein dreißigköpfiges Ermittlerteam war in diesem Fall tätig, und alle warten sehnsüchtig auf die Ergebnisse Doktor Bächles.

Dieser hat noch einen Kollegen aus München, Professor Gröning, hinzugezogen, und gemeinsam stellen sie nun fest, dass der Rockerboss an einem Herzinfarkt gestorben ist, also keine unnatürliche oder gewaltsame Todesursache vorliegt.

Alle Anwesenden sind erleichtert und verlassen den Sektionssaal, vor welchem eine Horde Journalisten auf sie wartet, um alles über den Tod von Hannes Piekenbrock zu erfahren und in ihrem jeweiligen Medium darüber berichten zu können.

Als erster Reporter am Ort kommt Völxen und seinen Leuten der allen bekannte, nervige Journalist der Bild Hannover, Boris Markstein entgegen, den sie hinter seinem Rücken Frettchen nennen, weil er diesem Nagetier ähnliche Gesichtszüge hat und sich auch so räuberisch benimmt wie dieses Tier.

Bodo Völxen teilt ihm und den anderen Journalisten mit, dass dem Ableben des Rockerkönigs eine natürliche Ursache zugrunde liegt. Die Reporter sind enttäuscht, denn bei einem Mord oder wenigstens einem Unfall, zum Beispiel standesgemäß auf einer Harley, hätte man noch mehrere Monate immer wieder berichten können. Bei dieser Todesursache jedoch kann die Boulevardpresse nicht viel schreiben.

Boris Markstein will noch nicht aufgeben und fragt gezielt noch einmal bei Völxens Ex-Kollegin Jule nach, um etwas genauer zu erfahren, woran Piekenbrock gestorben ist. Die LKA-Mitarbeiterin verweist ihn allerdings an die Vertreter der Rechtsmedizin, die jeden Moment das Gebäude verlassen werden.

Schließlich treffen sich die Polizisten zum Feierabend im Laden der Mutter des Kollegen Fernando Rodriguez zu einem Imbiss mit Umtrunk, um zu feiern, dass die Ermittlungen im Fall Piekenbrock nun nicht mehr weitergeführt werden müssen.

 

Drei Tage später macht sich eine alte Dame namens Elsa Dorn im Ortsteil Linden ausgehfertig und verlässt ihre Wohnung. Es ist erst halb sechs Uhr in der Frühe und noch recht kühl. Sie versucht, nicht von Hausbewohnern oder Bekannten gesehen zu werden, denn sie will, weil sie sehr knapp bei Kasse ist, leere Flaschen und Dosen sammeln, um das Pfandgeld zu kassieren.

Als Elsa Dorn die Rampenstraße erreicht, die sich entlang eines breiten Einschnitts erstreckt, der einem Flussufer ähnelt, in dem jedoch nur eine überwucherte Schienentrasse verläuft, die im Osten in die ehemalige Kohleentladestation der Stadtwerke mündet, und schließlich am Spielplatz Rampenstraße ankommt, findet sie einige Flaschen. Sie geht ein Stück weiter und sieht einen Menschen auf dem Bauch am Boden liegen, das Gesicht nach unten. Ein Obdachloser im Suff? Nein! Elsa weiß als ehemalige Krankenschwester sofort, dass es sich um einen Toten handelt.

In den Sachen des Toten findet sie seine Geldbörse mit 240 Euro darin. Sie denkt daran, was sie damit alles kaufen könnte und steckt sie ein. Dann verlässt Sie den Ort.

Die Polizei stellt noch am Tatort fest, dass es sich bei dem Ermordeten um Boris Markstein handelt. Umfangreiche Ermittlungen beginnen.

 

Die Autorin versteht es, ihre Charaktere sehr authentisch darzustellen, wobei sie alle Ecken und Kanten haben und deutlich als Individuum erkennbar sind. Dabei deckt Susanne Mischke zudem eine große Bandbreite an Persönlichkeiten ab und beschreibt durchaus nicht den Einheitsbrei an Menschen, den viele andere Geschichten liefern.

Die Nuancen und Zwischentöne in der Kommunikation dieser Charaktere und in ihren Gedanken über sich selbst und die anderen sind nicht nur sehr aufschlussreich und interessant, sondern auch oft recht humorvoll und mit einem Augenzwinkern beschrieben, was der Geschichte einen gewissen Pfiff gibt.

Aber nicht nur auf die Beschreibung von Personen und ihrer Kontakte miteinander versteht sich die Erzählerin, sie ist zudem eine Meisterin in der Entwicklung von Spannung und Dramatik und fesselt auf diese Weise den Leser mit ihrer Story.

Dabei steigert sich die Spannung des Geschehens vom Anfang bis zum Ende des Romans stetig und mündet in eine ausgesprochen dramatische Episode am Schluss, die aber noch immer nicht die Geschichte auflöst. Erst ganz am Ende wird klar, wer der Täter ist und welche Beweggründe er für seine Tat hatte, sodass man als Leser bis zum letzten Satz gefesselt ist und immer weiter lesen möchte.

Zudem hat die Autorin beste Ortskenntnisse und vermittelt dem Leser ein interessantes Bild von der Großstadt und ihren Teilen, in denen das Erzählte stattfindet. Hier zeigt sich deutlich, dass die Verfasserin lange Zeit selbst in Hannover gelebt hat und die Örtlichkeiten kennt, über die sie schreibt.

Fazit:
Susanne Mischke legt mit Hättest du geschwiegen einen ebenso psychologisch fundierten wie spannenden Kriminalroman vor, der einer gewissen Komik nicht entbehrt und zudem die örtlichen Gegebenheiten und Stadtteile Hannovers genau beschreibt.

Ich kann diesen Roman dem anspruchsvollen, an Menschen interessierten Krimileser empfehlen, der gerne etwas Ungewöhnliches über seine Mitbürger liest.

Die Autorin:

Susanne Mischke ist im August 1960 in Kempten im Allgäu geboren. Sie lebte lange in Hannover und wohnt nun in Wertach im Oberallgäu. 1981 machte sie ihr Abitur und studierte dann an der FH Kempten Betriebswirtschaft. Nach Tätigkeiten in der IT-Branche und als Journalistin veröffentlichte sie 1994 ihren ersten satirischen Roman, der im Berlin-Kreuzberg der 80er-Jahre spielt.

Ab 1996 veröffentlichte sie Kriminalromane, die zum Teil vom ZDF verfilmt wurden. Zudem schrieb sie ein Kriminalhörspiel für den Deutschlandfunk und für die Krimiserie Alarm für Cobra 11. Neben Krimis verfasste sie auch Jugendbücher, zum Beispiel für Arena und dtv, und gibt in einem Verlag in Springe eine Krimireihe heraus.

Seit 1999 ist sie Mitglied im Syndikat und war von 2001 bis 2004 Präsidentin der deutschsprachigen Sektion der Sisters in Crime.

Für Ihre Werke erhielt sie den Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis und den Frauen-Krimipreis der Stadt Wiesbaden.

Quellen:

Bilder:

  • Cover des Romans. Mit freundlicher Genehmigung des Piper-Verlags.
  • Foto der Autorin. Copyright: Antonio Moroni. Ebenfalls mit freundlicher Genehmigung des Piper-Verlags.

(ww)

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